Spezialisten Talk – Markus Horn von der Paul Horn GmbH

Bei einem Gespräch mit Zerspanungstechnik.de äußerte sich der Geschäftsführer Markus Horn u.a. zu Fragen um die derzeitige Situation für die Präzisionswerkzeughersteller, den Stellenwert von Fachmessen und zur Politik in Deutschland.

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CEO Markus Horn führt die Geschäfte der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH in 3. Generation der Eigentümerfamilie (Bildnachweis: Dieonlinemagazine.de)

Frank Dietsche – Herr Horn, ihr Kollege Phillip Dahlhaus hat mir schon die Neuheiten ihres Unternehmens vorgestellt und erklärt. Die gesinterte Spanformgeometrie bei den Supermini Werkzeugen ist eine Innovation. Für den internationalen Wettbewerb auch eine Steilvorlage um diese Technologie zu kopieren?

Markus Horn – Mit der gesinterten Spanformgeometrie für unser Kernprodukt Supermini haben wir etwas geschaffen, dass weder leicht noch schnell kopiert werden kann. Auch wir haben mehrere Jahre benötigt, um zum heutigen Ergebnis zu kommen. Während der Wettbewerb Aufwand und Kosten hierbei eher scheut, arbeiten wir bereits am weiteren Ausbau dieser Technologie. Beispielweise zu sehen auch in unserem Produktbereich Mini.

FD – Die Paul Horn GmbH ist traditionell auf wichtigen Fachmessen als Aussteller aktiv. Dieses Jahr im September steht die AMB in Stuttgart an. Wie sehen sie die Zukunft der Fachmessen, auch in Bezug auf Aufwand, Kosten und Ertrag?

Markus Horn – Messen sind bis heute Dreh- und Angelpunkt für Dialog auf Augenhöhe und für die Präsentation unserer Produkte. Daher gehören Messen fest zu unserer Kommunikations- und Marketingstrategie. Wir sind überzeugt, wenn Anwender uns und unsere Produkte mit allen Sinnen wahrnehmen können, schaffen wir damit Glaubwürdigkeit und überzeugen mit Fakten. Beispielsweise mit Livezerspanung. Auf der AMB laufen gleich drei Maschinen unter Span bei uns auf dem Stand. Natürlich beinhalten Messen einen gewissen Kostenfaktor. Wir sehen aber in diesen Veranstaltungen nicht das reine Kosten-Umsatzverhältnis, sondern die Möglichkeiten darüber hinaus. Eben mehr von unseren Anwendern zu erfahren. Die Anforderungen näher Kennenzulernen und das in einem einzigartigen Wettbewerbsumfeld. Wo sonst, hat man so viel Anbieter physisch vor Ort? Wir scheuen keine Vergleiche, da wir von unseren Produkten, Lösungen und unserem Beratungs-Knowhow überzeugt sind.

FD – Werden Social Media und/oder künstliche Intelligenz die Welt der Fachmessen verändern?

Markus Horn – Grundsätzlich betrachte ich Digitalisierung als hilfreich. Und zwar dort, wo dadurch Mehrwerte erzeugt werden. Somit sind für mich Social Media und KI zusätzliche Möglichkeiten, Informationen zu transportieren und Erleichterungen zu schaffen. Die Messen selbst ersetzen diese Kanäle allerdings in keinster Weise. Frei nach dem Motto, das eine Tun und das andere nicht lassen – mit der genannten Einschränkung, dass es einen Mehrwert liefern muss. KI kann in Zukunft beispielsweise den Messebesuch optimieren, in dem Laufrouten oder Zusatzinformationen bereitgestellt werden können.

FD – Die ständigen und nicht aufhörenden Diskussionen um den Verbrennungsmotor, oder beispielsweise die REACH- und RoHS-Verordnungen der EU zu bleifreien Werkstoffen, haben die Präzisionswerkzeughersteller vor große Herausforderungen gestellt. Wie ist ihre Einschätzung hinsichtlich der Einflussnahme der Politik für deutsche Unternehmen?

Markus Horn – Für mich ist ganz klar: Die Politik schafft Rahmen und Leitplanken. Lösungen schafft die Wirtschaft bzw. die Industrie. Und die Nachfrage regelt Durchsetzung. Das ist mein Verständnis von (sozialer) Marktwirtschaft. Aktuell geht die Politik mit Gesetzgebungen, Verordnungen und weiterer Bürokratie viel zu weit. Ich merke bereits seit längerem, wie uns das in Deutschland und Europa zu schaffen macht hinsichtlich des globalen Wettbewerbs. Trotzdem weise ich darauf hin, dass die Grundidee hinter den Themen oft richtig und wichtig ist. Z. B. bei REACH und RoHS, dass Mensch und Umwelt besser vor Schadstoffen, wie Blei, geschützt werden. Heute wird leider viel zu häufig übers Ziel hinausgeschossen.

FD – Als ehemaliger Präsident der European Cutting Tools Association (ECTA), haben sie bestimmt Kontakt, zu ihren europäischen Marktbegleitern. Sind die Anforderungen der Politik an die Unternehmen in anderen EU-Ländern vergleichbar mit Deutschland?

Markus Horn – Viele Regeln legt die EU fest – zu viele meiner Meinung nach. Richtlinien müssen dann i. d. R. in gewissen Abständen in nationales Recht umgesetzt werden. Verordnungen gelten direkt und einheitlich für alle Mitgliedstaaten. Insofern sind die Anforderungen vergleichbar. Die penibel genaue Einhaltung durch die Betroffenen wird meines Erachtens jedoch in Deutschland mit am stärksten kontrolliert und damit auch umgesetzt. Andere Länder zeigen uns, wie dieselben EU-Richtlinien effektiv und gleichzeitig effizient umgesetzt werden.

FD – Was sollte nach ihrer Ansicht die Politik in Deutschland umsetzen, um schnell wieder für Wachstum zu sorgen?

Markus Horn – Die Politik muss endlich die Bürokratie abbauen und es Unternehmern in allen Bereichen leichter machen. Warum definiert man beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz nicht sichere Herkunftsländer, die per se geeignet sind. Ähnlich wird das in der DSGVO geregelt. Drittländer mit Angemessenheitsbeschluss. Das wären pragmatische Lösungen. Der Staat wälzt sonst die eigenen Aufgaben und Verantwortungen auf die Unternehmen ab und das kann es beim besten Willen nicht sein. Für Unternehmen und die Bevölkerung gilt der selbe Grundsatz: Wir übernehmen gerne Verantwortung!

FD – Wie sind Ihre Erwartungen an das Jahr 2026?

Markus Horn – Auf uns bezogen, sind wir glücklicherweise ordentlich in das Jahr gestartet. Jedoch kämpfen auch wir mit rückläufigen Stückzahlen. Die genannten Probleme müssen von der Politik zeitnah angegangen werden, um endlich aus der andauernden Rezession herauszukommen. Wir selbst tun alles dafür, was aus eigener Kraft möglich ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Wachstum aktuell in erster Linie international passiert. Ich glaube an uns, an den Maschinenbau und an die deutsche Wirtschaft. Es heißt jetzt zu handeln. Denn unser aller Wohlstand hängt davon ab.

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Frank Dietsche von Dieonlinemagazine.de