Spezialisten-Talk: Erich Timons – neuer CEO von ISCAR Germany

Zum 1. Januar 2026 hat Erich Timons die Geschäftsführung der ISCAR Germany GmbH in Ettlingen übernommen. Zuvor war er als CTO tätig. Im Interview spricht er über Vertrauen, Veränderungen, Marktherausforderungen und das klare Ziel: nachhaltiges Wachstum statt Stillstand.

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Am 1. Januar 2026 hat Erich Timons die Geschäftsführung der ISCAR Germany GmbH übernommen. Hier im Interview mit Frank Dietsche. ©DOM

Frank Dietsche:
Herr Timons, wie geht es Ihnen – hat sich Ihr ISCAR-Leben verändert?

Erich Timons (lächelt):
Danke, mir geht es sehr gut. Natürlich hat sich einiges verändert, aber ich bin seit vielen Jahren bei ISCAR und kenne sowohl die Menschen als auch die Abläufe im Unternehmen sehr gut. Zudem verfügen wir über eine hervorragend funktionierende Organisationsstruktur – das erleichtert vieles.

FD:
Seit dem 1. Januar 2026 sind Sie CEO der ISCAR Germany GmbH und haben Hans-Jürgen Büchner abgelöst. Wie lief dieser Übergang ab?

Erich Timons:
Bereits vor rund zwei Jahren haben wir innerhalb der Geschäftsleitung begonnen, Verantwortlichkeiten neu zu strukturieren. In diesem Zuge wurde ich zum CTO beziehungsweise Director Operations (ppa.) ernannt und übernahm die Verantwortung für Technik und Produktion. Die Aufgaben der heutigen Position waren mir daher bereits sehr vertraut.

FD:
War von Konzernseite von Anfang an klar, dass die Nachfolge intern geregelt wird?

Erich Timons (gelassen):
Das entspricht der DNA von ISCAR. Managementpositionen werden traditionell aus den eigenen Reihen besetzt. Unsere Niederlassungen genießen ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit, und dieses Vertrauen basiert auf langjähriger Zusammenarbeit. Es wird eher jemandem entgegengebracht, den man über Jahre kennt, als einer externen Führungskraft.

Erich Timons hat die Geschäftsführung von ISCAR Germany von Hans-Jürgen Büchner übernommen. ©DOM

FD:
Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter also?

Erich Timons:
Genau. Quereinstiege im Management gibt es bei ISCAR nicht. Ein gutes Beispiel ist mein Nachfolger als CTO: Gerhard Bonfert, ebenfalls seit vielen Jahren bei ISCAR. Er ist konzernweit hervorragend vernetzt, kennt Produktmanagement, Fertigung und Konstruktion aus eigener Führungserfahrung. Für mich ist es entscheidend, in Schlüsselpositionen Menschen zu haben, auf die ich mich uneingeschränkt verlassen kann.

FD:
Wie sieht es mit dem Vertrauen innerhalb der IMC-Unternehmensgruppe aus?

Erich Timons:
Wir haben jederzeit volle Rückendeckung gespürt – sowohl von Jacob Harpaz, Präsident und Vorsitzender der IMC-Gruppe, als auch von Ilan Geri, Präsident und CEO von ISCAR Global. Dieses Vertrauen erarbeitet man sich über Jahre. Nach über 20 Jahren bei ISCAR kennen sie meinen Weg sehr genau. Umso erfreulicher war auch die durchweg positive Resonanz innerhalb des Unternehmens – national wie international.

FD:
Neubau, neue Technologien, neue Produktkampagnen – klingt nach Kontinuität ohne große Veränderungen.

Erich Timons (lacht):
Ganz so ist es nicht. Auch wir müssen uns weiterentwickeln, denn die Marktbedingungen haben sich deutlich verändert. Der Wettbewerbsdruck ist heute spürbar größer. In einem stagnierenden oder schrumpfenden Markt ist Wachstum deutlich anspruchsvoller – unser Ziel bleibt aber klar: wachsen, nicht den Status quo verwalten.

FD:
Gibt es dafür bereits konkrete Maßnahmen?

Erich Timons:
Ja, insbesondere bei Produkten und Marktbearbeitung. Wir haben unsere indirekten Vertriebskanäle in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut, um gemeinsam eine breitere Marktabdeckung zu erreichen.

FD:
Birgt das keine Zielkonflikte, wenn Handelspartner auch andere Produkte vertreiben?

Erich Timons (nachdenklich):
Das ist durchaus anspruchsvoll. Handelspartner verfolgen eigene Interessen. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen, die Mehrwerte eines Premiumprodukts klar zu kommunizieren. Zudem werden auch unsere Kunden anspruchsvoller – unter anderem als Folge des Fachkräftemangels. Viele Unternehmen orientieren sich neu und fertigen heute für verschiedenste Branchen. Dabei unterstützen wir sie zunehmend mit Know-how und Prozesskompetenz.

FD:
Die Rohstoffpreise, insbesondere für Hartmetall, stellen die Branche vor große Herausforderungen. Wie geht ISCAR damit um?

Erich Timons:
Die Preisentwicklung bei Wolfram und Kobalt ist dramatisch – wir sprechen teils von einer Verachtfachung. Wenn es der Branche nicht gelingt, diese Kosten weiterzugeben, wird es existenzbedrohend. Die Entwicklung der letzten Wochen zeigt, dass weitere Preisanpassungen kaum vermeidbar sind.

FD:
Die Abhängigkeit von China als Rohstofflieferant ist hoch. Wie sichert sich ISCAR ab?

Erich Timons:
Ein entscheidender Vorteil ist unsere eigene Hartmetallproduktion. Wir bestimmen Zusammensetzung, Qualität und Priorisierung selbst und sind unabhängig von externen Lieferanten. Damit kontrollieren wir die gesamte Wertschöpfungskette nach unseren hohen Standards.

FD:
Gibt es Ansätze zur Reduzierung des Rohstoffverbrauchs?

Erich Timons:
Ja, zum Beispiel durch Werkzeuge mit Wechsel- oder Schraubköpfen statt Vollhartmetall oder durch Wendeplatten mit mehreren Schneidkanten. Ziel ist es, aus dem eingesetzten Material das Maximum herauszuholen – ohne Einbußen bei Produktivität oder Standzeit.

FD:
Auch das Recycling gewinnt an Bedeutung.

Erich Timons:
Absolut. Wir führen unseren gesamten Hartmetallschrott aus allen Werken konsequent dem Recycling zu. Der logistische und organisatorische Aufwand ist enorm, aber unverzichtbar. Recycling wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

FD:
Auf der EMO war ein starker asiatischer Wettbewerbsauftritt zu sehen. Wie schätzen Sie das ein?

Erich Timons:
Es gab viele neue Anbieter, einige davon werden zu ernsthaften Wettbewerbern. Andere verfügen noch nicht über die notwendige Reife. Klar ist: Der Druck wird steigen. Unsere Antwort kann nur Innovation und Service heißen. Beides kostet Geld – aber genau darin liegt unser Mehrwert.

FD:
Wie begegnen Sie neuen Herausforderungen wie Fachkräftemangel, neuen Werkstoffen und wachsendem Preisdruck?

Erich Timons:
Indem wir zuhören. Jeder Kunde hat andere Anforderungen. Unsere Aufgabe ist es, aus unserem breiten Portfolio die passende Lösung zu finden und umfassend zu beraten – unterstützt durch Workshops, Praxisanwendungen in unserem Technikcenter, digitale Tools wie I‑Quote und den persönlichen Austausch.

FD:
Herr Timons, vielen Dank für das offene Gespräch und viel Erfolg in Ihrer neuen Rolle.

Erich Timons:
Sehr gerne. Danke Ihnen.

Das Interview führte Frank Dietsche von Dieonlinemagazine.de

Kontakt:

www.iscar.de