Zukunftskonferenz Maschinenbau

Kontroverse Diskussion um zentrale Handlungsfelder

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Im Rahmen der Zukunftskonferenz Maschinenbau am 24. April 2013 in Leipzig wurden exklusiv die Ergebnisse der Studie "Wie werden wir morgen produzieren? Zentrale Trends und Antworten für den ostdeutschen Maschinenbau" vorgestellt. Mehr als 100 Teilnehmer informierten sich über Entwicklungstrends der kommenden zehn bis 15 Jahre und diskutierten Handlungsempfehlungen.

Untersucht wurde beispielsweise, mit welchen Wertschöpfungskonfigurationen, Geschäftsmodellen und Technologien wettbewerbsbestimmende Produkte am Markt platziert werden können, welche Auswirkungen die Fabrik der Zukunft auf die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften hat und wie politische Rahmenbedingungen, Netzwerke und Kooperationen künftig gestaltet werden müssen.

Das Bundesinnenministerium (BMI) hatte die Studie auf Empfehlung des VDMA Ost ausgeschrieben. Die mit der Studie beauftragte Technische Universität Chemnitz sollte systematisch aufarbeiten, ob die gute Entwicklung der vergangenen Jahre zu einer stetigen Aufwärtsbewegung führt, welche Zukunftsfelder sowie Chancen sich herausbilden und welche grundlegenden Herausforderungen bewältigt werden müssen.

v. l. n. r.:
– Stefan Peikert (AHP International GmbH & Co. KG)
– Uwe Grundmann (KAESER KOMPRESSOREN AG)
– Prof. Dr. Egon Müller (Technischen Universität Chemnitz)
– Thilo Boss (Moderator)
– Barbara Meyer (Staatsministerium für Wirtschaft in Sachsen)
– Mathias Schwarzendahl (H&T ProduktionsTechnologie GmbH)
– Reinhard Pätz (VDMA Ost)

Ostdeutschland steht vor Veränderungen

Die Weltwirtschaft steht vor umfassenden Veränderungen. Auch die Branche in Ostdeutschland muss sich nach dem Umbruch Anfang der 1990er-Jahre erneut auf einen weitreichenden Wandel einstellen. "Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat sich zu einer tragenden Säule der ostdeutschen Industrie entwickelt. Doch die Branche steht erneut vor enormen Herausforderungen, diesmal vor allem durch neue technologische Umbrüche und ein knapper werdendes Fachkräfteangebot", so Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Ostbeauftragter der Bundesregierung. "Ich bin zuversichtlich, dass der Maschinen- und Anlagenbau auch diese Umbrüche bewältigen wird, indem er sich frühzeitig auf die damit verbundenen neuen Chancen und Herausforderungen der Zukunft einstellt."

Der Studie zufolge gehören zu den relevanten Trends unter anderem die zunehmende Internationalisierung, die digitale Vernetzung, ein Wandel der Kundenanforderungen hin zu nutzenorientierten, kundenindividuellen Produkten, der Einsatz neuer Technologien und Materialien sowie spezielle regionale Entwicklungen. Die Veranstaltung legte den Schwerpunkt auf die für den ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau vorrangigen Themen Internationalisierung und Fachkräfte. Diese Aspekte wurden in einer Podiumsdiskussion und vertiefenden Fachforen erörtert.

Marktentwicklung professionell gestalten

Stefan Peikert, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatungsgesellschaft AHP beobachtet schon seit längerem eine zunehmende Professionalisierung der Auslandsaktivitäten. "Sicherlich stehen kleinere Unternehmen vor größeren Hürden. Wenn sie sich jedoch auf das Machbare konzentrieren und sich gezielt für einige wenige Märkte entscheiden, können auch sie Auslandsgeschäfte erfolgreich gestalten", betonte Peikert in der Podiumsdiskussion.

In dem Zusammenhang sprachen sich alle Beteiligten für Kooperationen aus. "Wertschöpfungsketten machen nicht an Grenzen halt. Daher werden künftig vermehrt Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft, aber auch von Unternehmen untereinander überregional und sogar international erforderlich sein", unterstrich Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Dabei müsse jedes Unternehmen seinen individuellen "Königsweg" ergründen. In seiner Rede verwies beispielsweise Michael Franzki, Inhaber der Hohenstein Vorrichtungsbau und Spannsysteme GmbH, darauf, dass immer mehr Kunden eine lokale Präsenz im Vertriebs- und Servicebereich voraussetzen. "Vor allem kleinere Unternehmen sollten hier noch enger zusammenarbeiten, um personelle oder finanzielle Nachteile auszugleichen", meinte Franzki. Dies könne vom reinen Erfahrungsaustausch bis hin zu Service- oder Vertriebskooperationen reichen.

So empfahlen während der Podiumsdiskussion auch die Unternehmensvertreter Mathias Schwarzendahl von der H&T ProduktionsTechnologie GmbH und Uwe Grundmann von der KAESER Kompressoren GmbH einen Partner vor Ort. "Dies hat uns den Einstieg in das internationale Geschäft erleichtert", sagte Schwarzendahl. Als wichtig sehe er zudem an, sich vor einem Auslandsengagement mit der Mentalität des jeweiligen Ziellandes auseinanderzusetzen. "Entscheidend ist ein einheimischer Repräsentant, jemand, der sich sehr gut im Zielmarkt auskennt", ergänzte Grundmann.

Attraktive Rahmenbedingungen

Die Diskussion verdeutlichte, dass die Politik, Verbände und Kammern eine gewisse Vorarbeit leisten können. Demnach spielen politische Vertreter als Türöffner eine wesentliche Rolle. "Wir verzeichnen ein steigendes Interesse an Auslandsmärkten", sagte Barbara Meyer, Leiterin der Abteilung Wirtschaft im sächsischen Wirtschaftsministerium. Der Freistaat unterstützt Unternehmen unter anderem durch Delegationsreisen in systematisch ausgewählte Länder wie Russland, China und die Türkei. "Russland will zum Beispiel seine Industrie mit Hilfe deutscher Technologien modernisieren. Hier bieten sich für die ostdeutschen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus enorme Absatzchancen", schätzte Meyer ein.

Auch der VDMA Ost begleitet seine Mitglieder auf vielfältige Weise, etwa durch die Unterstützung im Messegeschäft, die Vermittlung von Kooperationspartnern, direkte Ansprechpartner in den Auslandsverbindungsbüros Brasilien, China, Russland und Indien und Japan sowie Informationen rund um Exportfragen.

"Wir müssen heute den Wandel gestalten", ist Bergner sicher. Dabei seien Politik und Wirtschaft gleichermaßen gefragt, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, um kluge Köpfe in der Region zu halten. Dies belegte auch die Studie. Egon Müller, Leiter der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb am Institut für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme der Technischen Universität Chemnitz, zufolge müsse zielgerichtet etwas getan werden, um den künftigen Bedarf decken zu können. Dazu zählten ein aktives Personalmanagement zur Akquise und frühzeitigen Bindung von qualifizierten Mitarbeitern, Qualifizierungsnetzwerke, attraktive Angebote für Nachwuchskräfte sowie Flexibilisierungsstrategien in der Arbeitsorganisation wie altersgerechte Arbeitsbedingungen oder situationsabhängige Arbeitszeitmodelle.

Ein Beispiel für die Umsetzung in einem typisch mittelständischen Unternehmen ist die MABA Spezialmaschinen GmbH aus Bitterfeld-Wolfen. Geschäftsführerin Ingrid Weinhold fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, neue Mitarbeiter und Auszubildende zu finden. "Es ist wichtig, den jungen Menschen die Möglichkeiten in der Industrie in unserer Region aufzuzeigen. Ich setze bei der Suche nach Auszubildenden deshalb zum Beispiel auf enge Kontakte zu Schulen", erklärte Weinhold. Zudem müsse man Bewerbern die guten Perspektiven aufzeigen. "Gerade in kleineren Unternehmen mit flachen Hierarchien, wie es sie häufig in Ostdeutschland gibt, haben Nachwuchskräfte hohe und schnelle Aufstiegschancen."

Fachforen verdeutlichen notwendige Handlungsfelder

Darüber hinaus setzten sich zwei Fachforen mit den Themenkomplexen "Technik und Mensch: Neue Anforderungen an die Fachkräftesicherung und -qualifizierung" sowie "Die Zukunft ist international: Strategische Kooperationen auf Auslandsmärkten" auseinander. In konkreten Praxisbeiträgen des Maschinenbaus berichteten Geschäftsführer und Führungskräfte über ihre Erfahrungen. "Die Erschließung neuer ausländischer Märkte, die Etablierung globaler Wertschöpfungsketten, nutzenorientierte und kundenindividuelle Lösungen, eine strategische Personalpolitik sowie neue Lernformen wie das selbstgesteuerte und prozessorientierte Lernen werden in den kommenden Jahren maßgeblich den Erfolg von Unternehmen beeinflussen", erläuterte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Jetzt gelte es, die in der Studie herausgearbeiteten Ergebnisse auf die regionalen Besonderheiten zu reflektieren und Veränderungen voranzutreiben. "Nach einem angemessenen Zeitraum werden wir fragen, welche Handlungsempfehlungen umgesetzt und wie sich Rahmenbedingungen verändert haben", schaut Pätz in die Zukunft.

Die Zukunftskonferenz Maschinenbau organisierte der VDMA Ost mit Unterstützung des BMI, des Wirtschaftssenats Berlin und der Wirtschaftsministerien von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Quelle: VDMA