Dentaltechnik fordert Null-Fehler-Produktion

„Grundsätzlich sind Dentalfräsmaschinen nichts anderes als normale CNC-Fräsmaschinen“, sagt Dr.-Ing. Michael Kreis, Leiter des Technologiezentrums der Datron AG in Mühltal-Traisa bei Darmstadt. Auf der METAV-Sonderschau „Metal meets Medical“ zeigen Anbieter von Maschinen, Werkzeugen, Messtechnik und Software, dass die dentale Prozesskette lebt.

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Im Technologiezentrum der Datron AG
Darstellung des Dental-Fräsprozesses an einem Monitor
 Bearbeitungsbeispiel eines Cobalt-Chrom-Blanks

Dr.-Ing. Michael Kreis, Leiter Technologiezentrum der Datron AG bei der Bedienung der Dentalfräsmaschine über ein iPad

Die Zahnersatzfertigung ist eine höchst anspruchsvolle individuelle Massenproduktion. „Allein in Deutschland“, schätzt Datron-Experte Dr.-Ing. Michael Kreis, „sind 2010 über 20 Millionen Kronen gefertigt worden. Das sind 20 Millionen Einzelstücke, denn es gibt kaum einen Zahn zweimal.“ Um diese Vielfalt in Form und Material wirtschaftlich und prozesssicher fertigen zu können, müsse man dem Anwender eine Null-Fehler-Produktion auf den ersten Wurf gewährleisten.

Wenn man in einen Markt wie die Medizin- oder Dentaltechnik „richtig einsteigen will“, so Kreis, „dann geht das nicht so nebenher“. So hat man 2008/2009 die Entwicklung einer Dentalmaschine beschlossen, die speziell für diesen Markt zugeschnitten ist. Schon immer „recht breit aufgestellt“, war Datron bereits in vielen Märkten zu Hause: CNC-Bearbeitung im Elektronik- und Kunststoffbereich von Aerospace über Automotive bis zur Medizintechnik. Auf der Grundlage dieser Branchenkenntnisse wurden nun die Anforderungen des Dentalmarkts analysiert und daraus die Dentalfräsmaschine Datron D5 entwickelt. Bereits im März 2011 wurde die Innovation auf der weltgrößten Dentalmesse in Köln präsentiert.

Die verwendete Steuerungssoftware basiert auf der bewährten Steuerung der vorhandenen CNC-Maschinen. Die spezielle Anpassung beinhaltet eine für das Dentallabor maßgeschneiderte Bedienoberfläche. Dadurch ist die Darstellung sehr einfach und übersichtlich: „Es gibt weder Maus noch Tastatur, sondern nur ein Touchpad.“

Offene Systeme in kompletter Prozesskette

Die klassischen CAD/CAM-Lösungen in der Dentaltechnik waren meist geschlossene Systeme. Der Markt verlangt aber zunehmend offene Systeme, die jedoch für den Anwender schwieriger zu beherrschen sind. „Deshalb bieten wir“, erläutert Michael Kreis, „die gesamte Prozesskette an: Vom Scanner, CAD/CAM-Software, Maschine, Werkzeuge bis hin zum verwendeten Material, das allerdings über Kooperationspartner“.

Grundvoraussetzung dabei bleibt, dass man die Maschine trotz aller Komplexität und technischen Finessen so bedienbar hält, dass auch fachfremde Bediener damit prozesssicher arbeiten können – und das bei manchmal hochkomplexen Werkstücken wie implantatgetragenen, vollspangigen Brücken, die dabei auch noch hochgenau sein müssen. Die Vielfalt der erforderlichen Bearbeitungsgänge ist dabei selbst für CNC-Fachleute eine kleine Herausforderung.

Vor diesem Hintergrund die Steuerungsoberfläche zu gestalten, dass die Informationen reduziert sind auf das was der CNC-unerfahrene Zahntechniker wissen muss, grenzt an Gratwanderung. Dabei wird der CNC-Profi wohl manche Information vermissen (welches Werkzeug ist gerade in der Spindel, Drehzahl der Spindel, aktueller Vorschub, Restweg usw.). Dafür ist der zahntechnische CNC-Anfänger nach kurzer Schulung mit allen relevanten Funktionalitäten ganz gut vertraut.

„Bei unserer Prozesskette“, konkretisiert Kreis, „wird vom CAM-Rechner über ein Netzwerk direkt auf die Maschine gestreamt, und die Maschine findet dann diesen Job in ihrer Job-Bibliothek“. Damit bekommt der Anwender detaillierte Informationen, ob der Versorgungsstatus an der Maschine gewährleistet ist (Werkzeuge, Kühlmittel, Werkstücke), und erst wenn dort alle Ampeln auf Grün stehen, kann er den Job starten – und das hauptzeitparallel. Das heißt, man kann an einem Job fräsen und gleichzeitig an der Steuerung weitere Jobs verwalten oder neue Werkstücke nachladen.

„Aus meiner Sicht“, fasst Dr.-Ing. Michael Kreis abschließend zusammen, „ist die digitale dentale Prozesskette geschlossen“. Die heute üblichen offenen Systeme haben sich in den vergangenen Jahren nach anfänglichen Schwierigkeiten etabliert und werden inzwischen weltweit millionenfach angewendet. Natürlich sei noch nicht jede Praxis und jedes Labor „digital verkettet“, dennoch ist er überzeugt: „Heute wird die Prozesskette gelebt.“

Wichtige Vertriebsplattform und Indikator

Die METAV, fügt Michael Kreis noch an, „ist seit jeher eine sehr wichtige Messe für uns. Besonders im nationalen und europäischen Markt ist sie eine wichtige Vertriebsplattform und Indikator für den Jahresstart. Durch die Sonderveranstaltung zum Thema ‚Metal meets medical’ gewinnt sie für uns noch mehr an Bedeutung, da wir durch die Entwicklung unserer Dentalfräsmaschine erfolgreich in den Medizintechnik-Markt eingetreten sind und unsere Kompetenz in diesem Bereich noch weiter ausbauen werden“.

Kontakt:

www.datron.de

www.metav.de