Spezialisten Talk – Stefan und Yannik Zecha von der ZECHA GmbH

Mit welchen Herausforderungen ein Hersteller von Präzisionswerkzeugen konfrontiert ist, beschreiben die beiden Geschäftsführer der Zecha GmbH, einem Hersteller von Präzisions-Mikrowerkzeugen mit Hauptsitz in Königsbach-Stein.

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Stefan und Yannik Zecha, die beiden Geschäftsführer der ZECHA GmbH. Bild: Zecha

Frank Dietsche: Die erste Frage geht direkt an Yannik Zecha. Sie haben im April 2025 die Position als Geschäftsführer neben ihrem Vater angetreten. Wie verliefen die ersten Monate für Sie?

Yannik Zecha: Ich denke vollständig kann man sich darauf nie vorbereiten, da es eine absolut neue Situation für einen selbst ist. In den ersten Monaten war es natürlich eine besondere Situation sowohl für mich als auch für alle Anderen. Für manche Kollegen war es etwas plötzlich, dass Sie nun mich als neuen Chef haben aber auch naheliegend da ich schon lange Interesse an unserem Familienunternehmen gezeigt habe wie bspw. zu Beginn durch meine regelmäßigen Ferienjobs als auch durch mein duales Bachelorstudium im Maschinenbau, welches ich auch im eigenen Betrieb absolviert hatte.

Da der Übergang geplant und vorbereitet war, hatte ich die Chance mich gedanklich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Ebenso ging der Wechsel nicht abrupt, sondern eher fließend – was ich insbesondere unserem eingespielten Management-Team zu verdanken hatte.

FD: Und was denkt der Vater?

Stefan Zecha: Sehr positiv, neue Ideen und neue Ansatzpunkte. Er macht seinen eigenen Fußabdrücke in der Firma speziell im neuen Bereich der gelaserten Werkzeugen.

FD: 2024 haben sie das 60-jährige Firmenjubiläum gefeiert und bei einem Festakt auf der AMB in Stuttgart ihren Sohn Yannik den geladenen Gästen bereits vorgestellt. Eine Unternehmensnachfolge für weitere 60 Jahre unter weltpolitisch veränderten Voraussetzungen?

Stefan Zecha: Wenn ich überlege wie mein Vater angefangen hat gab es schon immer Krisen und Umbrüche aber das sind ja auch zugleich auch Chancen neue Wege zu gehen oder neu zu denken und das kann man im Besonderen wenn man jung ist , ich habe es auch anders gemacht wie mein Vater und ich denke das wird mein Sohn ähnlich machen. Es sind neue herausfordernde Zeiten mit denen keiner gerechnet hat. Wenn ich zurückdenke an 2019, als ich den VDMA Vorsitz von unserem geschätzten Herrn Lothar Horn übernommen habe und er mir diesen mit den Worten .“ Herr Zecha sie haben jetzt ruhiges Fahrwasser ganz anders als ich in 2008 angefangen habe „übergeben hat ,kann ich nur sagen, zum Glück wissen wir nicht was kommt aber wir müssen uns darauf einstellen

Seit sechs Jahrzehnten widmet sich ZECHA der Herstellung von Mikropräzisionswerkzeugen und bringt in jedes Werkzeug hohes Fachwissen und bewährte Qualität ein, die eine hervorragende Leistung und Zuverlässigkeit gewährleisten. Bild: Zecha

FD: Auf der EMO 2025 in Hannover waren viele asiatische Werkzeughersteller zu sehen. Gehen für Sie als Hersteller von Mikro-Präzisionswerkzeugen die Alarmglocken an?

Stefan Zecha: Ja der Wettbewerb schläft nicht und wenn er dann noch die volle staatliche Unterstützung bekommt, wird es schwer. Aber deshalb sollte man sich immer seiner eigenen Stärken bewusst sein , die Augen offen halten, es ernst nehmen und über High End neue Lösungen, Innovation und Qualität den Abstand erhalten. Das ist nicht einfach,  aber das können wir in Deutschland

FD: Das Thema Rohstoffe und Rohstoffpreise spielen für die Herstellung von Präzisionswerkzeugen eine zentrale Rolle. Der wachsende Wettbewerb aus Fern-Ost ist hier deutlich im Vorteil. Wie können dem, deutsche oder europäische Hersteller entgegenwirken?

Stefan Zecha: Was in den letzte Monaten in diesem Bereich vorgeht ist so noch nie da gewesen und auch nicht vergleichbar. Selbst die kleinen Hersteller in China leiden und der Rohstoff Hartmetall wird immer wertvoller, um so wichtiger ist, dass das verbrauchte Werkzeuge im Kreislauf des Recyclings in Europa bleibt und nicht nach China geht. Der ATP Preis hat sich aktuell mehr als verdreifacht und die Wertigkeit des Rohstoffes wächst. Aber das bietet auch Chancen. Die Standzeit eines Werkzeuges wird jetzt noch wichtiger und die Qualität wird noch mehr in den Vordergrund kommen. Wie kann unser Kunde die Werkzeugkosten denn sonst noch beeinflussen? Das alte Sprichwort, wer billig kauft, kauft doppelt, gewinnt wieder mehr an Bedeutung.

Yannik Zecha: Dem kann ich nur zustimmen. Auch ist es wichtig einen engen und frühzeitigen Austausch mit seinen Lieferanten zu pflegen, da wir nur gemeinsam dieses Problem lösen können. Ebenso wie wir setzen auch unsere Kunden auf zuverlässige Partner, damit auch in Zukunft eine stabile Lieferkette in der Werkzeugbranche gewährleistet ist.

FD Der Fachkräftemangel war in den letzten Jahren ein omnipräsentes Thema. Hat sich das aufgrund der wirtschaftlichen Situation vieler deutscher Unternehmen geändert? Oder ist es durch die geänderten Anforderungen, sowohl technisch oder auch in der Mentalität der Menschen, auch nötig neue Konzepte im Bildungsbereich zu entwickeln?

Stefan Zecha: Natürlich sehen wir leider eine Anpassung der Kapazitäten auch im Facharbeiterbereich. Aber wenn mich ein junger Mensch fragen würde, ob es sich dennoch lohnt, in unserer Branche eine Ausbildung zu machen, würde ich das auf jeden Fall mit Ja beantworten. Wir stehen sehr weit vorne in der Technologie und müssen auch noch weiter gehen. Das erfordert hoch qualifizierte und hoch motivierte Facharbeiter. Und wo haben wir in diesem Bereich Wettbewerb, da wird es im internationalen Vergleich dünn. Maximal in der Schweiz oder Japan wird vergleichbar ausgebildet und ich bin sehr froh, das wir bei uns schon lange mit Erfolg ausbilden. Wir suchen auch jetzt Facharbeiter und Auszubildende, aber man muss wollen und auch können.

Yannik Zecha hat im April 2025 die Position des Geschäftsführers neben seinem Vater angetreten. Bild: Zecha

Yannik Zecha: Sowohl mit als auch ohne eine passende Ausbildung als Fachkraft sind die Anforderungen an das, was hier täglich geleistet wird, alles andere als gering. Aus diesem Grund setzen wir auch künftig auf eine eigene Ausbildung und legen gleichzeitig großen Wert auf ein gut strukturiertes und qualitativ hochwertiges Onboarding.
Die Werkzeugbranche unterliegt – bedingt durch sich stetig weiterentwickelnde Technologien – einem kontinuierlichen Wandel. Davon sind sowohl wir als Werkzeughersteller als auch unsere Kunden gleichermaßen betroffen. Unternehmen stehen dadurch permanent vor neuen Herausforderungen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Werkzeugherstellung mithilfe der Lasertechnologie. Wie so oft ist dabei nicht allein die Maschine entscheidend, sondern vor allem die richtige Entwicklung und Bedienung – Faktoren, die maßgeblich in der Verantwortung der Mitarbeitenden liegen.

An Hochschulen werden solche Prozesse theoretisch vermittelt und deren Einflussfaktoren erklärt. In unserem Arbeitsalltag benötigen wir jedoch nicht ausschließlich Masterabsolventen der Lasertechnik, sondern qualifizierte Fachkräfte mit technischem Verständnis, handwerklichem Geschick und einer gewissenhaften Arbeitsweise im täglichen Einsatz.

FD: Der Standort Deutschland wird von vielen Unternehmen in Frage gestellt. Beschäftigt sich die Zecha GmbH auch mit diesem Thema?

High Tech in der Produktion von Präzisionswerkzeugen bei ZECHA in Konigsbach-Stein. Bild: Zecha

Stefan Zecha: Wir haben uns bei Zecha schon sehr früh damit beschäftigt und sind deshalb schon im Jahr 2000 in Indien eine Partnerschaft mit einem renommierten Familienunternehmen eingegangen. Und ich glaube dies wird auch immer wichtiger. Deutschland als Land der neuen Ideen und Entwicklungen und Indien mit seinen menschlichen Ressourcen sind ein perfektes Team und wir sind an beiden Standorten gewachsen und ein eingespielt. Ich sehe das für uns als Standortsicherung in Deutschland, nur so können wir uns die eigene F&E Abteilung in der Größe leisten.

Yannik Zecha: Nur mit einer klaren Präsenz in Europa bleiben wir nah am Kunden und können neue Lösungen schnell und gezielt umsetzen. Wir haben hier in Deutschland ein eingespieltes Team mit hohen fachlichen Kompetenzen, welche wir auf keinen Fall aufgeben dürfen.

FD: Sie sind Vorsitzender des Fachverbandes VDMA Präzisionswerkzeuge und haben immer wieder ihre Forderungen an die Politik, wie z.B. Bürokratieabbau oder Energiekostensenkung, klar zum Ausdruck gebracht. Hat sich mit der neuen Regierung etwas geändert oder was sollte nach ihrer Ansicht die Politik in Deutschland umsetzen, um wieder für Wachstum zu sorgen?

Stefan Zecha: Die Themen werden nun schon seit Jahren von uns im VDMA benannt und ja es braucht in der Politik mehr als Worte.
Dem Herbst der Entscheidungen muss nun der Frühling der Entscheidungen ersetzen. Ich kann nur eindringlich an die Politik aber nicht nur in Deutschland sondern speziell in Brüssel appellieren. Wir müssen unsere Themen in diesen Bereichen angehen, sonst setzen wir unseren Wohlstand und viel schlimmer unsere Demokratie aufs Spiel. Der normale Bürger versteht das Ganze nicht mehr, warum unsere stärkste Branche die Automobil Industrie geopfert wird weil wir als einziger Kontinent der Welt ein Verbrenneraus haben. Die ganzen Entlassungen sind ja erst am Anfang und das Beispiel Detroit sollte sich in Stuttgart nicht wiederholen.

FD: Die Weltpolitik und auch die Mentalität im Welthandel haben sich verändert. Deutsche bzw. europäische Unternehmen sind zunehmend unter Druck geraten. Wie können die Unternehmen dem entgegenwirken?

Stefan Zecha: Ja das ist leider so in einen negativen Schwung gekommen den niemand so für möglich gehalten hat und deshalb können wir nur mit dem Punkten was wir am besten können, mit unserem technologischen Wissen. Kein Kunde auf der Welt kauft unsere Werkzeuge wegen dem Preis, sondern weil er mit dem Einsatz unserer Werkzeuge einen persönlichen Vorteil hat.

FD: Ihr Unternehmen gilt in der Branche als Top-Spezialist in der Mikrozerspanung. Kleinere und präzisere Bauteile sind immer mehr gefragt. In welchen Branchen kommen ihre Werkzeuge zum Einsatz?

Stefan Zecha: Überall dort wo es um kleine Bauteile in hoher Präzision geht und das kann die Mikromechanik sowie auch die Medizin sein. Aber ich sehe auch neue Felder, die sich hoffentlich auch in Europa wieder neu und stark aufstellen wie die Halbleiter oder Semiconductor Industrie nicht zu vergessen die Robotik wo mehr als genug Mikromechanik drin ist. Es ist wie immer, Krisen bieten auch Chancen, wir müssen sie ergreifen und auch da ist die Politik mit einer klaren Strategie gefragt. Aber auch jeder einzelne von uns muss weitsichtig und positiv nach vorne planen. Von nichts kommt nichts.

Yannik Zecha: Ergänzend sind es auch Bauteile, welche bspw. durch alternative Fertigungsverfahren wie bspw. die additive Fertigung entstehen aber allerdings noch eine Nacharbeit erfordern, um die benötigte Oberflächenqualität zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:

www.zecha.de