2025 im Rückspiegel

Für die Unternehmen rund um die Zerspanungstechnik und der metallverabeitenden Industrie waren die letzten Jahre eher eine trübe, holprige Tunnelfahrt als eine Panoramafahrt mit Weitblick. Zu viele Hürden und Hindernisse pflasterten den Weg zum Wachstum. Nachfolgend unser Blick in den Rückspiegel auf das vergangene Jahr.

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2025 im Rückspiegel von Zerspanungstechnik.de / Bild: DOM

Der Start in das Jahr 2025 war nicht unbedingt von Euphorie geprägt. Zu heftig waren die weltpolitischen- und weltwirtschaftlichen Ereignisse, die sowohl die deutschen Unternehmen als auch die Privathaushalte in eine enorme Unsicherheit für das neue Jahr blicken ließen. Die Unzufriedenheit über die Politik der eigenen Regierung machte zudem nicht wirklich Mut für eine positive Aussicht und Entwicklung.

Schon zu Jahresbeginn 2025 trübe Aussichten in Präzisionswerkzeugbranche. Bild: DOM

Auch die traditionell zum Jahresbeginn stattfindenden Jahrespressekonferenzen der Branchenverbände, erweckten im Vorfeld keine positive Erwartungshaltung. Dies wurde auf den Veranstaltungen des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA und des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) an deren Jahrespressekonferenzen auch bestätigt. Sowohl Stefan Zecha für die Hersteller von Präzisionswerkzeugen als auch Franz-Xaver Bernhard für die Werkzeugmaschinenhersteller, konnte keine Zahlen verkünden, die zur Hoffnung auf Besserung im Jahr 2025 ermutigten.

Die genannten Kernprobleme der Fachverbände waren nahezu identisch. Zu hohe Belastungen und Kosten für Unternehmen oder ein hoher Grad an Bürokratie waren durchweg die erstgenannten.
Der Wunsch an die Politik nach schnellem Bürokratieabbau, offenen Märkte, neuen Freihandelsabkommen, dem Abbau von Handelshemmnissen, bezahlbare Energie, ein investitionsfreundliches Steuersystem mit niedrigeren Unternehmenssteuern und besseren Abschreibungsbedingungen, war deutlich und einheitlich.

Ein leichter Hoffnungsschimmer war der anstehende Regierungswechsel, der schon kurz nach der Einführung vermuten ließ, dass die Regierungsparteien nicht kompatibel sind, was die Frage der notwendigen Maßnahmen für einen Wirtschaftsaufschwung angeht.

Florierende Wirtschaft bringt Wohlstand

Entgegen der Behauptung einer führenden und inzwischen ehemaligen Nachwuchspolitikerin, dass Arbeit krank macht und eine 20 Stundenwoche das Ziel sein muss, wurde von der Politik inzwischen erkannt, was vom Unternehmertum in Deutschland schon lange gesehen wurde. Wir brauchen mehr Arbeitskraft und Fachkräfte um international wettbewerbsfähig zu bleiben oder wieder zu werden. Doch Kosteneinsparungen durch Prozessoptimierungen der Unternehmen wurden durch politische Regelwerke und Zusatzbelastungen aufgehoben. Arbeitskraft, Fortschritt und Innovationen sind die Basis für Erfolg. Und wenn die Unternehmen erfolgreich sind, dann profitiert auch die Volkswirtschaft.

Arbeitskraft und Fachkräftemangel hemmen den Fortschritt

Um qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen, nehmen Unternehmen heute viel Geld in die Hand. Einerseits erfahrene Fachleute zu motivieren und im Arbeitsprozess zu halten, andererseits neue Nachwuchskräfte zu überzeugen, ist ein schwieriges Unterfangen. Ein attraktives Arbeitsumfeld und die Berücksichtigung individueller Wünsche, hat die Situation am Fachkräftemarkt verändert. „Früher hat im Bewerbungsgespräch der Bewerber geschwitzt, heute schwitzt das Unternehmen“ beschrieb der Geschäftsführer von ISCAR Deutschland, Hans Jürgen Büchner die Situation. H.J. Büchner hat sich zu Beginn des neuen Jahres in den Ruhestand verabschiedet und die Geschäftsführung an Erich Timons übergeben

Führung, Motivation, Mentalität und Vorleben sind gefragt

Doch blickt man auf das Verhalten vermeintlicher Menschen mit Vorbildfunktion, sollten es junge Menschen vermeiden, politische Talkrunden oder Bundestagsdebatten zu verfolgen. Anstatt dadurch politische Bildung zu erlangen, erleben sie dort oft wenig fort- oder weiterbildende Dinge. Laut keifende Rednerinnen und Redner, die mit hämischem Lachen und Zwischenrufen, wild gestikulierend im Sitzungssaal auf sich aufmerksam machen wollen, sind keine Vorbilder für einen respektvollen, fairen Umgang mit Kollegen und Mitmenschen. Beispielsweise wenn bezahlte Abgeordnete es vorziehen den Plenarsaal zu verlassen, anstatt die Regeln zu respektieren und ihre Mütze abzuziehen, entsprechen diese nicht wirklich dem Prädikat eines Vorbilds für junge Arbeitskräfte. Es könnte auch als bewusste Arbeitsverweigerung gesehen werden. In der freien Wirtschaft hätte das Folgen.

Marktveränderungen, Investitionen

Übernahmen und Fusionen gehören in jedem Jahr zur Normalität. Als nennenswerte Übernahmen in der Branche sind beispielsweise der Kauf der HELLER-Gruppe aus Nürtingen durch den koreanischen Werkzeugmaschinenhersteller DN Solutions, die Übernahme der GF Machining Solutions durch die UNITED GRINDING Group oder ganz aktuell der Kauf des Laupheimer Werkzeugmaschinenherstellers LICON durch die Modig Machine Tool mit Sitz im schwedischen Kalmar.

ISAR Deutschland hat in Ettlingen in eine neue Produktions- und Verwaltungsgebäude investiert. / Bild: DOM

Positive Aktivitäten gab es von deutschen Unternehmen auch zu vermelden. Entgegen der negativen Prognosen und Insolvenzmeldungen, haben 2025 viele Unternehmen der Metallbranche auch investiert. Ob Prozessoptimierung mit neuester Technik und Automation, bauliche Erweiterungen oder die Gründung oder Ausweitung internationaler Vertretungen. Mit einem beeindruckenden Neubau in Ettlingen hat ISCAR Deutschland ein klares Statement zum Standort Deutschland gegeben. Auch die Hermle AG aus Gosheim, ein Hersteller von Bearbeitungszentren und Automationslösungen, investiert kräftig in Erweiterungen am Standort. Dazu kommen viele weitere Unternehmen, die sich mit Investitionen für die Zukunft aufstellen.

Haus- und Fachmessen

Hausmessen sind erfolgreich und erfreuen sich großer Beliebtheit. Zum einen für den Veranstalter, aber auch für Co-Aussteller. In 2025 gehörten die Hausausstellungen bei den INDEX-Werken oder bei der Hermle AG, wie auch die Technologietage des Präzisionswerkzeugherstellers Paul Horn GmbH in Tübingen, zu den schon traditionellen Branchen-Highlights, die mit ihrer Anziehungskraft für Co-Aussteller und Besucher interessante Veranstaltungen waren.

Vom 14. bis 16. Mai 2025 öffnete die Paul Horn GmbH bereits zum neunten Mal ihre Tore für rund 3.300 Besucher aus insgesamt 33 Ländern. Bild: DOM

Nach dem AMB-Jahr 2024 stand 2025 die EMO in Hannover auf dem Plan. Den unsicheren Zeiten geschuldet, stand im Vorfeld der Messe die Frage im Raum, ob die EMO das hält, was sie verspricht. Viele internationale Besucher und ein breites Spektrum an anspruchsvollen Anfragen standen hohe Kosten für die Aussteller und Unsicherheit gegenüber. Obwohl die eine oder andere Marktgröße auf der Messe fehlte, waren doch viele deutsche und internationale Unternehmen vor Ort und präsentierten sich mit innovativen Lösungen auf aufwendigen Messeständen. Entgegen den gedämpften Erwartungshaltungen, fanden ca. 80.000 Besucher (Quelle: Veranstalter) den Weg zur 50. Ausgabe der EMO, die auch weiterhin in Mailand und Hannover ausgetragen werden wird.

Als Kontrast zur EMO fanden im April die Dreh- und Spantage (DST) Südwest in Villingen-Schwenningen statt. Die kleine aber feine Messe begrüßte immerhin 6.000 Zerspaner.

Im Mai trafen sich auf der Moulding Expo 2025 die Spezialisten des Werkzeug-, Modell- und Formenbaus.

Keine Feierlaune aber ein Grund zu feiern

Zum 75. Geburtstag hat die MAPAL Gruppe eine interessante Leküre mit der Geschichte des Unternehmens veröffentlicht. / Bild: DOM

Neben der EMO, die das 50sten Jubiläum feierte, hatte noch ein schwäbisches Traditionsunternehmen etwas zu feiern. Die Rede ist von der MAPAL Gruppe aus Aalen. Der Name des Familienunternehmens MAPAL steht für „Maschinen- und Präzisionswerkzeugfabrik Aalen“. Mit schwäbischen Tüftlertum schaffte es MAPAL sich einen Weltruf zu erarbeiten, wenn es um anspruchsvolle Anwendungen und Zerspanungslösungen geht. Die ganze Mapal-Story ist in einem sehr interessanten Jubiläumsbuch dokumentiert.

Gratulation und Respekt an MAPAL, das sich auch in der inzwischen dritten Gründergeneration, mit Dr. Jochen Kress an der Spitze, als innovatives weltoffenes und bodenständiges Unternehmen präsentiert.

Vom Rückspiegel zum Fernlicht

Der Tunnel ist noch da, und das Fernlicht bleibt eingeschaltet. Auch wenn die ganz frisch von VDMA und VDW veröffentlichen Zahlen für 2025 keinen Grund für Euphorie für die Branche darstellen, stehen die Vorzeichen wieder auf Vorwärtsgang. Signale aus der Politik sind vorhanden, doch leider noch nicht im Vollgasmodus.

Mit der NORTEC in Hamburg und der GrindingHub in Stuttgart, stehen die ersten Fachmessen vor der Tür. Im Mai treffen sich die europäischen Präzisionswerkzeughersteller auf der European Cutting Tools Conference (ECTC) in Graz.
Das Messe-Highlight 2026 ist im September die AMB in Stuttgart. Ob die Zeichen auf Aufschwung stehen, wird sich spätestens dort zeigen.

Die Hoffnung und die Zuversicht sind da. Auch an Innovations- und Tatendrang fehlt es bei den deutschen und europäischen Industrieunternehmen nicht. Nun liegt es an der Politik, die Bürokratie- und Gesetzeshürden abzubauen und den Unternehmen schnell den Weg aus dem Tunnel zu ebnen und der Gesellschaft Wohlstand zu sichern.

Frank Dietsche
Chefredakteur Dieonlinemagazine.de