Alu-Schrott in Wert verwandeln

Eural Gnutti, ein Spezialist zur Herstellung von Halbzeugen aus Aluminiumlegierungen, sieht die Zukunft des Aluminiums im Recycling von Altmetall.

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Die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Primäraluminium steigern den strategischen Wert von Sekundäraluminium aus Recyclingprozessen ©Eural Gnutti

Die internationalen geopolitischen Spannungen setzen die Lieferketten für Primäraluminium zunehmend unter Druck. Die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigt die Handelsströme aus der Golfregion, auf die rund 9 % der weltweiten Primäraluminiumproduktion entfallen. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch die Schäden an bedeutenden Produktionsstandorten im Nahen Osten (Aluminium Bahrain und Emirates Global Aluminium) sowie durch die schrittweise Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, das traditionell ein wichtiger Lieferant von CO₂-armem Aluminium für den europäischen Markt war.

Das Defizit an Primäraluminium in Europa übersteigt inzwischen 87 % des kontinentalen Bedarfs, wodurch jährlich rund 8 Millionen Tonnen Aluminium importiert werden müssen. In diesem Umfeld führen die eingeschränkte Verfügbarkeit des Rohstoffs und die anhaltende geopolitische Unsicherheit zu einem deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise. Der Aluminiumpreis ist innerhalb des vergangenen Jahres von rund 2.400 US-Dollar auf über 3.500 US-Dollar je Tonne gestiegen. Obwohl die Korrektur Ende Juni den Preis wieder auf etwa 3.100 US-Dollar je Tonne sinken ließ, befindet sich das Preisniveau weiterhin auf einem sehr hohen Stand.

Das Recycling von Aluminiumlegierungen ist hinsichtlich der enormen Preisanstiege wichtig. ©Eural Gnutti

Der Kampf um den Schrott rückt auf die europäische Agenda

Die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Primäraluminium steigern den strategischen Wert von Sekundäraluminium aus Recyclingprozessen. Zusätzlichen Rückenwind erhält diese Entwicklung durch die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Herstellung von Primäraluminium ist äußerst energieintensiv: Nach Angaben des International Aluminium Institute werden durchschnittlich rund 52 kWh für jedes Kilogramm Primäraluminium aus Bauxit benötigt, während für recyceltes Aluminium lediglich etwas mehr als 2 kWh erforderlich sind. Dies entspricht einer Energieeinsparung von über 95 % sowie einer erheblichen Verringerung der CO₂-Emissionen. Gleichzeitig ist jedoch auch der Markt für Aluminiumschrott zu einem internationalen Wettbewerbsfeld geworden. Die jüngsten handelspolitischen Maßnahmen der USA – insbesondere die Einführung von Zöllen in Höhe von 50 % auf Aluminiumhalbzeuge und 15 % auf Aluminiumschrott – schaffen attraktive Rahmenbedingungen für den Einkauf durch Marktteilnehmer außerhalb der Europäischen Union. Die Folge sind eine sinkende Verfügbarkeit von Schrott für die europäische verarbeitende Industrie sowie deutliche Preissteigerungen, die in vielen Fällen die Referenzpreise der London Metal Exchange (LME) deutlich übertreffen.

Die EU plant Schutzmaßnahmen wider gegen die Ausfuhr von Aluminiumschrott in Drittländer ©Eural Gnutti

Vor diesem Hintergrund hat Eural Gnutti den Dialog mit den europäischen Institutionen in den vergangenen zwei Jahren intensiviert und sich aktiv an der Diskussion über industrie- und handelspolitische Maßnahmen entlang der Aluminium-Wertschöpfungskette beteiligt. Ziel ist es, die strategische Bedeutung von Aluminiumschrott für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und für den nachhaltigen Transformationsprozess sichtbar zu machen.
Diese Position spiegelt sich heute offenbar in den vom EU-Kommissar für Handel und wirtschaftliche Sicherheit, Maroš Šefčovič, angekündigten Schutzmaßnahmen wider. Diese zielen darauf ab, die Ausfuhr von Aluminiumschrott in Drittländer zu begrenzen und dessen Verfügbarkeit innerhalb des europäischen Binnenmarktes sicherzustellen.

Sollten diese Maßnahmen umgesetzt werden, würden sie einen beispiellosen Schritt in der europäischen Handelspolitik darstellen und die Widerstandsfähigkeit der Wertschöpfungskette stärken sowie günstigere Voraussetzungen für Investitionen in Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung schaffen.

Giorgio Di Betta, Vertriebsdirektor von Eural Gnutti ©Eural Gnutti

Schrott in Wert verwandeln: das Modell von Eural

Für Eural ist Recycling nicht lediglich eine Antwort auf die aktuellen Marktbedingungen, sondern das Ergebnis einer wegweisenden industriellen Strategie, die bereits in den 1990er Jahren begonnen hat und durch kontinuierliche Investitionen in Technologien, Prozesse und Kompetenzen konsequent weiterentwickelt wurde. Dieser Weg ermöglicht es dem Unternehmen, Nachhaltigkeit mit höchster Leistungsfähigkeit zu verbinden und gleichzeitig die anspruchsvollen Qualitäts- und technischen Anforderungen von Branchen wie der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinenbau zuverlässig zu erfüllen.

Eine der bedeutendsten Leistungen von Eural besteht in der Fähigkeit, Hochleistungslegierungen aus unterschiedlichen Schrottquellen herzustellen. Das Unternehmen hat Verfahren entwickelt, die sowohl interne Gießerei- und Extrusionsreste – das sogenannte Run-around-Verfahren – als auch Sekundärmaterial aus überwiegend italienischen und europäischen Recyclingkreisläufen effizient nutzen.

Dank dieses Produktionsmodells konnte Eural seine Kunden jederzeit kontinuierlich beliefern und hat bislang keinerlei Unterbrechungen in der Rohstoffversorgung verzeichnet. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen konsequent daran, den Gehalt an Begleitelementen – insbesondere an Blei – unter Kontrolle zu halten. Bei der Entwicklung bleifreier Legierungen besteht die eigentliche Herausforderung weniger in der Eliminierung des Bleis selbst oder dessen Ersatz durch andere Elemente, sondern vielmehr darin, Schrott aus unterschiedlichen Quellen einsetzen zu können, der möglicherweise für die jeweilige Legierungszusammensetzung unerwünschte Elemente enthält. Ziel ist es, deren Konzentration innerhalb kontrollierter Grenzwerte zu halten, um die Recyclingmöglichkeiten auszuweiten, ohne dabei die Leistungsfähigkeit oder die Qualität des Endprodukts zu beeinträchtigen.

Bei der Herstellung von gezogenen Stangen und Profilen gehört Eural Gnutti zu den größten europäischen Herstellern ©Eural Gnutti

Bereits heute sinkt der Bleigehalt in Aluminiumlegierungen kontinuierlich. Die Weiterentwicklung des europäischen Rechtsrahmens – insbesondere der RoHS-Richtlinie – wird diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. Auch wenn Blei aufgrund langlebiger Produkte, etwa aus der Automobilindustrie, noch einige Jahre in Recyclingmaterial vorhanden sein wird, führen die üblichen Recyclingprozesse zu einer schrittweisen Verringerung seiner Konzentration, sodass es in zukünftigen Legierungsgenerationen nur noch in Spuren enthalten sein wird.

„Die Erfahrung von Eural zeigt, dass Investitionen in Innovation und Forschung es ermöglichen, die Herausforderungen des globalen Umfelds in Chancen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu verwandeln“, erklärt Giorgio Di Betta, Vertriebsdirektor von Eural Gnutti. Abschließend betont er: „Die Maßnahmen, die die Europäische Union derzeit vorbereitet, können zu einem widerstandsfähigeren und stärker kreislauforientierten Produktionssystem beitragen und damit die Voraussetzungen für ein nachhaltiges industrielles Wachstum auf lange Sicht schaffen.“

Kontakt:

www.eural.com