Maximale Zerspanungsflexibilität

Sondermaschinenbauer ist mit einem Rema Vertikal-BAZ mit zwei Drehtischen und zusätzlicher Bohrstangenhalterung für alle Einsatzfälle gerüstet

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Der im Maschinentisch eingelassene Rundtisch eignet sich zur Drehbearbeitung. ©TeamTec

Fünfachsig fräsen, drehen, schleifen und tieflochbohren – mit dem Fahrständer-BAZ Leonard Big LBT5.25 von Rema Control gelingt es dem Sondermaschinenbauer kama, seine Fertigung noch flexibler und durch Komplettbearbeitung effizienter zu gestalten. Damit bearbeitet er in der Leicht- und Schwerzerspanung ein Teilespektrum von wenigen Zentimetern bis über zwei Meter Länge.

Sondermaschinenbauer sind tatsächlich besondere Maschinenbauer, denn sie sind permanent mit wechselnden Herausforderungen konfrontiert. Das gilt auch für die Firma kama in Schönwald, die sich auf kundenspezifische Maschinen und Anlagen fürs Kunststofffügen, Metallschweißen, Heißnieten etc. spezialisiert hat. Die Sondermaschinen werden weltweit vor allem in der Automobilindustrie eingesetzt. Auf ihnen entstehen unter anderem Innenraumauskleidungen, Lüftungsdüsen, Dachzierleisten, Luftkanäle sowie Kunststoffteile von Schiebedächern. Auch die Endbearbeitung von Blasteilen wie Wassertanks oder Luftführungen ist ein Bereich, den kama-Maschinen übernehmen.

Das vertikale Bearbeitungszentrum Leonard Big LBT5.25 von Rema Control ist das Highlight in der Fertigungshalle des Sondermaschinenbauers kama. ©TeamTec

kama baut aber auch für andere Branchen Sondermaschinen, mit denen sich zum Beispiel Kontaktfolien für Taschenrechner und Fernbedienungen herstellen lassen. Sogar eine vollautomatische Fertigungslinie für Staubsaugerbeutel und Maschinen zur Herstellung von Tuben gehören zum Repertoire der Firma. Geschäftsführer Stefan Magdt erklärt: „Durch unsere langjährige Erfahrung sind wir in der Lage, Sondermaschinen explizit nach den Erfordernissen und Wünschen der Kunden zu entwickeln und zu bauen.“

Hohe Fertigungstiefe

Der im Maschinentisch eingelassene Rundtisch eignet sich zur Drehbearbeitung. ©TeamTec

Die meisten Maschinenkomponenten fertigt kama selbst. „Zusätzlich übernehmen wir Lohnfertigungsaufträge, sofern es sich um Prototypen und Kleinserien handelt“, erwähnt Stefan Magdt, „je anspruchsvoller, desto lieber.“ Das liegt an den gut ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeitern, die bei kama Aufträge von A bis Z abarbeiten. Sie programmieren, bedienen die Maschinen und sind dafür verantwortlich, dass am Ende die Qualität der Bauteile stimmt.

kama-Geschäftsführer Stefan Magdt (rechts) zeigt Claudio Lista (Mitte) und Jürgen Schill von teamtec anhand einer Zeichnung, welch hohe Präzisionsanforderungen sich mit der neuen Rema-Maschine erfüllen lassen. ©TeamTec

„Dafür haben sie ein entscheidendes Mitspracherecht beim Maschinen- und Werkzeugkauf“, sagt Magdt.

Der moderne Maschinenpark lässt kaum Wünsche offen. Er besteht aus mehreren 5-Achs-Fräsmaschinen, CNC-Drehmaschinen, Schleif- und Erodiertechnik, womit das kama-Fertigungsteam sämtliche Materialien bearbeiten kann: Kunststoff ebenso wie Aluminium, verschiedenste Stähle – auch Sonderlegierungen – und Titan.

Highlight in der Fertigungshalle

Das auf der Leonard Big bearbeitete Bauteilspektrum ist groß….

Mit dem im März 2025 in Betrieb genommenen vertikalen Fahrständer-BAZ Leonard Big LBT5.25 des italienischen Maschinenherstellers Rema Control (siehe Kasten) erfüllte sich Stefan Magdt einen schon länger gehegten Wunsch: „Genau so eine Maschine hat uns noch gefehlt. In dieser Größe, Steifigkeit und vor allem mit den unglaublich vielen Zerspanungsmöglichkeiten – vom fünfachsigen Simultanfräsen übers Drehen und Schleifen bis hin zum Tieflochbohren.

…Dazu gehören Scheiben mit zahlreichen Passungsbohrungen, freigeformte Komponenten und Scharniere …

Eine solche Flexibilität ist für uns ideal, da wir als Sondermaschinenbauer und Dienstleister nie genau wissen, welche Aufgaben auf uns zukommen.“

Die passende Maschine zu finden, war nicht einfach, denn es gab ein paar zwingende Kriterien. So musste die Wunschmaschine mit einer Fanuc-Steuerung ausgestattet sein. „Meine Mitarbeiter und ich sind Fanuc-Fans, weshalb alle unsere Zerspanungsmaschinen von einer Fanuc-CNC gesteuert werden“, betont der Geschäftsführer.

…(in diesem Fall aus einem anspruchsvollen Duplex-Stahl mit 24 Prozent Chromanteil). ©TeamTec

Das zweite Kriterium war die Maschinenhöhe. Durch die Halle und einen Deckenkran bedingt, ist die Ständerhöhe begrenzt. Der Z-Verfahrweg darf nicht mehr als 1000 mm betragen. Anders sieht es beim Y-Verfahrweg aus. Dieser sollte möglichst größer sein als 1000 mm, was viele Maschinen in dieser Größenordnung nicht bieten können.

Live-Vorführung überzeugt

Fündig wurden Stefan Magdt und sein für die neue Maschine zuständiger Facharbeiter Jürgen Orschulok letztendlich bei der teamtec Werkzeugmaschinen GmbH in Alzenau, der deutschen Exklusivvertretung von Rema Control. Das Unternehmen war im Haus schon seit Jahren bekannt, wenngleich es bisher nie zu einer Zusammenarbeit gekommen war. „Im Internet bin ich erneut auf teamtec und die Rema Control Leonard Big aufmerksam geworden“, sagt Stefan Magdt. Es folgten Telefonate und persönliche Treffen.

kama Maschinenbau in Schönwald ist auf Sondermaschinen spezialisiert. Z.B. eine von kama entwickelte Heißnietmaschine zur Bearbeitung von Interieurteilen. Dabei werden Kunststoffpins gezielt erhitzt und verformt Bild: kama

teamtec-Vertriebsleiter Claudio Lista organisierte für das kama-Team einen Vor-Ort-Termin im Rema-Werk in Stezzano bei Bergamo, kombiniert mit einem Referenzbesuch bei einem Nachbarunternehmen, das mit einer Leonard Big Schwerzerspanung betreibt. „Dort konnten wir beim Fräsen eines großen Kegels live erleben, wie stabil die Maschine gebaut ist“, erwähnt Zerspanungsfachmann Magdt begeistert. „Das massive Bett und die breiten Führungen ließen keine Schwingungen aufkommen. Danach war mir klar: Dieses Bearbeitungszentrum passt perfekt für unsere Anforderungen.“

Gute Zugänglichkeit ist einer der Pluspunkte der Leonard Big von Rema Control. ©TeamTec

Rema erfüllt viele Sonderwünsche

Damit die Leonard Big LBT5.25 jedoch zu 100 Prozent den Vorstellungen von Stefan Magdt und Jürgen Orschulok entsprach, musste Rema Control noch einige Anpassungen vornehmen. Zuvorderst stand der Tausch des im Standard zu hohen Fahrständers der Big-Version gegen den kleineren der „normalen“ Leonard, der jetzt auf Zentimeter genau in die Halle passt.

Von rechts nach links: kama-Geschäftsführer Stefan Magdt freut sich mit Claudio Lista von teamtec, seinem Rema Leonard-Bediener Jürgen Orschulok und Jürgen Schill (teamtec) über sein neues Multitalent. ©TeamTec

Rema konnte auch weitere Sonderwünsche erfüllen: So verfügt die kama-Version der Leonard Big über einen vertikalen, in den Maschinentisch eingelassenen Rundtisch mit Drehfunktion (B-Achse). Zusätzlich ist ein aufgesetzter horizontaler Drehtisch (C-Achse – ebenfalls mit Drehfunktion) vorhanden, inklusive eines manuellen Reitstocks. Um diese Achse „mobil“ zu gestalten, steuerte kama eine Eigenkonstruktion bei, über die man den Tisch leicht verschieben und auch ganz herausnehmen kann.

Eine Verlängerung des Maschinentisches ermöglichte schließlich, den B-Achs-Tisch so zu positionieren, dass der komplette 2500 mm X-Verfahrweg genutzt werden kann.

Grundvoraussetzung für den Maschinenkauf war eine Fanuc-Steuerungs- und Antriebstechnik. ©TeamTec

Dazu kam noch die gewünschte Einsatzmöglichkeit einer langen Bohrstange. Für diese konstruierte Rema einen Sonderbohrstangenhalter, der unten an die Z-Achsen-Konsole angeschraubt wird. Jürgen Orschulok weist darauf hin, dass diese Ergänzung zwar einfach klingt, aber keineswegs trivial ist. Der Einsatz der Bohrstange muss mit Sensoren überwacht und in der Steuerung aktiviert werden, damit die Maschine keine falschen Bewegungen ausführt und die Bohrstange nicht beispielsweise ins Werkzeugmagazin crasht.

Für Stabilität sorgen die breiten Führungen und eine feststehende Kugelrollspindel in der 2500 mm langen X-Achse. Für den Antrieb sorgt die sich drehende Spindelmutter. ©TeamTec

Claudio Lista, der für Stefan Magdt stets als Ansprechpartner zur Verfügung stand und alle Sonderwünsche mit Rema verhandelte, ist überzeugt: „So eine Maschine wie diese Leonard Big kann man sich nicht vorstellen, die muss man gesehen haben. Da stecken so viele zusätzliche Funktionen drin – übrigens auch ein schwenkbarer Fräskopf und ein spezieller Schleifzyklus, sodass die Umsetzung in der Steuerung selbst für die Fanuc-Anwendungsspezialisten eine Herausforderung war.“

Die Rechnung geht auf

Das Werkzeugmagazin fährt in der X-Achse mit, so dass der Werkzeugwechsel kurze Wege hat. ©TeamTec

Nach einem Jahr Erfahrung ist Stefan Magdt hochzufrieden mit seinem Allroundtalent: „Wir fertigen darauf verschiedenste Teile, zum Beispiel eine große 2000 mm lange Platte mit dreißig 60 mm-Bohrungen in H7-Passung. Einmal eingestellt, und alle Bohrungen passen.“ Er erwähnt auch kleine handgroße Teile wie zum Beispiel spezielle Türscharniere aus Duplex-Stahl mit 24 Prozent Chromanteil. Zudem weist er auf das kleinste Werkzeug hin, das kama auf der Rema Leonard Big bis jetzt genutzt hat: „Das war ein 0,4er Bohrer. Auch hier war die erzeugte Genauigkeit perfekt.“

Im Magazin befindet sich auf einem der 75 Werkzeugplätze ein Renishaw-Taster zur Werkstückvermessung. ©TeamTec

Der Geschäftsführer freut sich besonders über die reproduzierbare Qualität und Effizienz: „Die Komplettbearbeitung auf einer Maschine vermeidet Umspannfehler, so dass unsere Zerspanungsergebnisse an Präzision gewinnen. Und wir sparen uns eine Menge Nebenzeit, so dass wir unterm Strich deutlich produktiver fertigen können.“

Durchdacht bis ins Detail

Jürgen Orschulok ist von den praktischen Vorteilen begeistert, unter anderem von der Zugänglichkeit der Maschine: „Durch das Fahrständerprinzip kann ich ganz nah ans Werkstück ran, ohne mich erst über eine Führung beugen zu müssen.“

Auch die Wartungseinheiten sind frei zugänglich und im Rückraum der Maschine ist genügend Platz, um gegebenenfalls den Werkzeugwechsler, die Energieketten, Führungsschienen etc. zu erreichen.

Eine saubere Lösung: Die Energieketten sind freischwebend aufgehängt. ©TeamTec

Jürgen Schill, Gebietsverkaufsingenieur bei teamtec, ergänzt weitere Vorteile: „Die Kugelrollspindel ist feststehend, stattdessen dreht sich die Mutter, was bei einer Länge von 2500 mm Schwingungen vermeidet. Erwähnenswert ist auch das mitfahrende Werkzeugmagazin mit eigener Führung. Außerdem sind alle Energieketten freischwebend aufgehängt, so dass sie keiner Verschmutzung ausgesetzt sind.“

Last but not least weist er auf die Energieeffizienz hin, die durch das Rekuperieren beim Bremsen, durch frequenzgesteuerte Pumpen und die LED-Beleuchtung so gut ist, dass kama für die Investition eine Förderung vom Freistaat Bayern und der EU bekommen hat. Für Firmenchef Magdt ein zusätzlicher Grund zur Freude.

Kontakt:

www.teamtec-gmbh.de