Spezialisten Talk – Jochen Dümmel von der Paul Dümmel Werkzeugfabrik

Die Paul Dümmel Werkzeugfabrik GmbH in Hülben ist als Hersteller von präzisen Miniaturwerkzeugen in der Welt der Zerspanung etabliert. Im Interview mit Zerspanungstechnik.de spricht Geschäftsführer Jochen Dümmel über Tradition, Versorgungsicherheit, Bürokratie, Frauenquote und erklärt das schwäbisch-nachhaltige Prinzip.

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Jochen Dümmel, Geschäftsführer der Paul Dümmel Werkzeugfabrik GmbH in Hülben ©Dümmel

Frank Dietsche: Herr Dümmel, Sie haben eine Vorliebe für historische Fahrzeuge, treten als Sponsor bei Bergrennen auf, haben selbst diverse Autos und sogar ein eigenes Museum. Was steckt hinter diesem Hobby?

Jochen Dümmel: Die Leidenschaft für historische Fahrzeuge liegt in der Familie. Viele der Fahrzeuge kommen von meinem Urgroßvater und Großvater. Diese haben bereits vor über 70 Jahren damit begonnen Motorräder und Autos zu restaurieren. Hinzu kommt das schwäbisch-nachhaltige Prinzip: „Es wird nichts weggeworfen was noch funktioniert oder repariert werden kann“. Somit habe ich vor 20 Jahren genügend historisch interessante Dinge aus der Geschichte der Firma vorgefunden und diese dann in einem Museum arrangiert. Neben den Fahrzeugen sind dies im Übrigen auch Maschinen, Möbel und allerhand zeitgenössisches Werkzeug aus der fast 100-jährigen Firmengeschichte erhalten. Ich persönlich halte es für sehr wichtig neben unserer aktuellen Innovation und Hochtechnologie den Blick auch auf die Wurzeln des Unternehmens nicht zu vernachlässigen. Den Bergpreis in Neuffen unterstützen wir gerne, da bei dieser Veranstaltung viele Emotionen sichtbar werden, die schlussendlich in der Zerspanung ihren Ursprung haben.

FD: Die Firma Dümmel hat auch eine lange Tradition. 1928 gegründet und seit über 70 Jahren als Hersteller von Vollhartmetall-Zerspanungswerkzeugen in der Branche bekannt. Können Sie einige Highlights der Unternehmensentwicklung nennen?

Jochen Dümmel: Eine grundsätzliche Weiterentwicklung fand Anfang der achtziger Jahre mit den ersten austauschbaren Hartmetall Wendeplatten statt. Vorher gab es bei Dümmel ausschlich aufgelötete Schneidwerkzeuge, die sogenannten Drehmeißel. Elementar was sicher auch die Fokussierung auf die Miniaturbearbeitung seit Anfang der neunziger Jahre durch meinen Vater. Seit 20 Jahren setzten wir konsequent auf Automatisierung und können so nachhaltig 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag vollautomatisch Zerspanungswerkzeuge produzieren. Nachts und am Wochenende sogar komplett mannlos. Neben dem zeigt unser Produktportfolio von ca. 14000 Standardartikeln und über 50000 Sonderwerkzeugen eindrucksvoll die dynamische Entwicklung der letzten 10 Jahre.

FD: Aktuell ist die Situation zur Herstellung von Hartmetallwerkzeugen sehr schwierig. Rohstoffpreise, Verfügbarkeit, Recycling und die Abhängigkeit von China machen der Branche erheblich zu schaffen. Wie geht die Firma Dümmel damit um?

Jochen Dümmel: In erster Linie müssen wir die Versorgungsicherheit gewährleisten. Deshalb haben wir schon vorher einen Rohmaterialbestand von 1-2 Jahren gesichert verfügbar. Zusätzlich arbeiten wir mit großen Reichweiten in unseren Warenlagern. Selbstverständlich setzen wir schon einige Jahre auch Recyclingmaterial, nicht nur beim Hartmetall, sondern z.B. auch bei unseren Verpackungen. In unserer Produktion wird schon immer alles, was an Schleifabfall anfällt zu 100% recycelt. Kundenseitig arbeiten wir mit einem transparenten Rohmaterialzuschlag, welcher sich am Produktgewicht und dem aktuellen APT-Wert orientiert.

FD: Kann der Staat hier Unterstützung leisten?

Jochen Dümmel – „Die Leidenschaft für historische Fahrzeuge liegt in der Familie“ ©Dümmel

Jochen Dümmel: Ich bin grundsätzlich kein Anhänger staatlicher Unterstützung. Ich setze mich eher für deutlich weniger staatliche Einflussnahme ein. Ich bin überzeugt das unseren Unternehmen und vor allem deren Mitarbeiter mit weniger Staat deutlich mehr geholfen wäre.

FD: Am Standort Baden-Württemberg ist seit kurzem eine neue Landesregierung am Start. Welche Maßnahmen sind auf Landesebene erforderlich, die den Unternehmen schnell helfen?

Jochen Dümmel: Wir sollten dringend ein Gesamtkonzept für mehr Wirtschaftswachstum erstellen. Momentan sind positive Ansätze wie die überfälligen Maßnahmen zum Bürokratieabbau vorhanden. Meiner Meinung nach müssen wir auch unserer staatlichen Institutionen im Land deutlich verkleinern. Momentan werden wir durch eine Überregulierung in sämtlich Bereichen in unserer Entwicklung gehemmt. Ein Neubau, egal ob Gewerbe oder Wohnraum ist nach meiner Erfahrung genehmigungsrechtlich kaum mehr umsetzbar. Gleichzeit werden wir mit Berichtspflichten und Regularien überschwemmt. Das blockiert sämtliche Dynamik. Die Steuereinnahmen des Staates sind so hoch wie noch nie, gleichzeitig kommt immer weniger Leistung zurück. Dieses System sollten wir dringend reformieren und wieder mehr auf die Marktwirtschaft und Eigenverantwortung bauen.

FD: Wichtige Branchen schwächeln, wie die für die Zerspanungsindustrie so wichtige Automobilproduktion. Zusammen mit dem genannten Rohstoffproblem eine Herausforderung. Sind hier neue Ideen oder Innovationen gefragt bzw. Wie stellen Sie sich auf die neue Situation ein bzw. ihr Produktportfolio auf?

Jochen Dümmel: Als Hersteller von Miniaturwerkzeugen war die Automobilindustrie schon die letzten Jahre eine Nische für uns. Trotzdem bedauere ich die politischen Entscheidungen zum Verbrennerverbot ausdrücklich. Ich nehme aber zunehmend ein Umdenken zur Technologieoffenheit war. Allerdings haben wir hier viele Jahre und Wohlstand verloren. Wir haben in Baden-Württemberg nach wie vor viele kleine und mittlere Familienunternehmen in den Bereichen Medizintechnik, Elektronik oder allgemeiner Maschinenbau die Weltmarkfüher in ihrer Branche sind. Diese Strukturen und Dynamiken sollten wir im Sinne der Unternehmen aber auch Mitarbeiter mehr fördern bzw. weniger belasten.

FD: Sie sind als Aussteller auf der AMB 2026 in Stuttgart. Welche Neuheiten stellen Sie den Besuchern vor?

Jochen Dümmel: Wir werden auf der AMB einige neue Standardwerkzeuge vorstellen. Wie bereits in den letzten Jahren werden wir neue Miniaturwerkzeuge mit Spanformen anbieten. Zusätzlich gibt es Erweiterungen im System Minicut. Natürlich sind auch die neuen Produkte ab Lager lieferbar, bei Bestellung bis 17.00 Uhr wird am gleichen Tag versendet.

FD: Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie unter den momentan schwierigen Umständen zur AMB?

Jochen Dümmel: Auch wenn es sich in der öffentlichen Wahrnehmung noch sehr verhalten darstellt, bin ich durchaus optimistisch was die Entwicklung der Konjunktur 2026 und 2027 betrifft.

FD: Wie ich hörte, ist bei Dümmel die Frauenquote recht hoch. Hat das besondere Gründe?

Jochen Dümmel: Vermutlich spielen sie auf einen Post in den Sozialen Medien an. Hier wird mit etwas Humor darüber berichtet, dass alle unsere Maschinen zur einfacheren Unterscheidung Namen tragen. Diese werden von den Mitarbeitern ausgewählt und sie sind stand heute alle weiblich. Wenn man unser komplettes Team betrachtet, sind wir bei einer, für ein technisches Unternehmen nicht unerheblicher Frauenquote von ca. ein drittel der Belegschaft.

FD: Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Frank Dietsche von Dieonlinemagazine.de

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duemmel.de