Die Walter AG nachhaltig im Wandel

Der Hersteller von Zerspanungswerkzeugen hat turbulente Jahre hinter sich, sieht sich aber im Wandel und gut gerüstet für die Zukunft.

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Christoph Geigges, Vice President Finance (Bildnachweis: Dieonlinemagazine.de)

(Frank Dietsche) Das zur Sandvik-Gruppe gehörende Unternehmen, mit Stammsitz in Tübingen, hat eine turbulente Zeit hinter sich. Von der Schließung des Werkes in Frankfurt 2020 und Gerüchten um weitere Schließungen und Stellenabbau bis hin zum überraschenden Abgang des Vorstandsvorsitzenden Richard Harris, der erst 2019 die Führung der Tübinger übernommen hatte. Im Jahr 2019 feierte Walter auch sein 100-jähriges Jubiläum.

Wie es um die Walter AG steht, beschrieben der neue Finanzchef (Vice President Finance) Christoph Geigges und seine Kollegin, Anette Skau Fischer (Vice President Global Human Resources), auf einer Presseveranstaltung am Standort Zell am Hammersbach.

Christoph Geigges, Vice President Finance (Bildnachweis: Dieonlinemagazine.de)

Christoph Geigges machte deutlich, dass die Walter AG zum Standort Tübingen steht und in die Standorte Zell a. H. und Münsingen investiert. Die Verlagerung verschiedener Produktionsbereiche nach China sieht Geigges als notwendigen Schritt an. Einerseits aus Kosten- und Effizienzgründen anderseits auch durch den Standortvorteil für die asiatischen Märkte. China ist nach den USA und Deutschland der drittgrößte Absatzmarkt von Walter.

In der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Akquisition der amerikanischen GWS-Tool-Group sieht der Werkzeughersteller gute Möglichkeiten, auch in den USA und Kanada zu wachsen.

Umsatzzahlen gab Christoph Geigges nicht preis, bestätigte für 2021 ein Umsatzwachstum von 15 % und erwartet für 2022 ein weiteres, deutliches Wachstum. Durch die weltweit unsichere Situation gestaltet sich eine Zukunftsprognose als sehr schwierig.

Unternehmenserfolg durch Nachhaltigkeit

Für Anette Skau Fischer (Vice President Global Human Resources) ist Nachhaltigkeit als fester Bestandteil in der Unternehmensmission von Walter verankert und beschreibt das nachhaltige Handeln als moralische Verpflichtung, in ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Mit den Begriffen Zirkularität, Klimaschutz und Menschen & Fairplay stellte Anette Skau Fischer drei Säulen der Nachhaltigkeit dar.

Anette Skau Fischer, Vice President Global Human Resources (Bildnachweis: Dieonlinemagazine.de)

Zirkularität beschreibt sie als ganzheitlichen Ansatz an den Lebenszyklus der Produkte und die nachhaltige Ausrichtung der Unternehmens- und Geschäftsführung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bis 2030 hat sich die Walter AG das Ziel gesetzt, mehr als 90 % Kreislaufwirtschaft (Abfallmanagement, Produkte an sich) zu erreichen. Beispielsweise erzielt Walter mit der Wiederaufbereitung seiner Produkte einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Dies entspricht ca. 3 % des gesamten Umsatzes.

Als Klimaschutzziel soll bis 2030 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 50 % (Vergleich Durchschnittswerten 2016 – 2018) erreicht werden. Energie und Ressourceneinsparungen, grüner Strom an verschiedenen Standorten und eine bessere Produktionsinfrastruktur und PV-Anlagen (Tübingen, Münsingen) nennt Frau Skau Fischer als Beispiele.

Die dritte Säule Menschen & Fairplay beinhaltet nicht nur Fairplay miteinander, sondern auch mit Kunden und Lieferanten. Projekte zu diesem Thema hat Walter bereits nachhaltig auch in Indien und Thailand gestartet.

Diversität und Inklusion

Für Anette Skau Fischer geht es ohne Diversität und Inklusion nicht. Diese machen innovativer, erfolgreicher, lassen nachhaltigere Entscheidungen treffen, machen gemeinsam zufriedener, lassen vielfältige und talentierte Menschen aufeinandertreffen, fördern Frauen in Führungspositionen und stärken insgesamt die Unternehmenskultur. Walter setzt dies vom Recruiting neuer Mitarbeiter bis hin zu Führungskräftetrainings um.

Die Altersstruktur liegt bei einem Durchschnittsalter von 44 Jahren, bei Mitarbeitenden aus 52 verschiedenen Ländern. Davon sind 21 % weiblich und 79 % männlich. Bis 2030 plant das Unternehmen, dass 25 % Frauen in Führungspositionen vertreten sein sollen.

Neue Zerspanungswerkzeuge

Mit dem Tiger·tec Gold Sortiment hat Walter sein Portfolio nicht nur im Drehbereich erweitert. Wendeschneidplatten des Sortiments sind jetzt auch für Fräsanwendungen erhältlich. In den Bereichen Bohren- und Gewindefertigung wurden aktuell der DC118 Supreme Bohrer und der TC 130 Gewindebohrer vorgestellt.

Auf der AMB 2022 in Stuttgart werden die Neuheiten nicht zu sehen sein, da sich das Unternehmen gegen einen Messeauftritt entschieden hat.

Gewandelt in die Zukunft

Das Traditionsunternehmen forciert seinen Wandel. Aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität, Klimaschutz stehen bei den Tübingern in deren Unternehmensphilosophie ganz oben. Auch Strukturänderungen, Investitionen und neue Produkte sind bereits am Start. Mit welchem Erfolg, kann wohl erst in den nächsten Jahren bewertet werden. Wie auch die Frage, wer der neue Vorstandschef des Unternehmens sein wird.

Kontakt:

www.walter-tools.com