Horn macht Sonderwerkzeuge im Vollgasmodus

Seit 2019 ist Matthias Rommel technischer Geschäftsführer bei der Paul Horn GmbH in Tübingen. Welchen Stellenwert die Herstellung von Sonderwerkzeuge für das Unternehmen hat, erläutert der erfahrene Zerspanungsprofi im Gespräch und überrascht mit seinen Versprechen.

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Matthias Rommel technischer Geschäftsführer bei der Paul Horn GmbH im Gespräch mit Zerspanungstechnik.de

(Von Frank Dietsche) Die Paul Horn GmbH ist weltweit für seine Präzisionswerkzeuge bekannt und sehr erfolgreich. Doch neben den Standardwerkzeugen sind die Tübinger in der Zerspanungswelt auch sehr gefragt, wenn es um kundenspezifische Sonderwerkzeuge mit hochkomplexen Konturen geht.

ZT: Herr Rommel, Horn gehört ja zu den größeren Herstellern im Bereich der Standard-Präzisionswerkzeuge, während sich auf dem Gebiet der Sonderlösungen eher kleinere Unternehmen spezialisiert haben. Sie werben sehr offensiv mit Sonderwerkzeugen. Erfolgreich?

Matthias Rommel: Ein klares Ja. Und wir machen auch schon sehr lange Sonderwerkzeuge. Der sukzessiv steigende Anteil bestätigt das ganz klar.

ZT: Das überrascht mich. Von wieviel Prozent sprechen wir, bezogen auf den Umsatz?

MR: Da haben wir die 50 Prozent Linie bereits überschritten. Aber wieso überrascht Sie das?

ZT: Die Zahl überrascht, da viele der große Hersteller, und Horn gehört mit über 900 Mitarbeitern auch zu den Großen, den Sonderbereich oft nur gering abdecken. Was läuft bei ihnen anders?

Matthias Rommel spricht über Sonderwerkzeuge

MR: Das ist schon richtig. Und es ist in der Tat nicht einfach, Sonder- und Standard im Einklang durch die Produktion zu schleusen ohne die Prozesse zu verlangsamen bzw. die Produktivität oder Wirtschaftlichkeit zu verringern. Aber Horn hat sich für diesen Sonderweg entschieden. Und die Kunden geben uns mit dieser Entscheidung Recht.  Ich denke wir sind von den  Großen der mit dem größten Sonderanteil.

ZT: Es ist also schon ein großer Aufwand, Sonderwerkzeuge profitabel oder wirtschaftlich parallel zum Standard zu fertigen. Was passiert da genau?

MR: Es fängt mit der Projektierung zusammen mit dem Kunden an. Im Anschluss daran erstellen wir ein Angebot und bei positiver Rückmeldung und Zeichnungsfreigabe des Kunden läuft die Produktion an. Dann starten wir sofort mit dem Herstellungsprozess. Unsere Produktion ist so ausgelegt, dass sowohl Standard-, als auch Sonderwerkzeuge die gleichen Anlagen und Prozesse durchlaufen. Der Unterschied, gerade wenn es sich um Greenline-Aufträge mit kurzer Lieferzeit handelt, sind die Loßgrößen, die dann deutlich geringer ausfallen. Also ein hoher Aufwand, da die Anlage somit nicht optimal genutzt bzw. ausgelastet wird. Diesen Aufwand scheuen viele Werkzeughersteller. Wir haben uns darauf eingestellt und unsere Prozesse in Infrastruktur entsprechend optimiert.

ZT: Das bedeutet, dass sie die Sonderwerkzeuge nicht in Sonderabteilungen fertigen, sondern auf den gleichen Anlagen wie die Standardwerkzeuge?

Matthias Rommel: In 48 Stunden das Angebot und in 5 Arbeitstagen die ersten Sonderschneidplatten

MR: Exakt! Die Hauptprozesse für die Herstellung von Sonderschneidplatten sind zu 95% das Schleifen der Konturen, die Schneidkantenpreparation sowie das Beschichten. Die Routine beginnt nachdem das benötigte Halbzeug bzw. der Rohling bestimmt wurden. Diese sind noch Standard und aufgrund unseres großen Rohlingslagers sofort verfügbar. Ohne einen schnellen Zugriff auf die Rohlinge wäre eine schnelle Auftragsabwicklung gar nicht möglich.

ZT: Sonderwerkzeuge mit komplexen Geometrien benötigen oft auch den passenden Werkzeughalter. Können Sie diesen auch liefern und auch in diesem Zeitrahmen?

MR: In vielen Fällen ist auch ein Werkzeughalter mit dem entsprechenden Plattensitz für die Sonderschneidplatte nötig und gewünscht. Sonderhalter realisieren wir in den Losgrößen ein bis zwei in zehn Arbeitstagen.

„Der Kunde bekommt innerhalb von 48 Stunden ein Angebot und bei Auftragserteilung in 5 Arbeitstagen die ersten Sonderschneidplatten“

ZT: Wie definieren Sie in diesem Zusammenhang den Begriff Schnell?

MR: Wir erstellen, beispielsweise für unsere Formstechplatten S117, nachdem der Kunde angefragt hat, ein Angebot innerhalb von 48 Stunden. Der Kunde überprüft die Details und entscheidet, ob es so passt oder noch Änderungen vorgenommen werden müssen. Nach der Auftragserteilung starten wir umgehend mit der Produktion und der Kunde erhält die ersten Werkzeuge innerhalb von 5 Arbeitstagen. Der Zeitrahmen ist natürlich auch abhängig davon, wie viele Änderungen gewünscht werden und wie schnell die Freigabe z.B. durch die Qualitätssicherung erfolgt. Nach der Auftragsfreigabe liefern wir in 5 Tagen.

ZT: Auch das überrascht mich. In 5 Tagen beim Kunden und mit den selben Anlagen produziert wie für Standardwerkzeuge. Wie geht das?

MR: Das hat eine Vorgeschichte. Bereits 2008 hat Lothar Horn das Thema „Green-Line“ kreiert. Damit wurde ein Prozessablauf eingeführt, der es flexibel ermöglicht, besondere Aufträge schnell, unkompliziert und durchgetaktet durchzuschleusen. Sowohl für Standard- als auch für Sonderwerkzeuge. Davon profitieren unsere Kunden und wir noch heute, da dieser Prozess laufend optimiert und verfeinert wurde.

Greenline ist ein wichtiger und nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Horn-Philosophie. Bei den Sonderwerkzeugen wenden wir diesen Prozess konsequent an und schaffen damit die schnellen Durchlaufzeiten.

Wenn ein Kunde eine Idee hat und etwas verändern oder ausprobieren will muss es schnell gehen. Wenn er lange warten muss, besteht die Gefahr, dass er diese Idee wieder verwirft. Und das soll Greenline vermeiden.

ZT: Dann ist Green-Line eine Art interne Überholspur bei Horn?

Matthias Rommel: „Green-Line hat es uns ermöglicht, Sonderaufträge in nur 5 Arbeitstagen zu erledigen“

MR: (lacht) Allerdings ohne Stau und immer mit Vorfahrt.  Aber im Ernst. Wir müssen schnell, flexibel und mit hoher Qualität unterwegs sein. Und dann geht das einfach nicht anders. Wir leisten uns daher ganz bewusst maschinelle Überkapazitäten um dieser Zusage gerecht zu werden.

ZT: Hört sich interessant an. Haben Sie für die Sonderwerkzeuge eine spezielle Abteilung, die genau diese Aufträge begleitet um die Vorgaben sicherzustellen?

MR: Auch hier ein klares nein. Die Sonderwerkzeuge werden je nach Produktfamilie oder Rohlings-Familie in den gleichen Abteilungen wie die Standardwerkzeuge konstruiert, geplant und begleitet bis sie beim Kunden eintreffen. Es gibt keine explizite Sonderabteilungen hierfür bei Horn.

„Green-Line hat es uns ermöglicht, Sonderaufträge in nur 5 Arbeitstagen zu erledigen“

ZT: Und In welchen Dimensionen produzieren Sie die Sonderwerkzeuge?

MR: Hier halten wir uns ebenfalls an unser Standard-Portfolio. Wie schon gesagt greifen wir auf die Rohlinge unseres gut bestückten Lagers zurück. Und somit sind die Dimensionen  im Grundsatz definiert. Ein Ausbau, je nach Kundenanforderung, ist jederzeit möglich.

ZT: Also liefern sie, gemäß ihren Standard-Portfolio Sonderwerkzeuge in den Bereichen Drehen, Stechen, Bohren, Stoßen und Fräsen?

MR: Genau! Hauptsächlich im Bereich Drehen und Stechen, da hier unser Ursprung liegt. Das Bohren ist mehr und mehr im Kommen da auch hier zunehmend sehr komplexe Geometrien wie auch beim Drehen und Stechen benötigt werden. Je komplexer desto besser!

ZT: Und wie sieht es bei den Werkstoffen aus?

MR: Auch hier sind wir flexibel. Es gibt keinen Schneidstoff den wir nicht haben und wir können somit auch hier auf alle Anforderungen reagieren, egal ob Hartmetall, CBN, PKD, CVD oder MKD.

ZT: Fazit zum Schluss: Sonderwerkzeug und Sonderhalter in fünf bzw. zehn Tagen Zeichnungsfreigabe durch den Kunden,  egal für welche Anwendung oder Werkstoffe. Das ist Ihre Zusage?

MR: Das ist meine Zusage.

 

Kontakt:

www.phorn.de