Hermle AG – Überraschend gute Entwicklung

Das Gesamtjahr 2021 entwickelte sich für das Unternehmen mit Hauptsitz in Gosheim besser als erwartet. In Umsatz- und Ergebnis wurde nach vorläufigen Zahlen eine deutliche Steigerung erzielt. Hermle plant Investitionen von rund 60 Mio. Euro.

514
Maschinenfabrik Berthold Hermle AG Standort Gosheim (Bildnachweis: Hermle AG)

Die Geschäfte der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG haben sich 2021 besser entwickelt als erwartet. Der Auftragseingang des schwäbischen Werkzeugmaschinen- und Automationsspezialisten nahm gegenüber dem durch die Corona-Pandemie geprägten Vorjahr nach vorläufigen Berechnungen auf circa 439 Mio. Euro zu (Vj. 242,5 Mio. Euro). Dabei wurden sowohl im In- als auch im Ausland deutliche Steigerungen verbucht. Nach einem verhaltenen Jahresauftakt hat sich die Nachfragedynamik vor allem im zweiten Halbjahr erheblich beschleunigt, sodass Hermle im dritten und vierten Quartal neue Höchstwerte beim Bestelleingang erzielte. Besonders stark war der Bedarf im Bereich Industrie 4.0, für den Hermle das komplette Spektrum von der automatisierten Einzelmaschine bis zu integrierten Automationslösungen für vollständig vernetzte Fertigungsprozesse anbietet. Per Ende Dezember 2021 hat sich der Auftragsbestand im Stichtagsvergleich konzernweit auf rund 107 Mio. Euro weit mehr als verdoppelt (Vj. 44,8 Mio. Euro).

Der Hermle-Konzernumsatz erhöhte sich 2021 gemäß vorläufigen, noch ungeprüften Zahlen um über 26 % auf gut 375 Mio. Euro (Vj. 296,9 Mio. Euro), wobei die Auslandsumsätze etwas mehr zulegten als das Inlandsvolumen. Damit wurde die Umsatzprognose vom November, die von einem Zuwachs um 20 % bis 25 % ausging, voraussichtlich leicht übertroffen. Die anhaltend starke Nachfrage im vierten Quartal konnte trotz zunehmnder Störungen in der Lieferkette gut bewältigt werden, da Hermle die Belegschaft während der Pandemie stabil gehalten hat. So war das Unternehmen in der Lage, mit einem hochkompetenten und motivierten Team schnell und flexibel auf die dynamische Entwicklung zu reagieren.

Das Betriebsergebnis stieg 2021 auf vorläufiger Basis konzernweit um etwa 36 % auf rund 74 Mio. Euro (Vj. 54,2 Mio. Euro) und lag damit über den Erwartungen, die von einer fast umsatzproportionalen Entwicklung ausgegangen waren. Grundlage für den besseren Verlauf war, dass Hermle die Lieferengpässe im vierten Quartal durch interne Maßnahmen weit effizienter kompensierte als angenommen. Daher konnte das Unternehmen in größerem Umfang für 2022 vorproduzieren, was zu einer sehr starken Kapazitätsauslastung führte. Neben den hieraus resultierenden deutlich positiven Effekten wirkte sich gegen Jahresende eine Verbesserung der Preisqualität stützend auf die Ertragslage aus.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand dem Aufsichtsrat heute empfohlen, der Hauptversammlung am 6. Juli 2022 eine Anhebung der Dividende für 2021 vorzuschlagen. Demnach würde an die Aktionäre eine unveränderte Basisdividende von 0,80 Euro je Stamm- und 0,85 Euro je Vorzugsaktie zuzüglich eines höheren Bonus von jeweils 8,20 Euro ausgeschüttet werden (Vj. 4,20 Euro). Die Hermle-Mitarbeiter sollen für das Geschäftsjahr 2021 eine an der Dividendenhöhe orientierte Prämie erhalten.
Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind auf Basis des hohen Auftragsbestands aus dem Vorjahr und der Anfang 2022 unverändert starken Nachfrage bisher grundsätzlich gut. Durch den Ukraine-Krieg haben sich die Risiken sowohl für den weiteren Auftragseingang, vor allem jedoch für Ausfälle von Materialzulieferungen in den nächsten Monaten unkalkulierbar, aber ganz erheblich erhöht. Aus heutiger Sicht rechnet Hermle 2022 dennoch mit einem Umsatzplus von mindestens 10 %, sofern auf der Zulieferseite keine unaufholbaren Störungen eintreten. Das Betriebsergebnis wird sich hierzu wegen massiv steigender Material- und Energiekosten voraussichtlich unterproportional entwickeln. Hinzu kommen konkrete Risiken aus dem Ausfall von Forderungen gegenüber russischen Kunden sowie aus dem Verlust aller Unternehmenswerte in Russland, die voraussichtlich zu bilanziellen Belastungen von etwa 5 Mio. Euro führen werden.

Dessen ungeachtet sieht Hermle mittelfristig gute Wachstumschancen, insbesondere im Bereich der Automation und der hierfür deutlich ausgebauten Produktpalette. Deshalb plant das Unternehmen umfangreiche Kapazitätserweiterungen am Standort Zimmern ob Rottweil. Insgesamt sind in den nächsten fünf Jahren Investitionen von rund 60 Mio. Euro vorgesehen.

Das ausführliche, geprüfte Zahlenwerk zum Geschäftsjahr 2021 veröffentlicht Hermle voraussichtlich Ende April 2022.

Kontakt:

www.hermle.de