Wolkig mit wenig Aussichten

Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie wertet das Jahr 2023 aus

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Bild: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Bei seinem Rückblick auf das Jahr 2023 kann der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie bei trübem Wetter kaum sonnige Abschnitte erkennen. Laut Umfrage rechnet die Hälfte der Mitglieder mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung für 2024. Mehr als ein Drittel der Unternehmen befürchtet sogar, dass die Zahlen weiter zurückgehen.

Gut, mittel oder schlecht? Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie interessiert sich für die allgemeine Stimmung unter seinen Mitgliedern, fragt aber auch Zahlen und Entwicklungen ab, um sich ein Bild zu verschaffen. Dabei geht es um Auftragseingang und Umsatz, aber auch um Kapazitätsauslastung und Beschäftigte. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 50 Unternehmen mit insgesamt 8.472 Beschäftigten an der Umfrage – die Auswertung ermöglicht einen umfassenden Blick auf die Situation der Branche.

Zum zweiten Mal in Folge sank 2023 die Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Diese ist mit 1,2 Prozent noch leicht positiv, im Jahr 2022 lag der Wert bei 9,7 Prozent und im Jahr 2021 bei 19,5 Prozent. Der Materialkostenanteil am Umsatz beträgt 2023 32,8 Prozent (Vorjahr: 35,6 Prozent). Zwei Werte, die infolge der niedrigeren Materialkosten höher ausfallen als 2022: Der bereinigte Umsatz mit 3,6 Prozent – ohne Berücksichtigung des Einflusses der Materialkosten – und die Wertschöpfung mit 5,6 Prozent.

Nicht sehr erfreulich: Der Auftragseingang ist mit -5,4 Prozent gegenüber +4,3 Prozent im Vorjahr deutlich zurückgegangen. Zudem liegt der Exportanteil mit 36 Prozent niedriger als 2022 – hier konnte die Branche noch stattliche 40,4 Prozent verzeichnen. Ähnlich sieht es bei der Auftragsweite aus. Nach einem Anstieg auf 37,6 Wochen im Vorjahr ist der Wert jetzt auf 33,5 Wochen geschrumpft.

Werner Liebmann, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie, will den Mitgliedern Perspektiven für 2024 aufzeigen. Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Die Personalkosten haben sich mit 31,8 Prozent in etwa auf Vorjahresniveau eingependelt, wobei die Beschäftigtenzahlen jetzt das vierte Jahr in Folge um etwas mehr als 1 Prozent zurückgegangen sind. Neue Mitarbeitende einstellen wollen lediglich 34 Prozent der befragten Unternehmen, im Vorjahr hatten 63 Prozent Personalbedarf angemeldet. Dazu passt die gesunkene Kapazitätsauslastung, die nur noch von 30 statt im Vorjahr 55 Prozent der Mitglieder als „gut“ bewertet wird. Dementsprechend gingen die Überstunden zurück, 2022 meldeten sich dazu 55 Prozent der Betriebe, jetzt liegt der Wert bei 37 Prozent. Auch das Thema Kurzarbeit spielt wieder eine größere Rolle – 2022 hatten 9 Prozent dieses Instrument in Anspruch genommen, laut Umfrage ist der Wert auf 27 Prozent gestiegen.

Investieren und auf Stärken konzentrieren

Einen kleinen Lichtblick erlauben die Investitionen, die gegenüber 2022 einen leichten Anstieg zeigen. Offensichtlich sind die Unternehmen etwas weniger verunsichert als im Vorjahr, was die instabile weltpolitische Lage mit ihren Auswirkungen auf die Industrie angeht. Die Kennziffer Investitionen/Umsatz bleibt mit 5,7 Prozent aber niedrig – und das schon seit mehreren Jahren. Die erfassten realen Investitionen pro Mitarbeiter liegen mit 9.606 Euro zwar über 2022, aber immer noch deutlich unter dem Wert der Vorkrisenjahre. Die Unternehmen investieren nach wie vor hauptsächlich in die Produktion, der Wert liegt mit 81 Prozent auf Vorjahresniveau.

Bei der Frage, was sie für 2024 erwarten, fehlt den meisten Mitgliedsunternehmen der Optimismus. Waren im vergangenen Jahr noch 14 Prozent davon überzeugt, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird, glauben jetzt nur noch acht Prozent an einen Aufwärtstrend. 50 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus, und die restlichen 42 Prozent rechnen damit, dass die Lage in diesem Jahr eher noch schwieriger wird. Verbandsgeschäftsführer Werner Liebmann möchte aber perspektivisch positiv bleiben: „Wir müssen uns auf unser großes Know-how und unsere Stärke im Verband konzentrieren, dann überstehen wir auch diese Krise gemeinsam.“

Kontakt:

www.drehteileverband.de