Sexy Metallberuf – Nachgefragt bei der Schuler Group

Christoph Münch, Head of HR Business Partner Organization bei der Schuler Group GmbH zum Thema: Wie kann können Metallberufe „sexier“ gestaltet werden?

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Schuler Group Göttingen Bild: Schuler

Mit Blick auf den Fachkräftemangel: Können Sie für uns die allgemeine Situation in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Die Bewerberzahlen sind tendenziell rückläufig und nicht mehr auf dem Niveau von vor fünf bis zehn Jahren, vor allem bei Stellen mit einem hohen Spezialisierungsgrad beispielsweise im Bereich Software oder IT. Schuler hat eine gute Reputation im Bewerbermarkt und wird als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. Durch Kooperationen mit Hochschulen in Nähe zu unseren Standorten können wir frühzeitig Kontakt zu akademischen Nachwuchskräften aufbauen und Studierende bereits vor Abschluss ihres Studiums für Schuler gewinnen und an uns binden.

Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen dafür, dass in einem Hightech-Land wie Deutschland, ein massiver Fachkräftemangel entstehen konnte? An welcher Stelle lag der Fehler?

Eigentlich verfügt Deutschland über eine gute Ausgangslage, weil wir hier durch die Migration dem demografischen Wandel massiv entgegenwirken könnten. Das war auch schon vor 20 Jahren bekannt. Hier muss es die Politik endlich schaffen, die Hürden für eine Arbeitserlaubnis bei qualifizierten Migranten zu verringern.
Hinzu kommt, dass viel zu viele gut ausgebildete Frauen nicht in dem Maße einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, wie sie das gerne wollen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Unterstützung im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch von Seiten der Politik nicht ausreichend ist. Die Arbeitgeber können dies nicht vollständig abfedern.

Führen aktuelle Krisen (z.B. Automobil- oder Chipkrise und Ukrainekrieg) oder auch die Automatisierung der Produktion dazu, dass in Ihrem Unternehmen weniger Fachkräfte benötigt werden?

Es ist eher das Gegenteil der Fall. Ein gutes Beispiel ist der Beschaffungsmarkt, der in den vergangenen Jahren viel komplexer geworden ist. Sollten zusätzliche Konflikte mit weitreichenden Einflüssen auf die Weltwirtschaft wie etwa zwischen China und Taiwan hinzukommen, verschärft sich die Situation weiter. Die Nutzung neuer Technologien inklusive der Digitalisierung und Automatisierung wird nach meiner Überzeugung nicht zu einem Stellenabbau führen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass dadurch Personal in wertprägenderen und sinnstiftenderen Bereichen eingesetzt werden kann. Wir müssen immer bedenken: eine Vielzahl der Berufe, die unsere Kinder später einmal ausüben, gibt es noch gar nicht.

Haben Berufe in der Metallindustrie einen schlechten Ruf? Und wenn ja: womit hat das zu tun?

Die Berufe in der Metallindustrie an sich haben keinen schlechten Ruf per se. Oftmals liegt es eher an den Begleitumständen. Wenn etwa eine hundertprozentige Reisebereitschaft verlangt wird, ist das heutzutage eher unattraktiv. Dieses Problem besteht aber in anderen Branchen gleichermaßen. Seit der Corona-Pandemie ist die örtliche Flexibilität und die Reisebereitschaft weiter gesunken.

Provokante Frage: Lohnt es sich überhaupt, sich für eine Ausbildung in einem Metallberuf zu entscheiden? Andere Branchen scheinen attraktiver zu sein…

Die Ausbildungsberufe in der Metall- und Elektroindustrie haben ein enormes Zukunftspotential. Als Mechatroniker liegt einem die Welt buchstäblich zu Füßen. Darüber hinaus ist die Branche auch finanziell sehr lukrativ, da vergleichsweise hohe Entgelte bezahlt werden.

Was könnte getan werden, um technische Berufe für Frauen attraktiver zu machen?

Während in einem BWL-Kurs gefühlt 25 Frauen und fünf Männer sitzen, ist das Verhältnis im Maschinenbau beziehungsweise in technischen Studiengängen und Ausbildungsberufen andersherum. Das Problem beginnt schon früher: die Schule muss die Weichen dafür stellen, dass mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer nicht so stark männlich konnotiert sind. Unternehmen können zusätzliche Angebote schaffen, die gezielt Frauen ansprechen.

Was ist notwendig, um Personen, die nach Deutschland einwandern, schnell in technischen Berufen auszubilden?

Die Politik muss dafür sorgen, dass die schulische Ausbildung und berufliche Erfahrungen leichter anerkannt werden. Wenn jemand von außerhalb der EU einwandert, sind die dafür nötigen bürokratischen Prozesse der reinste Horror.

Welche Maßnahmen ergreift Ihr Unternehmen, um den Metallberuf „sexy“ zu gestalten?

Wir überarbeiten gerade unseren Außenauftritt, um unsere Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber weiter zu verbessern. Darüber hinaus bieten wir unseren Beschäftigten eine ganze Reihe an Benefits wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten oder Jobräder und organisieren gemeinsame Veranstaltungen wie etwa Firmenläufe. Nicht zu vergessen ist das internationale Set-Up von Schuler: Auf der einen Seite sind wir so klein, dass bei uns niemand nur eine Nummer ist, sondern immer der Mensch im Mittelpunkt steht. Und auf der anderen Seite sind wir so groß, dass wir unseren Beschäftigten auch die Möglichkeit geben können, internationale Erfahrungen zu sammeln.

Auch die Mentalität gegenüber Arbeit und Freizeit hat sich verändert. Auch bei Ihnen? Und wie versucht Ihr Unternehmen diesen Veränderungen gerecht zu werden?

Den meisten unserer Beschäftigten bieten wir die Möglichkeit, an zwei von fünf Tagen in der Woche mobil zu arbeiten. Das eröffnet viel Spielraum und Flexibilität im Alltag, und das schätzen die Beschäftigten sehr.

Wie können Politik und Gesellschaft auf dieses Problem Einfluss nehmen?

Einerseits ist es nachvollziehbar, dass speziell in der Corona-Pandemie der Stellenwert von Freizeit gestiegen ist. Andererseits müssen wir uns aber auch darüber im Klaren sein, dass wir alle anpacken müssen, um wieder auf das vorherige Niveau zurückzukehren. Freizeit muss man sich schließlich leisten können. Diskussionen etwa um eine Vier-Tage-Woche sind hier nicht hilfreich.

Neben Ausbildung kann auch die Weiterbildung von bereits Beschäftigten eine wichtige Rolle spielen. Welche Möglichkeiten bieten Sie hierzu an?

Wir halten Weiterbildung für elementar und haben deshalb eine eigene Abteilung, die sich Corporate Transformation nennt und direkt bei unserem Arbeitsdirektor aufgehängt ist. Neben der klassischen Weiterbildung steht hier auch das Organisations- und Personalentwicklung im Fokus.
Rund um das Thema Weiterbildung muss man immer bedenken, dass rund 70 Prozent der Weiterbildung bei und durch die tägliche Arbeit passiert. Das „klassische Seminar“ kann natürlich auch Sinn ergeben, ist aber nur als Ergänzung zu einer gelebten Weiterbildungskultur im Unternehmen zu sehen.

Kurze Zusammenfassung: Was muss aus Ihrer Sicht in Zukunft passieren, um eine Lösung für das Problem des Fachkräftemangels zu finden?

Christoph Münch, Head of HR Business Partner Organization. Quelle: Schuler

Die Metallindustrie ist sehr attraktiv und bietet facettenreiche Jobs. Ein Problem ist, dass viele potentielle Beschäftigte das nicht direkt auf dem Schirm haben. Auch wenn das Umfeld momentan anspruchsvoll ist, gibt es aber keine Notwendigkeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn die Politik und die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen bei Themen wie beispielsweise einer attraktiven Kinderbetreuung oder der unbürokratischeren Integration ausländischer Fachkräfte, gibt es definitiv viele Gründe für Optimismus.

Kontakt:

www.schulergroup.com