Boehlerit investiert in Pressanlage für Hartmetall

Der Werkzeughersteller Boehlerit hat in eine neue Kolbenstrangpressanlage investiert. Mit ihr können komplexe Profile und Stäbe aus Hartmetall gefertigt werden. Im Vergleich zu den anderen Stangenpressanlagen im Unternehmen arbeitet diese deutlich nachhaltiger.

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Die neue Kolbenstrangpressanlage ermöglicht die ressourcenschonende Fertigung von komplexen Profilen und Stäben in höchster Qualität und Präzision. (Bildnachweis: BOEHLERIT)

In den letzten drei Jahren hat die Firma Boehlerit in die Presstechnologie von Hartmetall in allen drei Produktionsstandorten (Österreich, Deutschland und Türkei) investiert.
Neben einigen Presszellen für die Wendeschneidplattenfertigung und Monopressen für die Herstellung von Halbzeugen wurde jetzt eine Kolbenstrangpressanlage installiert. Die Anlage wurde zusammen mit dem österreichischen Maschinen- und Anlagenbauer Haginger realisiert.

In der zweijährigen engen Zusammenarbeit ist ein durchdachtes Anlagenkonzept entstanden, das durch innovative und zugleich erprobte Komponenten, die Grundlage für einen effektiven und wiederholgenauen Produktionsprozess darstellt. An der Kolbenstrangpressanlage 4.0 sind digital geregelte Antriebssysteme mit Servomotoren verbaut.

Einzigartig hierbei ist die hochpräzise Regelung der Kolbenstrangpresse selbst. Der Presszylinder wird mit einer konstanten Pressgeschwindigkeit von +/- 0,001 mm/s bewegt. Dies gewährleistet, dass auch sehr kleine Stäbe mit gleichbleibender Geschwindigkeit ausgepresst werden können. Ein entscheidendes Kriterium, um zum Beispiel eine konstante Steigung für Hartmetallbohrer mit verdrallten Kühlkanälen zu produzieren.

Um Einfluss auf die Viskosität der Strangpressmasse zu bekommen, ist der Rezipient, in der sich die Knetmasse befindet, temperiert und das Handling-System ist direkt an der Kolbenstrangpresse montiert. So hat man die bestmögliche Ausrichtung und Stabilität beim Pressen. Für Rüstarbeiten wird der Abnahmetisch zur Seite geschwenkt.

Besonders hervorzuheben ist das ressourcenschonende Handling-System beim Ablängen der Fixlängen. Neben weniger Rücklaufmaterial ist außerdem eine mannarme Fertigung möglich. Des Weiteren bietet diese Kolbenstrangpresse für die Mitarbeiter in der Strangpressabteilung einen großen Vorteil: Sie arbeitet nahezu lautlos.

Einen positiven Einfluss hat die Strangpresse sowohl auf dem vorgelagerten Prozess bei der Aufbereitung der plastischen Knetmasse (Feedstock) als auch auf die nachgelagerte Abfolge des Sinterns mit weniger Streuung und noch besserer Maßhaltigkeit bei den Boehlerit Produkten.

Während die bisherigen Strangpressanlagen mit Abnahmetisch eine Produktlänge von 500 mm ermöglicht haben, produziert die neue Anlage Längen bis zu 1100 mm – und das höchst präzise.

Alle Parameter werden übersichtlich am Bedienpult dargestellt und können zur Qualitätssicherung gespeichert und ausgewertet werden. Die Anlage erfüllt alle Kriterien von Industrie 4.0 – netzwerkfähig, programmierbar und ausgerüstet mit einem Werkzeugmanagement, wo auch eine Lebenszeitbetrachtung der Strangpresswerkzeuge möglich ist.

Auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz besitzt die Presse Vorteile: Während die bisherigen Strangpressanlagen 20 kWh benötigen, braucht die neue Anlage nur noch 2 kWh. Einer Reduktion von bis zu 90 % CO2 steht jetzt nichts mehr im Weg. In der Strangpressabteilung werden Stäbe, Papier- und Hobelmesser, Striegelzinken für die Agrarwirtschaft, Werkzeugkomponenten für die Ziegelindustrie und Abstreifleisten für Förderbänder produziert.

Mit der neuen Kolbenstrangpresse 4.0 können Hartmetallprodukte im Durchmesserbereich ≥ 2 mm bis Durchmesser 32 mm realisiert werden.

Kontakt:

boehlerit.com