Dreh-Bohr-Fräszentrum feiert Premiere

Auf der EMO 2021 präsentierte WFL Millturn Technologies erstmals das neue Dreh-Bohr-Fräszentrum M20 MILLTURN. Zudem präsentierte das Unternehmen smarte Software zum Programmieren von Schnecken bis hin zu intelligenten Werkzeugen und Spannmitteln.

301
Live-Zerspanung mit hochkomplexen Werkstücken an der M20-G MILLTURN. (Bildnachweis: WFL)

Die M20 MILLTURN feierte auf der EMO 2021 ihre Premiere. Das österreichische Unternehmen positioniert die M20 für Anwendungen, welche eine kompakte und leistungsstarke Komplettbearbeitungslösung erfordern.

Ziel bei der Entwicklung der M20 war die Einführung einer besonders robusten Maschine mit höchster Langzeitgenauigkeit. Das Maschinengestell aus Sphäroguss garantiert höchste Stabilität und gleichzeitig hervorragende Dämpfungseigenschaften. Dadurch können auch schwere Schruppschnitte kompromisslos ausgeführt werden.

Besonders interessant ist vor allem das neue Design der Maschine. Die vollflächige Front aus gehärtetem Glas verfügt über eine integrierte Anzeige der Performance-Daten sowie ein Touch-Panel zur komfortablen Bedienung des Werkzeugmagazins von der Maschinenfront. Besonders energieeffiziente und helle LED-Leuchten sorgen für die perfekte Ausleuchtung des Arbeitsraumes. Die Visualisierung des Maschinenstatus erfolgt über ein gut sichtbares LED-Lichtband im unteren Bereich des Schiebeschutzes.

M20 MILLTURN – Mit Smart Machining zu höchster Flexibilität und Performance. (Bildnachweis: WFL)

Die M20 wird mit Reitstock oder Gegenspindel angeboten und verfügt über dynamische und leistungsstarke Antriebe. Völlig neu ist die Dreh-Bohr-Fräseinheit mit integriertem Spindelmotor und einer B-Achse mit Torque-Motor. Die Leistung beim Drehen mit bis zu 44 kW reicht mühelos für die Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe. Die Frässpindel mit bis zu 25 kW und 20.000 min-1 ist perfekt für alle Zerspanungsaufgaben gerüstet. Als Werkzeugsystem kommen wahlweise HSK 63 oder Capto C6 zum Einsatz.

Ein Highlight stellt der Einzelwerkzeugträger mit B-Achse am unteren Schlitten dar. Oberes und unteres System können simultan eingesetzt werden. Beide Systeme werden durch einen zuverlässigen und dynamischen Werkzeugwechsler aus einem gemeinsamen Magazin versorgt. Damit können auch komplexe Komponenten äußerst effizient gefertigt werden.

Durch die Möglichkeit, mit dem Werkzeug bis zu 100mm unter die Drehmitte zu fahren, können stirnseitige Bohrbilder bis Ø 200mm ohne Verdrehen der C-Achse hochgenau gefertigt werden.

Die detailgenaue Planung der 5-Achsbearbeitungen sichert die reibungslose Produktion der Turbinenschaufeln auf einer MILLTURN von WFL. (Bildnachweis: WFL)
Voll automatisiert durch intCELL

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Maschine ist die Möglichkeit der einfachen Integration verschiedenster Automatisierungsoptionen. Je nach Anforderung des Kunden können sowohl Knickarmroboter, Portallader oder eine integrierte Fertigungszelle mit dazugehöriger Peripherie umgesetzt werden. Die neue integrierte Fertigungszelle „intCELL“ wurde auf der rechten Seite der Maschine angebaut und auch erstmals auf der EMO dem Publikum vorgestellt. Die Werkstücke werden auf einem Bandspeicher bereitgestellt.

Darüber hinaus kann ein automatischer Werkzeugwechsel in den unteren Einzelwerkzeugträger mit B-Achse stattfinden. Hauptzeitparalleles Rüsten der Werkzeuge sowie automatisches Zugreifen auf den Vorrat im Magazin ist damit möglich. Gespeicherte Werkzeuge lassen sich somit am oberen und unteren Werkzeugträger einsetzen. Mit dem Konzept der integrierten Beladung hat WFL den Platzbedarf im Vergleich zu einer herkömmlichen Fertigungszelle um 50 % reduziert.

Die integrierte Beladung der M20 ist für Futterteile bis 300mm Durchmesser und 15kg Werkstückgewicht ausgelegt. Bei Wellenteilen ist ein Werkstückdurchmesser von 100mm und eine Werkstücklänge von 300mm möglich.

Besucher konnten auf der Messe Live-Zerspanung erleben: die Herstellung eines hochkomplexen Futterteils mit einer Länge von 150mm und einem Durchmesser von 300mm. Technologische Highlights sind dabei das Wälzschälen bzw. gear skiving von Innen- und Außenverzahnungen und die hohen Schnittgeschwindigkeiten zur schnellen Fertigung von Verzahnungen. Die Bearbeitungsdemo fand gleichzeitig auf Haupt- und Gegenspindel statt. Selbstverständlich wurde auch der automatische Werkzeugwechsel auf die beiden Einzelwerkzeugträger vorgeführt.

Integrierte Fertigungszelle für automatische Be- und Entladung: intCELL. (Bildnachweis: WFL)
Universelle Bearbeitungslösungen mit der M50-G MILLTURN

Ein weiteres Messehighlight stellte die M50-G MILLTURN der neuen Generation mit größerem Achsabstand und gesteigerter Leistung dar. Die optionale Spitzenweite von 6000mm ermöglicht die effiziente Bearbeitung von langen Wellenteilen. Mit der M50 hat WFL einige Features der größeren M80 übernommen. Insbesondere durch die höhere Antriebsleistung in Kombination mit der HSK-A100 bzw. Capto C8 Werkzeugaufnahme wird das vorhandene Potenzial der Maschine voll ausgeschöpft.

Der Drehdurchmesser ist bis 670mm verfügbar und das ausgereifte, bewährte Maschinenkonzept der M50 MILLTURN erhält zudem einen optischen und ergonomischen Feinschliff. Für sehr lange und/oder schwere Werkzeuge gibt es ein separates Pick-Up-Magazin. Werkstücke mit einer Länge bis 1600mm können automatisch eingesetzt und gewechselt werden. Das Standard-Scheibenmagazin lässt sich auf bis zu 200 Plätze erweitern.

An dieser Maschine konnten Messebesucher die Live-Zerspanung einer Turbinenschaufel/Schnecke erleben. Bauteile wie Turbinenschaufeln oder Plastifizierschnecken erfordern gleichzeitig dynamische und stabile Bearbeitungskonzepte. Mittels eines speziellen Spanners des Herstellers Grasch wird eine einfache und sichere Spannung von Rechteck-Rohmaterial ermöglicht, was bei der Turbinenschaufel-Bearbeitung eine Grundvoraussetzung darstellt. In Punkto Technologie für die Schaufelbearbeitung kommen das sogenannte „Helix-Spiral-Fräsen“ und „Helix-Längs-Fräsen“ zum Einsatz.

M50-G MILLTURN (Bildnachweis: WFL)
Smarte Werkzeuge: ICOtronic & Ultraschallmessen

Das mit Sensoren ausgestattete Werkzeug ICOtronic liefert Informationen des Zerspanungsprozesses möglichst nahe an der Schneide. Dadurch sollen zukünftig nicht nur Fräsprozesse optimiert, sondern die Produktivität der Maschine gesteigert werden. Die Vorführung auf der EMO erlaubte einen kleinen Einblick in die vielfältigen Entwicklungsprojekte von WFL.

Auch das Ultraschallmessen wurde den Besuchern der Messe live demonstriert. Der automatisch einwechselbare Ultraschall-Messtaster ermöglicht einen vollautomatischen Messablauf. Vorteile ergeben sich durch den großen Messbereich (1,5 – 30mm). Das Ultraschallmessen eignet sich hervorragend zur Ermittlung des Bohrungsverlaufes und -durchmessers von sehr tiefen Bohrungen.

Einfache Schneckenprogrammierung mit ScrewCAM

Mit ScrewCAM wurde auf der EMO die neueste Software zur Programmierung von Plastifizierschnecken mit komplexen Geometrien vorgestellt. Zu den geometrischen Funktionen, welche gefertigt werden können, zählen u.a. ein- oder mehrgängige Kanäle, veränderliche Tiefe, beliebige Steigungsänderung, Wandausprägung und Wandneigung.

Des Weiteren erfolgt die Überprüfung des gesamten NC-Programms auf Kollisionsfreiheit und Korrektheit der erzeugten Werkstückgeometrie mittels Materialabtragssimulation und geometrischer Verifikation im Vergleich zur 3D-Sollgeometrie der Schnecke. Das Ergebnis ist ein verifiziertes NC-Programm mit voraussichtlicher Bearbeitungszeit.

Die im Juni 2021 verfügbare Produktversion von CrashGuard Studio beinhaltet erstmals auch die neu entwickelten Funktionen zur Modellierung und Herstellung von Plastifizierschnecken für die Kunststoffindustrie. (Bildnachweis: WFL)

Betriebsdatenerfassung mit myWFL

Ebenfalls auf der EMO vorgestellt wurde das neue Betriebsdatenerfassungssystem myWFL Cockpit. Angezeigt werden Maschinen- und Programmzustände im zeitlichen Verlauf, Produktivität und technische Verfügbarkeit. Die Visualisierung erfolgt auf der Steuerung, am PC oder einem mobilen Gerät per Browser. Damit ist der User jederzeit perfekt über die Produktivität seiner Maschine informiert.

Neu ist auch das in myWFL Cockpit integrierte Energieverbrauchsmessgerät myWFL Energy mit Anzeige der aktuellen Leistungs- und Energieverbrauchsdaten sowie des Energieverbrauchs je Werkstück.

Ein weiteres Highlight von myWFL stellt der integrierte Condition Monitoring Zyklus dar. Während des Ablaufs werden kontinuierlich die Reibungswerte der Achsen und Spindeln sowie die Temperatur im Frässpindelgehäuse und die Vibration bzw. der Wälzlagerzustandskennwert der vorderen Frässpindellagerung erfasst und auf der Steuerung gespeichert.

Mittels Condition Monitoring Viewer können die Daten der verschiedenen Condition Monitoring-Durchläufe auf der Steuerung ausgewählt, grafisch übereinandergelegt und somit zeitlich analysiert werden. Sich anbahnende Störungen lassen sich damit frühzeitig erkennen und ungeplante Stillstände vermeiden.

Kontakt:

www.wfl.at