Mapal – Neue Strukturen im Bereich Spanntechnik

Bei MAPAL tut sich was: Das gesamte Unternehmen befindet sich in einer Neuausrichtung. Das betrifft somit auch den Produktbereich Spanntechnik. Man ist sich hier sicher, dass Marktsegmente die Spanntechnik der Zukunft bestimmen.

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Höchste Prozesssicherheit in dynamischen Prozessen und Hydrodehnspanntechnik für Bauteile mit kritischen Konturen: das Hydro Mill Chuck und das Hydro DReaM Chuck 4,5°. (Bildnachweis: MAPAL)

Dennis Minder, der bereits seit sechs Jahren Verantwortung im Bereich der MAPAL Spanntechnik trägt, hat zum Start des Jahres 2021 das gesamte Produktmanagement dieses Bereichs von Jochen Schmidt übernommen. Letzterer betreut zukünftig das Marktsegment „General Machining“. Über diesen von langer Hand geplanten Schritt, die Zukunft der Spanntechnik und die neue Rolle der Marktsegmente sprechen die beiden im Interview.

Herr Schmidt, Sie haben zu Beginn des Jahres die offizielle Verantwortung für den Bereich der Spanntechnik an Herrn Minder übertragen. Wie kam es zu diesem Schritt?

Jochen Schmidt: Im Moment befindet sich das gesamte Unternehmen in einer Neuausrichtung. Ein Teil der organisatorischen Umstrukturierung ist die vermehrte Konzentration auf Marktsegmente. Ich habe zum Beginn des Jahres die Gesamtverantwortung für das Marktsegment General Machining übernommen.

Dass Dennis Minder eines Tages das Produktmanagement für die Spanntechnik übernimmt, haben wir bereits seit 2018 geplant. Seitdem hat er alle Bereiche in der Spanntechnik durchlaufen und von der Pike auf alles zu unseren Produkten, den Kunden und den Märkten gelernt und ist Schritt für Schritt in seine Rolle hineingewachsen. Als wir unsere neu gestalteten Spannfutter eingeführt haben, hatte er dafür bereits die Verantwortung übernommen.

„Wir setzen uns intensiv mit den individuellen Bedürfnissen der Kunden aus den spezifischen Märkten auseinander“ – Jochen Schmidt, Global Head of Segment Management General Machining (Bildnachweis: MAPAL)

Herr Minder, wie sehen Ihre Pläne für die Spanntechnik bei MAPAL aus?

Dennis Minder: Da ich den Weg, den die Spanntechnik in den vergangenen Jahren genommen hat, bereits aktiv mitgestalten konnte, werde ich diesen Weg auch weiterhin konsequent verfolgen. Die Verantwortung ist fließend auf mich übergegangen, daher gibt es keinen harten Cut – außer dem Ansprechpartner wird sich also nichts Grundlegendes ändern. Wir werden weiterhin mit großem Einsatz die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen.

Wie würden Sie den eingeschlagenen Weg denn in wenigen Worten beschreiben?

Dennis Minder: Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Früher war das Spannfutter lediglich ein Werkzeughalter. Nun wird es mehr und mehr zum anwendungsorientierten Leistungsträger. Um dies weiterzuführen, werden wir uns zukünftig noch mehr auf die einzelnen Marktsegmente konzentrieren und Spannfutter für die speziellen Bedarfe aus den Märkten entwickeln. Dafür arbeiten bei MAPAL die einzelnen Produkt- und Marktsegmentbereiche eng zusammen – also wird auch die enge Zusammenarbeit von Jochen Schmidt und mir weitergeführt.

Jochen Schmidt: Das kann ich nur bestätigen. Im Marktsegmentmanagement setzen wir uns intensiv mit den individuellen Bedürfnissen der Kunden aus den spezifischen Märkten auseinander und generieren daraus – in Kooperation mit dem jeweiligen Produktmanagement – entsprechende Standardprodukte und Sonderlösungen. Das ist zwar schon in der Vergangenheit so geschehen, allerdings legen wir den Fokus nun stärker auf die einzelnen Marktsegmente. Durch das optimal aufeinander abgestimmte Gesamtsystem bieten wir dann den maximalen Mehrwert für den Anwender – unseren Kunden.

Wurden die beiden kürzlich vorgestellten Spannfutter in neuem Design – das Hydro DReaM Chuck 4,5˚ und Hydro Mill Chuck – bereits so entwickelt?

Jochen Schmidt: Tatsächlich haben wir – wie bereits in der Vergangenheit – die wesentlichen Merkmale, die diese Spannfutter auszeichnen, aus konkreten Kundenbedürfnissen heraus entwickelt. Beim Hydro Mill Chuck traten die entsprechenden Anforderungen sogar in unterschiedlichen Marktsegmenten auf – überall dort, wo unsere Kunden hochwertige Bauteile in hochdynamischen Bearbeitungsprozessen bearbeiten.

Dennis Minder: Wir haben diese Anforderungen, unter anderem von Kunden aus den Bereichen Luftfahrt oder Werkzeug- und Formenbau, aufgenommen und in unser Hydro Mill Chuck übersetzt. Mit diesem Hydrodehnspannfutter werden wir dem Hauptanliegen nach höchster Prozesssicherheit gerecht, die bei diesen Bearbeitungen die wichtigste Grundvoraussetzung ist.

Was zeichnet das neue Hydro Mill Chuck über die Prozesssicherheit hinaus aus?

Dennis Minder: Für das neue Spannfutter haben wir unser bestehendes MillChuck HB weiterentwickelt, das sich beispielsweise beim Trochoiden Fräsen vielfach bewährt hat. Das neue Hydro Mill Chuck haben wir zusätzlich für hochdynamische Prozesse mit Drehzahlen von bis zu 33.000 min-1 ausgelegt. Dafür haben wir die gesamte Geometrie, die Technologie und das Design angepasst.

Die Kontur beispielsweise ist für dynamische Prozesse optimiert. Sowohl das Hydro Mill Chuck als auch das Hydro DReaM Chuck 4,5˚, also beide Spannfutter, die nach dem neuen Industriedesign gestaltet sind, bieten klare Mehrwerte – nicht nur funktionell, sondern auch hinsichtlich Ergonomie und Handling.

„Das Spannfutter wird mehr und mehr zum anwendungsorientierten Leistungsträger“ – Dennis Minder, Global Head of Product and Application Management Clamping Technology bei MAPAL in Aalen. (Bildnachweis: MAPAL)

Welche Kundenbedürfnisse erfüllt das zweite Spannfutter, das Hydro DReaM Chuck 4,5˚?

Dennis Minder: Viele Bauteile konnten bisher – aufgrund der wenigen Störkonturen am Schrumpffutter – nur mit solchen bearbeitet werden. Sprich – Bauteile mit kritischen Konturen waren den Schrumpffuttern vorbehalten. Nun bieten Hydrodehnspannfutter allerdings unbestreitbar erhebliche Vorteile gegenüber Schrumpffuttern. Damit unsere Kunden diese Vorteile nutzen können, haben wir die Originalkontur eines Schrumpffutters bei einem Hydrodehnspannfutter realisiert.

Dies ist möglich, da die Spannung bei unserem Hydro DReaM Chuck 4,5˚ im Bund eingeleitet wird – ohne jegliche technischen Nachteile für unsere Kunden. Sie haben nur Vorteile mit dem neuen Futter – einfaches Handling, bessere Oberflächengüten und ein sehr ergonomisches Futter. Stellen Kunden ihre Bearbeitungen auf unser Hydro DReaM Chuck 4,5˚ um, müssen sie zudem keine neuen Störkonturberechnungen anstellen, sondern können die Futter als „Plug and Play“-Lösung direkt einsetzen.

Jochen Schmidt: Generell begleiten wir mit dem neuen Futter unsere Kunden beim Wechsel zum Hydrodehnspannfutter. Wir holen sie dort ab, wo sie stehen – und das ist in vielen Fällen das Schrumpffutter. Um den Wechsel für die Anwender so einfach wie möglich zu gestalten, bringen wir Handlungshinweise direkt auf dem Produkt an. Zum Beispiel weisen die Futter ein prominentes Piktogramm mit dem Hinweis „Do not shrink“ auf. Denn die Originalkontur kann sonst zu Verwechslungen in der Fertigung führen und ein Hydrodehnspannfutter sollte tunlichst nicht in Kombination mit einem Schrumpfgerät genutzt werden.

Das sind nun die ersten zwei Spannfutter nach dem neuen Industriedesign. Wie geht es weiter? Folgen weitere Futter?

Dennis Minder: Natürlich werden weitere Futter im neuen Design folgen. Sie werden dann am UNIQ im Namen identifizierbar sein. Das UNIQ steht dabei für die Einzigartigkeit der Spannfutter – dazu bald mehr. Im Moment steht für uns im Vordergrund, das Hydro Mill Chuck sowie das Hydro DReaM Chuck 4,5˚ in weiteren Varianten anzubieten.

Wir registrieren beispielsweise gerade für das Hydro Mill Chuck einen großen Bedarf in Asien nach einer BT30 Schnittstelle. An der Umsetzung dieser Anforderung arbeiten wir und werden das entsprechende Futter in diesem Jahr auf den Markt bringen. Zudem wird es zeitnah neue Spanndurchmesser für beide Hydrodehnspannfutter geben. Darüber hinaus arbeiten wir an weiteren Produkten, die unser Programm ergänzen – auch dazu wird es in Kürze mehr zu berichten geben.

Verschiedene Ausführungen des Hydrodehnspannfutters Hydro DReaM Chuck 4,5˚ von MAPAL, das auch für die Bearbeitung von Bauteilen mit kritischen Konturen optimal geeignet ist. (Bildnachweis: MAPAL)

Kontakt:

www.mapal.com