Vom reaktiven Eingriff zur autonomen Prozessführung

Warum klassische SPC-Ansätze in der Zerspanung an ihre Grenzen stoßen und APC (Automated Process Control) den nächsten Entwicklungsschritt markiert

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Closed Loop – Drehteil fertigen, Messen, Verrechnung der Werte, Automatische Übertragung und Korrektur auf CNC-Steuerung ©Remmel

Die Zerspanungsfertigung befindet sich im Spannungsfeld steigender Variantenvielfalt, sinkender Losgrößen und wachsender Anforderungen an Präzision im µ-Bereich. Gleichzeitig nimmt der Druck auf Ressourcen und Fachpersonal kontinuierlich zu.
Vor diesem Hintergrund geraten klassische Methoden der Prozessüberwachung zunehmend an ihre Grenzen. Insbesondere die Statistische Prozess Kontrolle (SPC), lange Zeit Standard zur Qualitätssicherung, zeigt strukturelle Schwächen in hochdynamischen Fertigungsumgebungen.

Mit der Automated Process Control (APC) etabliert sich ein Ansatz, der über die reine Überwachung hinausgeht und eine aktive, automatisierte Prozessregelung ermöglicht.

CAD-Zeichnung „Frästeil“ als Vorlage zur Einrichtung ©Remmel

Von SPC zu APC: Ein notwendiger Paradigmenwechsel
SPC-Systeme basieren auf der Analyse von Messdaten und der anschließenden manuellen Reaktion auf erkannte Abweichungen. Dieses Prinzip setzt voraus, dass:
• Abweichungen rechtzeitig erkannt werden
• Bediener korrekt interpretieren
• geeignete Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden

In der Praxis führt dies jedoch häufig zu zeitverzögerten Eingriffen. Der Prozess driftet, Korrekturen erfolgen verspätet und die Prozessstabilität wird reaktiv wiederhergestellt.
APC verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz:

Abweichungen werden nicht nur erkannt, sondern unmittelbar und automatisiert kompensiert.
Die wesentlichen Merkmale:
• Echtzeitverarbeitung von Messdaten
• Prädiktive Erkennung von Trends und Drift
• Automatische Anpassung von Maschinenparametern
• Geschlossene Regelkreise ohne manuelle Intervention
Damit verschiebt sich die Rolle der Fertigung von einer überwachenden hin zu einer selbstregelnden Instanz.

Davy Pillet, CEO ELLISTAT ©Remmel

Rüstzeitoptimierung durch ganzheitliche Korrekturmodelle

Ein zentrales Effizienzhemmnis in der Zerspanung liegt in der Anlaufphase neuer oder umgerüsteter Prozesse. Klassisch erfolgt die Optimierung iterativ: Mehrere Werkstücke werden gefertigt, vermessen und schrittweise korrigiert.
APC reduziert diesen Aufwand signifikant. Bereits nach dem ersten gefertigten Bauteil kann eine belastbare Prozessfreigabe erfolgen.
Möglich wird dies durch:

• die simultane Berücksichtigung aller bearbeiteten Flächen
• die Einbeziehung von Werkzeugwechselwirkungen
• die algorithmische Verknüpfung von Maßabweichungen und Korrekturparametern

Das Resultat ist eine deutliche Verkürzung der Rüstzeiten bei gleichzeitig höherer Prozesssicherheit.

Steigerung der Fertigungsautonomie

Ein wesentliches Hindernis für hochautomatisierte Fertigungssysteme ist die notwendige Unterbrechung von Prozessen zur Qualitätssicherung. Klassische Messkonzepte erfordern häufig Stillstände oder manuelle Eingriffe.

Verbindung zu vielen Steuerungsanbietern ©Remmel

Durch APC kann die Qualitätssicherung direkt in den Prozessfluss integriert werden:

• Automatisierte, prozessnahe Messungen können realisiert werden
• Integration taktiler und optischer Messsysteme
• Durchgängige Anbindung an Maschinensteuerungen

Diese Integration ermöglicht es, Fertigungszellen mit einem deutlich höheren Autonomiegrad zu betreiben und bildet die Grundlage für den erweiterten Einsatz von Robotik.

Entlastung des Bedienpersonals

Die manuelle Korrektur von Fertigungsprozessen ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch fehleranfällig. Bediener müssen:
• Korrekturwerte berechnen und dokumentieren
• Werkzeuge eindeutig zuordnen
• Eingriffe an der Maschinensteuerung durchführen
• zusätzliche Einflüsse wie thermische Effekte berücksichtigen

APC automatisiert diese Schritte vollständig. Dadurch reduziert sich die operative Belastung des Personals erheblich, während gleichzeitig die Prozessqualität steigt. Der Bediener wird von reaktiven Eingriffen entkoppelt und kann sich auf übergeordnete Aufgaben konzentrieren.

Fazit
Die zunehmende Komplexität moderner Zerspanungsprozesse erfordert ein Umdenken in der Prozessführung. Reaktive Ansätze stoßen dort an ihre Grenzen, wo Dynamik, Präzision und Effizienz gleichzeitig gefordert sind.
Automated Process Control überführt die Fertigung in einen Zustand kontinuierlicher, automatisierter Regelung. Prozesse werden nicht mehr nur überwacht, sondern aktiv gesteuert. Damit stellt APC einen entscheidenden Entwicklungsschritt auf dem Weg zur autonomen Fertigung in der Zerspanung dar – mit messbaren Vorteilen in Prozessstabilität, Ressourceneffizienz und Skalierbarkeit.

Kontakt:

www.ellistat.com
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