Drehteile-Industrie will aktiv sein und Antworten finden

Was treibt die Mitglieder des Verbands der Drehteile-Industrie um? Auf der Herbsttagung diskutierten Drehteilehersteller, Maschinenbauer und Werkzeugspezialisten bekannte Probleme, stellten sich aber auch neuen Herausforderungen. Erklärtes Ziel der Teilnehmer: gemeinsam nach Lösungen suchen und voneinander lernen.

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Bildnachweis: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Prozesse digital in den Griff bekommen, besseres Service-Management betreiben, Qualitätskontrolle optimieren, Maschinen-Retrofit als Alternative zum Neukauf andenken, Arbeitsschutzmaßnahmen prüfen: Was sich wie die To-do-Liste des Betriebsleiters eines x-beliebigen Unternehmens liest, ist die Agenda der Tagung des Drehteile-Verbands im Oktober in Ingolstadt. Die Vorträge boten einen Mix aus Themen, die die Branche umtreiben und zum Blick über den Tellerrand einladen. Auch für das Stimmungsbild zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und den anhaltenden Personalproblemen war genügend Zeit eingeplant. „Es gibt im Moment sehr viel Gesprächs- und Diskussionsstoff“, begrüßte Vorstandsmitglied Kathrin Heinrichs die rund 100 aufmerksamen Zuhörer. „Einiges verärgert uns auch, aber wir müssen selber aktiv werden und an den vorhandenen Stellschrauben drehen“.

Vorstand des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie (v.l.): Thomas Braun, Thilo Karrenberg, Werner Liebmann (Geschäftsführer), Kathrin Heinrichs, Stefan W. Schauerte und Patrick Weber Bild: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Auf Regen folgt Sonnenschein

Die Stimmung unter den Mitgliedern ist in Anbetracht der rückläufigen Auftragseingänge und der fehlenden Umsatzsteigerungen gegenüber dem 1. und 2. Quartal getrübt. Zusätzlich verunsichern die instabile weltpolitische Lage, der schwächelnde nationale Markt und Personalengpässe. Kleiner Lichtblick: Viele Unternehmen nutzen die freien Ressourcen, um Abläufe zu optimieren oder eingefahrene Denkmuster zu verändern.

„Für diese Transformationsprozesse sind der Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern und die gemeinsame Suche nach Lösungen besonders wertvoll“, weiß Verbands-Geschäftsführer Werner Liebmann. Auch er hält sich im Moment etwas bedeckt, was Prognosen angeht, vertraut aber dem Sprichwort „auf Regen folgt Sonnenschein“.

Wie das erste Halbjahr 2023 in Zahlen aussieht, zeigt die Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Umfrage unter den Verbandsmitgliedern: Der Umsatz ist im Durchschnitt noch positiv und stieg im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent leicht an. Beim Auftragseingang hat sich die Entwicklung nicht verändert, hier verzeichnen die Unternehmen weitere Rückgänge. Der Exportanteil ist erneut sehr hoch mit knapp 40 Prozent. „Im dritten Quartal werden wir hier voraussichtlich bei 43 Prozent landen“, vermutet Liebmann. „Das hatten wir bisher noch nicht, und das beweist leider auch die schwierige Situation auf dem nationalen Markt.“ Große Sorgen bereiten die Investitionen mit gerade mal etwas mehr als sechs Prozent. Der Geschäftsführer des Verbands befürchtet, dass die Zahl im dritten Quartal sogar auf 5,6 Prozent fallen könnte. Auch das zeige, wie verunsichert die Entscheider im Moment sind. Eine minimale Entlastung bieten in diesem Zusammenhang aktuell nur die leicht zurückgehenden Preise für Vormaterial.

Digital und nachhaltig agieren

Ein drängendes To-do der Drehteilehersteller: Die Prozesse digital in den Griff bekommen. Wie das funktionieren kann, und welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet, erfuhren die Teilnehmer in zwei Vorträgen. Dabei ging es um ein nachrüstbares Process-Monitoring-Tool von Star Micronics, das eine reproduzierbare Prozessüberwachung ermöglicht. Wie der Maschinenbetreiber damit über 50 Werkzeuge simultan im Blick behalten und so Produktivität und Qualität nachhaltig sicherstellen kann, demonstrierte Peter Gröning. Er stellte außerdem eine Software vor, die das Service-Management deutlich effizienter macht. Qualitätssicherung – und zwar zu 100 Prozent – steht bei der Lösung von Big Data im Fokus. Dabei spielen künstliche Intelligenz und die Erfassung der Prozessdaten eine wichtige Rolle. Björn Sander erläutert: „Wir kommen gerne zu unseren Kunden und prüfen, ob ihre Maschine mit unserer Software nachrüstbar ist – dazu sollte die Steuerung allerdings nicht älter als 15 Jahre sein“.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer Punkt, den die Verantwortlichen in Angriff nehmen müssen. Dass es sich lohnt, hier auf Retrofit zu setzen, bewies der Vortrag von Pfiffner. Der Rundtaktmaschinen-Hersteller bietet verschiedene „Verjüngungskuren“ an. Der Umgang mit arbeitsbedingten Hauterkrankungen stand ebenfalls auf der Agenda. Hier der Appell ans Publikum: Die Mitarbeitenden ausreichend informieren, die Einhaltung der Arbeitsschutz-Maßnahmen immer wieder überprüfen und im Schadensfall die Berufsgenossenschaft befragen, die mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Anregung, nach Alternativen zu mineralölhaltigen Kühlschmierstoffen zu suchen, bekamen die Teilnehmer im letzten Beitrag: Fluid-Competence hat eine biologisch abbaubare und schwer entflammbare Hochleistungs-Hydraulikflüssigkeit entwickelt, die Mineralöle ersetzen kann.

Gelungene Verbandsarbeit

Die Mitglieder des Drehteile-Verbands profitieren aber nicht nur vom Austausch bei den Tagungen. Sie bekommen jederzeit Unterstützung in branchenbezogenen Fragen: Wie gehe ich mit den EU-Sanktionen für Vormaterial aus Russland um? Was bedeuten der CO2-Grenzausgleich und die CBAM-Berichtspflicht (Carbon Border Adjustment Mechanism) für mich? Was kann ich noch tun, um Fachkräfte und Azubis für mein Unternehmen zu begeistern? Wie sieht die Zukunft mit bleifreien Automatenstählen aus? Auch bei verbandsübergreifenden Themen, beispielsweise den politischen und gewerkschaftlichen Forderungen nach einer 4-Tage-Woche, engagiert sich der Verband und vertritt die Interessen der Unternehmen.

Kontakt:

www.drehteileverband.de