Von Schockstarre keine Spur

Automobilkrise, Aerospace am Boden und Corona ohne Ende. Wie viele andere auch wurde MAPAL hart getroffen. Doch die Aalener haben den Blick schon lange wieder nach vorne gerichtet. Mit positiven Anzeichen.

962

(Frank Dietsche) Nach unzähligen Online-Pressekonferenzen fasste sich der Aalener Werkzeughersteller MAPAL ein Herz und lud die Fachpresse zum Pressetag am Firmensitz ein. Die erste Präsenzveranstaltung seit langer Zeit machte sofort deutlich, wie sehr sich die Pressevertreter und auch das Management sowie die Belegschaft von MAPAL über den persönlichen Kontakt, wenn auch unter strengen Corona-Regeln, freuten.

Der Präsident der MAPAL Gruppe, Dr. Jochen Kress, eröffnete den Pressetag mit den Worten „Wir haben zwei spannende Jahre hinter uns“. Ganz typisch für dieses Unternehmen, werden besonders positive Dinge genauso wie negative Dinge nicht gehypt, sondern eher sachlich dargestellt.

MAPAL hat sich über Jahrzehnte mit seinen komplexen Lösungen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie einen Namen gemacht und ist dabei gesund aber stetig gewachsen. Der Automobilkrise und der Pandemie geschuldet, noch zusätzlich deutliche Einbußen in der Luftfahrt, stellten das Management und die Belegschaft von MAPAL vor „spannende“ Herausforderungen. Auch wenn das Unternehmen schon frühzeitig auf die Veränderungen im Automobilsektor durch Lösungen für E-Antriebe reagierte, konnten der massive Einbruch des Automobilmarktes nicht so einfach kompensiert werden. Auch wenn dies aus Teilen der Politik oft sehr vereinfacht dargestellt wurde.

Im Vergleich zum Rekordjahr 2018 musste MAPAL mit einem Umsatzrückgang von rund 30% eine bittere Pille schlucken. Der Umsatz der MAPAL Gruppe sank 2020 auf 460 Millionen Euro. Im Rekordjahr 2018, gerade einmal zwei Jahre zuvor, erwirtschaftete MAPAL noch einen Umsatz von 640 Mio. Euro. Eine Entwicklung, die selbst für Branchenkenner oder Wirtschaftsanalysten nicht vorherzusehen war.

Über Jahre wurde es für das Unternehmen zur Gewohnheit oder zur Normalität, Menschen auszubilden, zu fördern und Fachleute einzustellen. Die neue und ungewohnte Situation zwang das Unternehmen erstmals Belegschaft abzubauen, was MAPAL entgegen ursprünglicher Meldungen, in einem deutlich geringeren Rahmen vollziehen musste. Allerdings musste die zur Gruppe gehörende Firma Laser Plus, mit dem Hinweis, dass diese nicht optimal in das Portfolio und die Kernkompetenz von MAPAL passte, komplett geschlossen werden.

Doch MAPAL wäre nicht MAPAL, wenn nicht sofort an allen Stellschrauben zur Verbesserung der Organisation und deren Prozesse gedreht werden würde. Die Organisation wurde neu geordnet, Kompetenzen neu verteilt und die Geschäftsleitung mit Siegfried Wendel (CSO) und Jacek Kuszynski (CTO) erweitert. Während mit Siegfried Wendel ein langjähriger Mitarbeiter und MAPAL-Insider berufen wurde, konnte mit Jacek Kuszynski eine externe Verstärkung verpflichtet werden.

Der Präsident der MAPAL-Gruppe Dr. Jochen Kress am Pressetag in Aalen.

Investition und Innovation

Ein weiterer Schritt, ist der Ausbau des internationalen Händlernetzes. Beispielsweise wurde In Italien, Portugal und Deutschland das Vertriebsnetz bereits ausgebaut. Außerdem wurde mit SP3 Diamond Technologies ein Spezialist für Diamantbeschichtungen in die MAPAL Gruppe integriert. Und in Indien entsteht derzeit eine neue Produktionsstätte.

Schon sehr früh hat MAPAL den Trend zur E-Mobilität erkannt und Lösungen für Antriebe und Batterietechnologien entwickelt. Brandneu stellte MAPAL eine Werkzeugentwicklung zur Herstellung von topfförmigen und sehr dünnwandigen Antriebsgehäusen vor. Die Herausforderung dabei ist die Innen- und Außenbearbeitung am stehenden Werkstück.

Die Kompetenz In der Titanzerspanung untermauert MAPAL mit neuen Produkten, die in den Branchen Aerospace, Automotiv und der Medizintechnik zum Einsatz kommen. Zudem wurde der Bereich Vollhartmetall neu ausgerichtet und auf neue Anforderungen angepasst.

Mit der neuen UNIQ-Serie hat MAPAL auch in der Spann- bzw. Hydrodehnspanntechnik eine Marke gesetzt. Die mit dem Design Award 2020 ausgezeichnete Serie bietet Lösungen für Reib und Bohranwendungen und für komplexe Fräsanwendungen. Ein interessanter Nebenaspekt ist dabei, dass die hochglänzende und glatte Oberfläche der UNIQ-Serie auch nach vielen Anwendungen wie z.B. in der Titanbearbeitung, keine Kratzer oder Beschädigungen aufweist.

Mit einem neuen und schwingungsgedämpften Fräsaufsteckdorn hat MAPAL sein Spanntechnik-Portfolio erweitert. Das in sich geschlossene System mit Innenkühlung reduziert Schwingungen und Geräuschentwicklungen und verbessert den Bearbeitungsprozess deutlich.

In der digitalen Welt ist MAPAL schon lange angekommen. Mit c-Com bietet Mapal eine Werkzeugmanagement Plattform an, die stetig ausgebaut wurde und bereits viele Anwender findet. Anhand verschiedener Fallbeispiele veranschaulichte das Unternehmen, dass mit c-Com bei den Kunden viel Verbesserungs- und Einsparungspotenzial offengelegt werden konnte.

NeoMill Fräswerkzeug von MAPAL

Neue Branchen im Blick   

Mit einem breiten Portfolio an Lösungen für den Werkzeug- und Formenbau haben die Aalener Werkzeug- und Spanntechnikspezialisten bereits ihr Angebot erweitert. Ein weiterer Ansatz des Unternehmens ist, seine Lösungen für den Bereich der Fluidtechnik auszuweiten. Hier sieht Dr. Jochen Kress einen Wachstumsmarkt mit viel Potenzial. Kommen Hydraulikanwendungen doch weltweit in vielen Anwendungen zum Einsatz. Ob Zylinder, Pumpen, Steuerblöcke oder Motoren. Die Fluidtechnik bietet ein breites Betätigungsfeld an, das MAPAL als Zukunftsmarkt und Chance erkannt hat.

Mit Zurückhaltung im Vorwärtsgang

MAPAL hat in Krisenzeiten reagiert und viele Weichen gestellt. Der Firmenchef Dr. Kress mach keinen Hehl daraus, dass die letzten drei Jahre Spuren hinterlassen haben und auch die nächsten drei Jahre „spannend“ werden und die Früchte der Arbeite erst in den nächsten Jahren geerntet werden. Im Geschäftsjahr 2021 erwartet das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von rund 15 Prozent. Die aktuelle Wiederbelebung in den Bereichen Automotive und Aerospace machen zudem Hoffnung auf weiteres Wachstum. Und Dr. Jochen Kress ist sich sicher „dass MAPAL viele Fähigkeiten hat, die unsere Kunden brauchen“.