Nockenwellen à la carte

CAT CAMS ist ein kleines Unternehmen – aber mit großem Namen, wenn es um die Entwicklung und Herstellung von speziellen Nockenwellen geht. Drei baugleiche Biglia B 1200 SmartTurn S Extended sorgen hierbei in der deutschen Niederlassung der Firma für scharfe Nockenwellen.

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Kopfbearbeitung einer Kurbelwelle: Passungen lassen sich auf der SmartTurn gleich aufs Endmaß bearbeiten. (Bildnachweis: teamtec)

Mit speziellen Nockenwellenentwicklungen holt CAT CAMS Höchstleistungen aus Verbrennungsmotoren. Eine Dienstleistung, die das belgisch-deutsche Unternehmen für private Straßenfahrzeuge ebenso anbietet, wie für Oldtimer und Rennwagen, die bei Rallys und Bergrennen um Punkte fahren. Firmengründer Ludovicus „Ludo“ Stessens erklärt: „Bei uns geht es nicht um große Serien, sondern eher um individuelle Entwicklungen, die wir in Losgrößen von bis zu 30 Stück fertigen.“

CAT CAMS ist ein Familienbetrieb, der im rheinland-pfälzischen Meuspath sieben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie 17 am Stammsitz in Wommelgem bei Antwerpen beschäftigt. Die Geschäftsleitung teilt sich Ludo Stessens mit Bruder Marc und Sohn Ken. Ihre jeweilige Erfahrung, ihr weitreichendes technisches Know-how, gepaart mit einer Leidenschaft für ihre Arbeit und den Automobilsport, macht CAT CAMS zu einem ganz besonderen Unternehmen.

Leidenschaft setzt Kräfte frei

Er wäre sehr gerne Berufsrennfahrer geworden, erzählt Ludo Stessens. Das sei aber leider aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen. Aber zumindest konnte er in Belgien Fahrzeugtechnik studieren, ein Praktikum bei einem Formel 1-Team absolvieren, in verschiedenen beruflichen Stationen einen tiefen Einblick in die Motorenentwicklung und Kontakte zu Spezialisten in aller Welt gewinnen.

„Autorennen sind nach wie vor eine Leidenschaft, die ich schon seit den 70er Jahren pflege“, verrät Ludo Stessens. „Ich habe in all den Jahren auf verschiedensten Fahrzeugen von Ford Escort, Opel, Toyota etc. unter anderem zahlreiche 24-Stunden-Rennen absolviert, auch am Nürburgring, der ja in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer deutschen Niederlassung liegt.“

Die Begeisterung für den Automobilsport teilt er mit seinem Sohn und seinem Bruder, die heute alle auf eigenen, selbst getunten Fahrzeugen Rennen bestreiten. „Es ist ein nicht zu unterschätzender Faktor in unserem Nockenwellengeschäft, dass wir auf der Strecke beweisen können, dass unser Tuning bestens funktioniert“, so Ludo Stessens.

Aber auch durch ihre Berufsausbildung bringen die Stessens wichtige Kompetenzen in die Firma ein. Marc ist ein studierter Elektrotechniker, der sich um viele Fertigungsbelange und den Maschineneinkauf kümmert. Bauingenieur Ken verzichtete nach ein paar Jahren Lehrtätigkeit auf eine vielversprechende Uni-Karriere und verwirklicht sich lieber im eigenen Familienbetrieb. Er ist laut Ludo und Marc Stessens ein begnadeter Entwickler, der sämtliche Berechnungen übernimmt und sogar eine eigene CAM-Software geschrieben hat.

Langjährige Erfahrung mit Nockenwellen und Motorsteuerung

Bevor Ludo Stessens 1987 das Unternehmen CAT CAMS in Belgien gründete, hatte er sich schon gemeinsam mit einem befreundeten Motorenfachmann selbstständig gemacht und als Subunternehmer Motoren für Piper Motorsport gebaut. 1983 investierten die beiden in eine eigene Nockenwellenschleifmaschine. Sie feierten damit auch geschäftliche Erfolge im Ersatzteilbereich, die sich dann unter dem Firmennamen CAT CAMS fortsetzen ließen.

Als in den 90er Jahren chinesische und türkische Nockenwellenhersteller auf den Markt drängten, verlegte sich CAT CAMS von der Ersatzteilfertigung ganz auf Nischenbereiche wie Sportnockenwellen und Oldtimer, für die sich durch Mundpropaganda und Internet immer mehr Kunden fanden. „Seit 20 Jahren ist unser Umsatz Jahr für Jahr um rund fünf Prozent gewachsen“, freut sich Ludo Stessens. „Zurzeit stellen wir jährlich etwa 10.000 Nockenwellen und andere Motorkomponenten her.“

Flexibilität, die kein anderer bieten kann

Da erfolgreiches Motortuning oft auch einen Umbau der Nockenfolger erfordert, entwickelt und baut CAT CAMS neben Nockenwellen auch eigene Schlepphebel, mit extra langer Kontaktphase und einer speziellen Beschichtung.

Ludo Stessens erklärt: „Bei uns bekommt jeder Kunde den Nockenwellenwinkel, den er sich wünscht. Die Geometrie ist optimal berechnet, so dass der Motor ruhig und gleichmäßig läuft.“ Dafür hat „Junior“ Ken Stessens eine eigene CAM-Software entwickelt, die es ihm gestattet, die besten Nockenprofile zu generieren. „Sie erlaubt uns eine Konstruktion ohne irgendwelche Einschränkungen, so dass wir es selbst in der Hand haben, den technologischen Vorsprung zu definieren“, sind sich die Stessens einig.

Expansion neben der Rennstrecke

Als in den 2000er Jahren die Produktionskapazitäten am Stammsitz in Wommelgem bei Antwerpen knapp wurden, erwarb CAT CAMS ein Gelände im Industriepark Meuspath, in nächster Nähe zum Nürburgring. „Wir waren damals alle zwei Wochen hier, um Rennen zu fahren. Da sind wir auf das Angebot gestoßen und haben zugegriffen“, schildert Ludo Stessens, der mittlerweile in der Gegend wohnt.

2014 wurde eine neue Halle errichtet und mit Maschinen zum Drehen und Fräsen ausgestattet. Marc Stessens, der für den Maschinenpark zuständig ist, erklärt: „Wir hatten uns entschlossen, die Vorbearbeitung der Nockenwellen nach Meuspath auszulagern. Daher brachten wir unsere Dreh- und Fräs-Maschinen von Belgien hierher und ergänzten den Maschinenpark zielgerichtet für die Komplettbearbeitung.“

Neue Halle – neues Dreh-/Fräszentrum

Die erste Neuinvestition für die Niederlassung in Meuspath war eine BIGLIA B 1200 SmartTurn S Extended, gekauft bei teamtec, dem exklusiven Vertriebs- und Servicepartner von BIGLIA in Deutschland. „Wir hatten in der Vergangenheit schon mehrfach Erfahrungen mit Drehen und Fräsen auf einer Maschine gesammelt“, berichtet Marc Stessens.

„Das Problem war meist ein zu kurzer Z-Weg, denn Pkw-Nockenwellen können bis zu 720 mm lang sein. Wenn wir auch den Kopf bearbeiten wollen, brauchen wir deutlich mehr als 1000 mm Platz. Notwendig ist auch eine leistungsstarke Frässpindel. Denn mit angetriebenen Werkzeugen erreichen wir bei den Nocken nicht das gewünschte Fräsergebnis.“

Dritter Knackpunkt: der Preis. Marc Stessens argumentiert: „Um konkurrenzfähig zu bleiben, achten wir sehr darauf, dass wir genau die Leistung einkaufen, die wir benötigen – zum günstigsten Preis.“ Er ergänzt, dass es für die Dreh-Fräs-Bearbeitung von Nockenwellen eigentlich überhaupt keine exakt passenden Maschinen gäbe. Denn um die langen, dünnen Teile zu drehen, müssten Spindel und Gegenspindel nicht besonders stark motorisiert sein.

Dafür seien ein Z-Weg von 1500 mm, eine synchronisierte Gegenspindel, eine leistungsstarke Frässpindel sowie eine verfahrbare Lünette unverzichtbar. „Die BIGLIA B 1200 SmartTurn S Extended erfüllt diese Wünsche und konnte uns auch mit ihrem Preis überzeugen. Da nehmen wir ausnahmsweise hin, dass die Drehspindeln etwas zu viel Power haben“, sagt Marc Stessens mit einem Augenzwinkern.

Zuverlässig und präzise

Die Fähigkeiten der BIGLIA SmartTurn überzeugten auch Gerhard Waldorf, der seit dem Start in Meuspath 2014 mit an Bord ist. Der gelernte Dreher hatte schon damals über 20 Jahre praktische Zerspanungserfahrung und fand sich daher mit dem neuen Dreh-Fräs-Zentrum schnell zurecht: „Die Maschine ist absolut zuverlässig und macht genau das, was sie soll. Ihre Stabilität und Präzision ist für unseren Bedarf bei Weitem ausreichend.“

Schließlich kommt es in Meuspath nicht auf µm an, weder beim Drehen noch beim Fräsen, denn die Nockenwellen werden anschließend geschliffen. Aber die SmartTurn mit ihrer Sauter-Frässpindel (20 kW, 110 Nm, 8.000 min-1 und HSK 63) beherrscht eine Präzision im Bereich weniger µm, wodurch die Vorbearbeitung bereits so genau sein kann, dass das Schleifen viel schneller geht oder in speziellen Bereichen ganz entfällt. „Passungen am Kopf zum Beispiel“, erwähnt Gerhard Waldorf. „Die bearbeite ich auf der SmartTurn gleich aufs Endmaß und spare unseren Belgiern die Schleifarbeit.“

Kein Wunder, dass sich CAT CAMS – bedingt durch die stetig wachsende Nachfrage – eine zweite und schließlich im Februar 2021 noch eine dritte, baugleiche SmartTurn in die Produktionshalle holte. Sehr zur Zufriedenheit des Produktionsfachmanns Gerhard Waldorf, der nicht nur von der Maschine an sich begeistert ist, sondern sich auch über den teamtec/Biglia-Service positiv äußert: „teamtec hat topp geschulte Mitarbeiter, mit deren Hilfe ich die meisten Probleme gleich am Telefon beheben kann. Dieser Service ist herausragend, da habe noch keinen besseren kennengelernt.“

 

Kontakt:

www.teamtec-gmbh.de