Präzise Stangenlader aus Italien

Die Maschinenbauer aus Italien können sich nach wie vor international behaupten. Auch in Deutschland. Wie erfolgreich man in der Bundesrepublik ist, zeigt u.a. das Unternehmen Top Automazioni.

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Bei den Rüstzeiten hat TOP klar die Nase vorne, denn bei den TOP-Ladern gibt es keine Wechselteile und keine Spindelreduzierungen in der Maschine.

Die Stangenlademagazine des Unternehmens Top Automazioni gelten als innovativ, effizient und flexibel einsetzbar. Petra Lang, Geschäftsführerin der Lang Werkzeuge und Maschinen spricht über Anforderungen des deutschen Marktes und die aktuelle Situation vor, während und nach der Corona-Krise.

Frau Lang, sie konzentrieren sich seit 35 Jahren auf den Handel mit Drehautomaten und deren Zubehör. 2008 haben sie die TOP AUTOMAZIONI Deutschland gegründet. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich hatte die TOP-Stangenlader erstmals im Jahre 2005 in Italien gesehen und mich haben sie sofort überzeugt. Deshalb habe ich den Vertrieb übernommen und das Feedback unserer Kunden und die Verkaufszahlen haben sich dann so positiv entwickelt, dass wir uns 2008 entschlossen haben, für die Marke TOP eine eigene Firma zu gründen.

Das stelle ich mir schwierig vor, denn speziell die Hersteller von Drehmaschinen argumentieren meist damit, dass Stangenlademagazine auf ihre Drehmaschinen abgestimmt sind?

Petra Lang: „Mittlerweile hat man aber auch in Deutschland erkannt, welche Präzisionsprodukte aus Italien kommen. Die Verbindung dieser Produkte mit unserer „schwäbischen Gründlichkeit“ ist eine fast unschlagbare Kombination. Ich habe gelernt, dass der Service am Kunden an erster Stelle stehen und vor Ort eine sichere Struktur vorhanden sein muss, bevor der Verkauf forciert wird.“

Das ist richtig, allerdings entscheidet der Kunde, welches Lademagazin zu seinem Produktportfolio passt. Um aber ihre Frage zu beantworten: Anfangs war die Zusammenarbeit mit den Maschinenherstellern noch „holprig“, denn wenn man Alternativen anbietet, muss man Lösungen mit Mehrwert aufzeigen. Mittlerweile sind unsere Kunden vom Funktionsprinzip unserer Lader aber so überzeugt, dass sie auch bei den Maschinenherstellern nach TOP-Ladern fragen. Unabhängig davon sind wir in der Lage, nahezu jedes Interface für unsere Kunden zu realisieren. Zwischenzeitlich hat sich so die Situation grundlegend geändert und wir arbeiten selbst mit den führenden Drehmaschinenherstellern sehr eng und gut zusammen.

Meist wird über kurze Rüstzeiten, schnelle Stangenwechsel und beste Oberflächenqualitäten gesprochen. Erfüllen diese Anforderungen nicht alle?

Jein, denn was Wechselzeiten und Oberflächenqualitäten angeht, mag das sein. Bei den Rüstzeiten hat TOP allerdings klar die Nase vorne, denn bei den TOP-Ladern gibt es keine Wechselteile und keine Spindelreduzierungen in der Maschine. Durch das patentierte TOP-Verstellsystem beträgt bei uns die komplette Umrüstzeit nur zwischen 60 und 120 Sekunden.

Top Automazioni ist in Deutschland relativ unbekannt. Können Sie uns kurz etwas zu Top Automazioni bzw. zur Fa. Lang sagen?

Das ist so, weil wir uns bislang nicht auf Werbung, sondern den Aufbau unserer Vertriebs- und Service-Organisation konzentriert haben. Bisher haben nahezu ausschließlich die Erfahrungen und Empfehlungen unserer Kunden dafür gesorgt, dass sich die TOP-Lader fast von alleine verkauft haben. Zur Firma Lang gibt es nicht viel zu sagen. Ich habe 1982 die Firma als „One-woman-operation“ gegründet und was sich seitdem daraus entwickelt hat, kann sich sehen lassen und spricht für sich.

Wie sieht es denn bei Ihnen mit Installation, Service, Ersatzteilen und Service-Hotline aus?

Mit einem sehr umfangreichen Ersatzteillager blieb man während der Corona-Krise lieferfähig. Um den Service noch zu verbessern, wird man demnächst auch eine separate Notfall-Hotline einrichten.

Wir haben ein sehr umfangreiches Ersatzteillager und waren deshalb auch während der Corona-Krise lieferfähig. Die Inbetriebnahme der Lader, die Schulung und der Service erfolgen ausschließlich durch unser Personal in Eigenregie. Unsere Mitarbeiter sprechen fast alle italienisch. Das erleichtert und beschleunigt die Abstimmung mit dem Herstellerwerk. Um unseren Service noch zu verbessern, werden wir demnächst auch eine separate Notfall-Hotline einrichten.

Top Automazioni ist ein italienisches Unternehmen. Sicher schlägt Ihnen da auch Skepsis entgegen, wenn es um ein italienisches Produkt geht. Wie argumentieren Sie da und was spricht speziell für Top Automazioni?

Die Skepsis ist heute überwunden. Ich hatte allerdings in meiner Anfangszeit damit zu kämpfen, als mir Kunden geraten haben, doch lieber Nudeln oder Mode aus Italien zu importieren. Zwischenzeitlich hat man aber auch in Deutschland erkannt, welche Präzisionsprodukte aus Italien kommen. Die Verbindung dieser Produkte mit unserer „schwäbischen Gründlichkeit“ ist eine fast unschlagbare Kombination. Aber vor allem spricht für TOP Automazioni… der TOP-Lader selbst!

Italien ist bekannt für guten Maschinenbau und Innovation. In diesem Zusammenhang habe ich gehört, dass Konzepte von Top Automazioni mittlerweile in Deutschland nachgebaut werden?

TOP AUTOMAZIONI verfügt nach wie vor über gültige Patente für die „wichtigen“ Funktionskomponenten. Diese sind nur sehr schwer zu umgehen.

Das stimmt, einige Marktbegleiter haben das bereits versucht. Aber TOP AUTOMAZIONI verfügt nach wie vor über gültige Patente für die „wichtigen“ Funktionskomponenten und diese sind nur sehr schwer zu umgehen. Ein Nachbau unserer Lader mit allen Alleinstellungsmerkmalen erscheint mir deshalb momentan sehr unwahrscheinlich.

Top Automazioni kommt als ursprüngliche Automatendreherei aus der Praxis und entwickelt bereits seit 1989 Stangenlader. Das Unternehmen wurde 2005 mit dem ersten Preis als „innovativste Firma Italiens“ ausgezeichnet. Warum ist das Unternehmen in Deutschland noch nicht so bekannt?

Weil wir, wie bereits erwähnt, für TOP in Deutschland noch so gut wie keine Werbung gemacht haben. Bei meinen bisherigen beruflichen Aktivitäten habe ich gelernt, dass der Service am Kunden an erster Stelle stehen und vor Ort eine sichere Struktur vorhanden sein muss, bevor der Verkauf forciert wird. Ansonsten kann das schnell zu Problemen führen. Es ist sehr mühsam, sich einen guten Ruf aufzubauen und sehr einfach, sich diesen wieder zu zerstören. Deshalb können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass sie von uns mit „deutscher Pünktlichkeit“ Informationen, Angeboten und Lieferungen bekommen.

Deutschland ist auf Präzision getrimmt. Können Sie da mithalten und gibt es einen USP bei den TOP Stangenladern?

Was die Präzision betrifft, kann ich Ihnen sagen, dass wir die italienische „Innovation“ durch unsere sprichwörtliche „schwäbische Gründlichkeit“ perfekt ergänzen. Und den USP gibt es absolut: Unser TOP-Verstellsystem!

Lassen Sie uns hier etwas ins Detail gehen. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es bekanntlich nicht. Wo also sehen Sie die Schwerpunkte der Stangenlader und wie flexibel ist man damit?

Kurze Rüstzeiten bedeuten eine höhere Produktivität. Unser Magazin amortisiert sich schneller als andere Fabrikate, da der Kunde bei jedem Wechsel des Stangendurchmessers gegenüber anderen Fabrikaten enorm Zeit einspart. Noch flexibler können Sie nicht produzieren! Und bei Sonderwünschen unserer Kunden sind wir flexibel genug, diese von TOP in Italien realisieren zu lassen. Um es kurz zu machen: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es sicher nicht – aber mit unseren Ladern sind wir nahe dran.

Eine provokante Frage: Stangenlademagazinen sind doch Standardartikel. Benötigt man hier eine intensive Beratung und inwieweit gehen Sie auf individuelle Anforderungen ein?

Der komplette Service für die Lader wird in Wimsheim in Eigenregie ausgeführt. Hier ist man völlig unabhängig vom Herstellerwerk, arbeitet autark und konnte auch während der Corona-Krise die Liefertermine einhalten.

Eine provokante Gegenfrage: auch ein Auto ist ein Standardartikel. Würden Sie da auf Beratung und die Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse und Wünsche verzichten wollen? Aber im Ernst, mit einem Lademagazin will man Geld verdienen. Deshalb verkaufen wir unseren Kunden zwar meist eines unserer bewährten Modelle, aber selten „von der Stange“. Wir berücksichtigen immer die individuellen Anforderungen des Kunden. Und sollten wir das einmal nicht können, dann raten wir dem Kunden, ein anderes Fabrikat zu kaufen, denn kein Kunde ist so schlecht für das Image, wie ein unzufriedener Kunde.

Sie werben ja auch z.B. mit dem Hochleistungslader FUSION mit kürzesten Rüstzeiten, einfacher Bedienung und hoher Laufruhe. Sind das nicht Argumente, die nahezu jeder Laderhersteller für sich in Anspruch nimmt?

Das mag sein, man muss es aber auch beweisen können. Wir haben mittlerweile über 1.000 Lader in Deutschland im Einsatz und bieten deshalb „skeptischen“ Interessenten in der Regel einen Referenzbesuch in der Nähe Ihrer Firma an. Kein Verkaufsargument überzeugt mehr, als ein zufriedener Anwender.

Stangenlademagazin werden mittlerweile neben den klassischen Drehmaschinen auch für Maschinen aus den Bereichen Laser oder Sägen angeboten. Ist Top Automazioni hier auch dabei?

Ja, und nicht nur hier. TOP Automazioni hat inzwischen auch Lader für Laser-Maschinen und Bearbeitungszentren im Produktportfolio. Das neueste „Mitglied“ der Produktpalette ist einen Teilespeicher, mit dem sich die „mannlosen Zeiten“ an verschiedensten Bearbeitungsmaschinen erheblich verlängern lassen.

Lassen Sie uns abschließend noch auf die aktuelle Situation in Italien eingehen. Das Land wurde extrem von der Corona-Krise getroffen. Welche Auswirkungen hat das auf die Liefertreue den Service etc.?

Der komplette Service für die Lader wird von uns in Eigenregie ausgeführt. Hier sind wir völlig unabhängig vom Herstellerwerk, arbeiten autark und konnten auch während der Corona-Krise unsere Liefertermine einhalten. Die Produktion in Rimini läuft mittlerweile wieder so gut wie normal. Unsere Kunden haben keine negativen Auswirkungen in dieser Hinsicht gespürt.

Kontakt:

www.topautomazioni.com