Deutsche Drehteile-Industrie mit Optimismus

Auf der Herbsttagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie am 9. Oktober 2026 in Würzburg berichteten Unternehmen von steigenden Auftragseingängen und einer besseren Auslastung.

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Die 145 Teilnehmer informierten sich über die konjunkturelle Entwicklung der Branche, regulatorische Herausforderungen und aktuelle Fachthemen. ©FMI

Die Branche blickt weiter vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate. Auf der Herbsttagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie am 9. Oktober 2026 in Würzburg berichteten Unternehmen von steigenden Auftragseingängen und einer besseren Auslastung. Die 145 Teilnehmer diskutierten aber auch, was einen nachhaltigen Aufschwung bremst: Überregulierung, unsichere Energiepreise und fehlende Fachkräfte.

Die Berichte aus den Mitgliedsunternehmen zeichneten ein differenziertes Bild: Während einige Betriebe weiterhin von schwacher Nachfrage berichten, meldeten andere volle Auftragsbücher und Wachstum. Wachstumsimpulse kommen unter anderem aus der Medizin- und Elektrotechnik sowie aus Anwendungen für Rechenzentren. Im Automobilgeschäft zeigt sich dagegen eine stagnierende bis rückläufige Entwicklung.

Die Branche ist vorsichtig optimistisch. Überregulierung, unsichere Energiepreisen und fehlende Fachkräfte sind aber weiter große Herausforderungen. ©FMI

Werner Liebmann, Geschäftsführer des Verbands, ordnete die Unternehmensberichte anhand der Branchenkennzahlen ein: Der Auftragseingang zeigt ein deutliches Plus, die Exporte entwickeln sich weiter positiv, und im zweiten Quartal sanken zudem die Materialkosten leicht. Das Geschäftsklima liegt seit März 2026 im grünen Bereich und weist weiterhin einen positiven Trend auf. „Insgesamt verdichten sich damit die Anzeichen einer Belebung, eine durchgängige Erholung in der Branche lässt sich daraus aber noch nicht ableiten“, sagt der Geschäftsführer.

„Engmaschige Regulierungsvorgaben verursachen weiterhin viel zu viel Aufwand. Dazu kommt mangelnde Planbarkeit, etwa in Bezug auf Energiekosten.“

Ein wiederkehrendes Thema war die Personalsituation. Mehrere Unternehmen berichteten, dass sie Zerspanungsmechaniker und andere Fachkräfte suchen. Bei einigen Mitgliedern behindert der Mangel an qualifiziertem Personal bereits das Wachstum.

Regulierung, Werkstoffe und Energieeffizienz im Fokus

Neben der wirtschaftlichen Situation wurden bei der Tagung auch wieder Fachthemen aus der Praxis erörtert. Viele konkrete Fragen aus dem Plenum begleiteten den Vortrag von Volker Bockskopf vom WSM-Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung zur EU-Verpackungsverordnung PPWR, die den Verpackungsmüll reduzieren soll. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Verantwortung Drehteilehersteller für die von ihnen eingesetzten Verpackungen tragen. Entscheidend sei, die eigene Rolle in der Lieferkette sauber zu bestimmen, statt vorschnell zusätzliche Pflichten zu übernehmen, wie Volker Bockskopf unterstrich. Sein Rat an die Unternehmen: kühlen Kopf bewahren und die Anforderungen anhand der konkreten Verpackungssituation genau prüfen.

Anschließend stellte Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des WSM, die Arbeit des Wirtschaftsverbands und seine Arbeit als Interessenvertreter des Drehteileverbands im Politikbetrieb in Berlin und Brüssel vor. Eine aktive politische Interessenvertretung sei notwendig, um die Perspektive der Zulieferindustrien der Stahl- und Metallverarbeitung in politische Entscheidungs- und Gesetzgebungsprozesse einzubringen.

Vorstand und Geschäftsführung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie (v.l.): Patrick Weber, Thomas Braun, Werner Liebmann, Julius Klinke, Kathrin Heinrichs, Stefan W. Schauerte und Tobias Dittmar. ©FMI

Dr. Heiko Haupt-Peter von Steeltec knüpfte an seinen Vortrag von 2024 an und gab ein Update zu den Entwicklungen rund um Blei in zerspanbaren Legierungen. Er stellte ermutigende Ergebnisse bei der Bearbeitung bor-haltiger Stahlvarianten vor. Der sichere Prozessbereich ließ sich durch höhere Schnittwerte vergrößern. Bei einer Variante zeigten die Werkzeuge sogar einen geringeren Verschleiß als beim bleihaltigen Werkstoff.

Eine flexible Automatisierungslösung hatte der Vortrag von Joachim Burkert von wbt-Automation zum Thema. Er stellte eine kompakte und mobile Roboter-Zelle (Cobot) vor. Das System kann Kleinteile entnehmen, überprüfen und ablegen – ohne Schnittstelle zur Werkzeugmaschine.

Amadea Hilleke und Thomas Kerner vom Reglas Ingenieurbüro zeigten bei ihrem Vortrag „Energiemanagement – Einsparpotenziale eines ganzheitlichen Energiekonzepts“ anhand konkreter Beispiele, wie Unternehmen mehr als 50 Prozent ihrer Energiekosten einsparen können. Grundlage ist eine detaillierte Analyse der Lastprofile und jährlichen Kosten einzelner Verbraucher. Entscheidend sei, alles als Gesamtsystem zu planen. Messkonzepte, Schnittstellen und Betriebszustände müssten früh berücksichtigt werden. Monitoring und intelligentes Energiemanagement sichern die Einsparungen langfristig und ermöglichen, weitere Potenziale im laufenden Betrieb zu erschließen.

Übergang in der Geschäftsführung

Auch die künftige Aufstellung des Verbands war Thema der Herbsttagung. Seit einigen Wochen führen Werner Liebmann und Tobias Dittmar die Geschäfte des Verbands gemeinsam. Werner Liebmann, der den Verband seit vielen Jahren als Geschäftsführer prägt, wird Mitte 2027 in den Ruhestand gehen.

Tobias Dittmar stellte sich den anwesenden Mitgliedern vor. Der Jurist bringt langjährige Erfahrung in der Führung von Industrieverbänden, der Gestaltung verbandlicher Netzwerke und der politischen Interessenvertretung mit. Seit langem beschäftigt ihn die Frage, was regulatorische und wirtschaftspolitische Entwicklungen konkret für mittelständische Industrieunternehmen bedeuten.

„Ich möchte auf der erfolgreichen Arbeit des Verbands aufbauen und ihn gemeinsam mit dem Vorstand und den Mitgliedsunternehmen weiterentwickeln“, sagte Dittmar. „Dabei sind mir eine verlässliche Zusammenarbeit sowie der direkte Austausch mit den Unternehmen wichtig. An ihren Anliegen und Herausforderungen soll sich die Verbandsarbeit auch künftig ausrichten.“

Die nächste Frühjahrstagung ist für 2027 in Darmstadt vorgesehen, die Herbsttagung in Essen. Im kommenden Jahr steht zudem der Internationale Drehteile-Kongress in Stratford upon Avon, UK, an.

Kontakt:

www.drehteileverband.de