Zwischen Problemen und Lösungen

Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie hat sich zur Frühjahrstagung in Hannover getroffen. Auf der Veranstaltung ging es um Themen wie Nachhaltigkeit, Großschadensereignisse sowie Cybersicherheit – Und um Lösungen für aktuelle Probleme.

3052
Über Nachhaltigkeit, Cybersicherheit, Personalmangel und Energiemärkte tauschten sich die Mitglieder des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie in Hannover aus. (Bildnachweis: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie)

Neue Herausforderungen in alten Mauern – fast 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich im Mai zur Tagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie im Pelikanviertel in Hannover. Wo früher Tinte, Füllfederhalter und – sehr zur Freude vieler Schüler – auch die beliebten Tintenkiller produziert wurden, diskutierten jetzt Drehteilehersteller, Maschinenbauer und Werkzeugspezialisten über ihre aktuellen Hausaufgaben. Auf dem Stundenplan stehen: nachhaltiger werden, vor Cyberangriffen schützen, Versicherungsschutz prüfen und Kosten für Material und Energie im Blick behalten.

Stabile Material- und hohe Energiepreise

Verbandsgeschäftsführer Werner Liebmann bleibt trotz aller Schwierigkeiten verhalten optimistisch und rechnet mit einer stabilen Situation im zweiten Halbjahr 2023. (Bildnachweis: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie)

Laut Umfrage ist die Stimmung unter den Mitgliedern durchwachsen: Die vergangenen Jahre seien nicht einfach gewesen, aber mit Zuversicht, Leidenschaft, guten Ideen und starken Partnern lassen sich die Probleme meistern. „Wir können das vergangene Jahr und das erste Quartal 2023 so zusammenfassen: Umsatz und Auftragseingang haben gepasst, zudem ist der Exportanteil sehr erfreulich. Aber die Themen Energie und Personal sind nach wie vor schwierig“, resümiert Werner Liebmann.

Sorgen bereiten dem Verbandsgeschäftsführer auch die weiterhin niedrige Investitionsquote und der hohe Krankenstand. Trotz allem geht er verhalten optimistisch – wie im Übrigen viele der befragten Unternehmen – von einer stabilen Situation für die kommenden Monate aus.

Für eine leichte Entspannung sorgt die Entwicklung bei den Materialpreisen. Das Niveau liegt zwar immer noch höher als 2019, aber es zeichnet sich für die nächsten Monate ein Trend nach unten ab. Sehr beunruhigt sind dagegen die Mitglieder des Drehteile-Verbands nach wie vor beim Thema Energie.

Auch hier ist klar: Die Preise für Strom und Erdgas sind zwar gefallen, werden aber das niedrige Niveau von früher nie mehr erreichen – die Lage bleibt schwierig. Da hilft nur: Rechtzeitig Strom und Erdgas beschaffen sowie Unabhängigkeit und Energieeffizienz steigern. Und vor allem sollten die Unternehmen prüfen, ob schon alle Möglichkeiten für Sondererstattungen und Beihilfen ausgeschöpft sind.

Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus

Niemand rechnet mit einem Großschadensereignis, trotzdem ist Vorarbeit für den Ernstfall wichtig. Hier kommt es darauf an, sich rechtlich ausreichend abzusichern und beispielsweise erfahrene Brandschutzbeauftragte an seiner Seite zu haben. Entscheidend ist, im Ernstfall angemessen und überlegt zu reagieren.

Cybersicherheit ist ebenfalls ein wunder Punkt in der Industrie, weil viele nicht ernsthaft daran glauben, Opfer eines Angriffs zu werden. Aber auch hier gilt es, wachsam zu sein, verlässliche Partner und einen Notfallplan in der Tasche zu haben.

Der aktuelle Vorstand des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie (v.l.): Thomas Braun, Werner Liebmann (Geschäftsführer), Kathrin Heinrichs, Thilo Karrenberg, Stefan W. Schauerte und Patrick Weber (Bildnachweis: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie)

Nachhaltiger zu werden, ist ein weiteres To-do auf der Liste der Verbandsmitglieder. Hier kommen besonders auf die metallverarbeitende Industrie als CO2-intensive Branche ganz neue Herausforderungen zu. Da ergibt es Sinn, gut vorbereitet zu sein und den Verwaltungsaufwand gering zu halten.

„Wir dürfen nachhaltiges Handeln nicht als lästige Pflicht, sondern als nutzbringende Optimierungsmaßnahme sehen“, ergänzt Vorstandsmitglied Thilo Karrenberg. Das kann den Unternehmen gelingen, indem sie Nachhaltigkeit im Gesamtprozess gemeinsam mit Lean und Green Management verankern.

Konstruktiver Austausch

Welchen Stellenwert der Verband für die Branche hat, beweisen die steigenden Mitgliederzahlen. Gleich drei neue Unternehmen sind in diesem Jahr bereits beigetreten. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagt Stefan W. Schauerte, der ebenfalls Mitglied im Vorstand ist. Abschließend betont er den hohen Stellenwert, den der konstruktive Austausch und die kollegiale Atmosphäre unter den Verbandsmitgliedern einnehmen.

Beispiel für die gelungene Verbandsarbeit ist die Beteiligung an zwei Projekten zu bleifreien Automatenstählen – hier läuft bereits ein Serienversuch zur Bearbeitung neuartiger Stähle. Aber auch die Energiethemen diskutieren die Mitglieder rege miteinander. Ebenfalls konstruktiv gehen die Verantwortlichen mit dem Fachkräfte- und Azubimangel um. Einzelne Unternehmen testen bereits Social-Media-Kanäle für die Personalsuche und der Verband bereitet derzeit Azubi-Videos vor, um Bewerber für Lehrstellen zu begeistern.

Kontakt:

www.drehteileverband.de