Die EMO 2019 war gut und die Späne fliegen weiterhin.

Entgegen vieler Störfaktoren im Vorfeld, war die EMO 2019 in Hannover mit 117.000 Besuchern gut besucht. Veranstalter und Aussteller äußerten sich weitgehend zufrieden mit der Messewoche.

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Ob die EMO in Hannover oder die AMB in Stuttgart, beide Messen gelten in jedem Herbst als Barometer für die konjunkturelle Entwicklung der Branche. Im Vorfeld der EMO 2019 war die Verunsicherung nicht nur spürbar, sondern wurde von vielen Unternehmen auch offen ausgesprochen.

Fach- und Sachverstand statt Populismus

Die vorherrschenden Themen sind vielfältig: Ob Abgasskandal, internationale politische Machtspiele oder wahlkampfgeprägte Forderungen wie z.B. ein Verbot der Verbrennungsmotoren bei gleichzeitiger Glorifizierung der E-Mobilität als einschneidende Umweltschutzmaßnahme. Selbst ein einzelner, wenn auch tragischer SUV-Unfall sorgt für politische Statements und Forderungen, die weder fundiert noch wirklich hilfreich sind. Auch Teile der Presselandschaft dürfen dabei nicht ausgenommen werden, da sie dies mit dramatischen Headlines unterstützen. In den vielen Diskussionen um Umweltschutz und den damit verbundenen Technologien wären mehr Fach- und Sachverstand statt Populismus wünschenswert.

In jedem Fall stellen diese und viele andere Faktoren für Unternehmen ein großes Fragezeichen bezüglich weiterer Investitionsentscheidungen dar, da nicht zu prognostizieren ist, wo die Reise hingeht.

Verunsicherung ja, Krise nein!

Um so mehr kann die EMO 2019 als erfolgreiche Branchenmesse bewertet werden. Internationale Aussteller und Besucher sorgten für ein reges Treiben auf dem Messegelände. Viele Aussteller bewiesen mit innovativen Zukunftslösungen, dass sie sich den neuen Herausforderungen stellen, gewappnet sind und schon früh mit der Entwicklung von neuen Technologien für neue Anwendungen begonnen haben. Maschinen, Werkzeuge oder Spanntechnik wurden mit vielen innovativen Produkten und Anwendungsbeispielen präsentiert. Die Aussteller haben es geschafft, die EMO in Hannover als Plattform zu nutzen und mit investitionsintensiven Messeauftritten zu zeigen, dass sie gerüstet sind.

Trend Automatisierung und Digitalisierung

Der Trend zur Automatisierung und Digitalisierung ist nicht neu. Doch Automatisierung ist teuer und benötigt Planungssicherheit durch bindende Kundenaufträge und Stückzahlen. Für kleine und mittlere Unternehmen ist die Automatisierungsfrage daher oft nicht einfach, da sich die Rentabilität der Investition meist nicht auftragsbezogen und kalkulierbar darstellt. Flexibel einsetzbare Systeme sind mehr denn je gefragt. Auf der EMO wurde deutlich, dass die Anbieter von Automationslösungen speziell für diese Aufgabenstellung viele kleine, pfiffige und flexible Lösungen zu bieten hatten.  Zum Beispiel kleine Automatisierungslösungen mit kurzen Umrüstzeiten, integrierten Messstationen mit direkter Korrektur für die mannlose Produktion waren auf der EMO zu sehen.

Bei der Digitalisierung im Zeitalter Industrie 4.0 gilt Ähnliches. Von der kompletten, vollvernetzten Lösung bis hin zur individuellen Lösung für Unternehmen mit kleinem Maschinen- und Anlagenpark, wurde ein breites Spektrum an Möglichkeiten dargestellt. Für die Anwender bleibt jedoch weiterhin die Frage: Was ist für mich sinnvoll, welche Daten brauche ich und wie gehe ich mit der Datenflut um?

Internationales Interesse und positive Ergebnisse

Die Hälfte der 117.000 Messebesucher kamen nach Angaben des Veranstalters aus dem Ausland. Ein Drittel davon aus asiatischen Ländern, mehrheitlich aus China, Japan, Taiwan und Indien. Internationale Besucher aus Italien, Polen, Schweden, Russland oder der Türkei waren ebenfalls zahlreich vertreten. Insgesamt waren Besucher aus 150 Ländern vor Ort.

Positiv ist die Angabe des EMO-Veranstalters VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) zu bewerten, dass die Hälfte der Messebesucher mit Investitionsabsichten nach Hannover anreisten. Auch wird bei den Herstellern nicht von einer bevorstehenden Krise, eher von veränderten Anforderungen gesprochen. Der Boom der letzten zehn Jahre scheint vorerst vorbei zu sein, doch die im Vorfeld der Messe prognostizierten Katastrophenszenarien sind noch nicht eingetroffen.

Umweltschutz wichtig. Volkswirtschaft auch

Die Welt will umweltfreundliche Mobilität. Neue, sinnvolle sowie umweltfreundliche Lösungen sind gefragt. Und an Innovationen dafür wurde und wird mit Nachdruck gearbeitet. Dies war auf einer guten EMO 2019 anhand vieler Bearbeitungsbeispiele nationaler und internationaler Aussteller deutlich zu sehen.  Die Späne werden auch weiterhin fliegen.

FDZT