Das Branchen-Event der Turbinenproduktion

Die „Turbine Technology Days“ wurde dieses Jahr gemeinsam von Starrag und HAIMER veranstaltet. 160 Teilnehmer aus 16 Ländern kamen zum Starrag-Stammsitz an den Bodensee, um sich Impulse für eine produktivere und zuverlässigere Turbinenproduktion zu holen.

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Beispiel für Prozessverbesserung: Mit Starrag-Know-how ist es gelungen, solche Statorsegmente anstatt in vier Aufspannungen in einer einzigen zu bearbeiten.

Bei Flugzeugturbinen sind OEMs und Zulieferunternehmen permanent wachsenden Anforderungen hinsichtlich zu produzierender Stückzahlen und Qualität ausgesetzt. Um diese zu bewältigen, sind langfristige Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten ein probates Mittel, wie auf den „Turbine Technology Days“ 2018 mehrfach zu erfahren war. Aber auch die Prozesskette bietet noch großes Potenzial für Produktivitätssteigerungen, wie an diversen anwendungsbezogenen Beispielen zu erkennen war.

Keynote-Speaker Mauro Fioretti

Als Keynote-Speaker war Mauro Fioretti, President und CEO der italienischen Pietro Rosa TBM (Turbine Blade Manufacturing) Group geladen. Das 350 Mitarbeiter starke Familienunternehmen besteht seit 130 Jahren und ist auf die Entwicklung und Herstellung von Turbinenschaufeln spezialisiert. Fiorettis Überzeugung: „Den Anforderungen der Flugzeugindustrie können kleine und mittelständische Unternehmen nur mit strategischen Partnerschaften begegnen.“

Solche langfristig angelegten Partnerschaften verbinden Pietro Rosa TBM sowohl mit Kunden wie den OEMs der Luftfahrtbranche, aber auch mit ausgewählten Technologiepartnern. Zu diesen zählt die Starrag, deren Maschinen, Komponenten und technologisches Know-how bereits seit den 1980er Jahren bei Pietro Rosa in Maniago, nördlich von Venedig, genutzt werden – in voller Breite: Der Turbinenschaufelhersteller setzt nicht nur verschiedene Starrag 5-Achs-Bearbeitungszentren ein, sondern auch individuell entwickelte Hartmetallfräser und Vorrichtungen sowie das Starrag CAM-System RCS. Zudem baut Pietro Rosa auf die Unterstützung hinsichtlich Prozessgestaltung und Simulation, In-Prozess-Messeinrichtungen, Prozessautomation und -monitoring.

Dr. Christian Walti, CEO der Starrag Group: „Die Veranstaltung ist ein „Come together“ der gesamten Turbinenbranche.

Derart enge partnerschaftliche Beziehungen zu Kunden und anderen Ausrüstern innerhalb der Prozesskette befürwortet auch Dr. Christian Walti, seit Anfang Juni CEO der Starrag Group. Den Turbine Technology Days spricht er eine dementsprechend große Bedeutung zu: „Die Veranstaltung ist ein „Come together“ der gesamten Turbinenbranche. Ein Konzept, das weltweit Anerkennung findet, so dass wichtige Entscheider selbst die weite Anreise aus asiatischen und amerikanischen Ländern in Kauf nehmen, um sich hier über neueste Entwicklungen zu informieren. Ich bin mir sicher, dass jeder Teilnehmer zumindest eine Idee mit nach Hause nimmt, wie er seine Effizienz weiter steigern kann.“

Dr. Bernhard Bringmann

Davon ist auch Gastgeber Dr. Bernhard Bringmann, Managing Director am Starrag-Standort Rorschacherberg, überzeugt. Er betont: „Wir sind nicht nur Maschinenhersteller. In erster Linie entwickeln wir Prozesse, zu denen unsere High-End-Werkzeugmaschinen ebenso gehören wie zahlreiche andere Komponenten. Daher sind auch die bei uns stattfindenden Turbine Technology Days keine Verkaufsveranstaltung, sondern eine Ideensammlung für Prozessverbesserungen.“

Veranstaltungspartner spielen Doppelpass

Andreas Haimer: „Für Produktivitätsverbesserungen muss die gesamte Prozesskette betrachtet werden. Denn das schwächste Glied setzt den Maßstab.“

Konsequenter Weise sind an der Veranstaltung auch Partnerunternehmen beteiligt. 2018 ist es – zum wiederholten Mal – die HAIMER-Gruppe, die als Co-Ausrichter auftritt. „Mit Haimer arbeiten wir seit über zehn Jahren in der Prozessentwicklung eng zusammen“, erklärt Bernhard Bringmann. „Das ganze Produktspektrum von Werkzeugaufnahmen, Schrumpf- und Wuchttechnik bis hin zur Werkzeugvoreinstellung ist absolut qualitätsorientiert. Da wissen wir, dass es funktioniert, was für unsere Kunden in der Flugzeugbranche von größter Bedeutung ist.“

Auch für HAIMER gehört die Energie- und Luftfahrtbranche zu den wichtigen Märkten, die das Unternehmen weltweit bedient. Andreas Haimer, Geschäftsführer des Familienunternehmens, betont: „Wir freuen uns, hier erneut als Veranstaltungspartner agieren zu dürfen, um den gemeinsamen Kunden den Mehrwert durch Lösungen aus dem Hause HAIMER aufzuzeigen. Mit unseren ganzheitlichen Produktlösungen rund um die Werkzeugmaschine ermöglichen wir signifikante Produktivitätssteigerungen bei absoluter Prozesssicherheit.“

Smartes Tool Management wurde von HAIMER als ganzheitlicher Lösungsansatz aus einer Hand vorgestellt.

HAIMER präsentiert sich bei den Turbine Technology Days als Systemlieferant rund um die Werkzeugmaschine mit verschiedensten Werkzeugaufnahmen, Hartmetallwerkzeugen, Schrumpf- und Auswuchttechnik sowie Werkzeugvoreinstellgeräten. Andreas Haimer weist darauf hin, dass „alle Produkte konstruktiv perfekt aufeinander abgestimmt sind und auch die Voraussetzung für Netzwerkintegration sowie durchgängigen Datenfluss bieten.“

Werkstückspezifische Hartmetallwerkzeuge von Starrag: Zur Vollhartmetall-Ausführung dieser Fräser (links) gibt es eine modulare Alternative mit der von HAIMER entwickelten, extrem steifen Duo-Lock-Schnittstelle.

Wie eng die Partnerschaft zwischen den beiden Veranstaltern ist, wird an mehreren Stationen deutlich, zum Beispiel bei den Starrag eigenen Fräswerkzeugen, die durch ihr werkstückspezifisches Design dem Kunden Prozessvorteile verschaffen. Zur Vollhartmetall-Ausführung dieser Fräser gibt es seit kurzem eine Alternative.

Bernhard Bringmann erklärt: „Durch die von Haimer entwickelte, extrem steife Duo-Lock-Schnittstelle können wir auch Hartmetall-Wechselkopffräser anbieten, die vergleichbare Eigenschaften aufweisen, dem Anwender aber ein vereinfachtes Handling eröffnen. Das heißt, wir beziehen von Haimer Schäfte und HM-Rohlinge mit dieser Schnittstelle, in die wir dann unsere speziellen Werkzeuggeometrien schleifen.“

Impulse für eine effiziente Turbinenproduktion

Eine andere Station widmete sich der effizienten Zerspanung von Statorsegmenten (im Beispiel: 300 mm Länge, 16 Schaufeln). Kernelement der vorgestellten Lösung ist das Starrag Bearbeitungszentrum LX 051, das speziell für die hochgenaue, simultane 5-Achs-Bearbeitung von Turbinenschaufeln entwickelt wurde. Die Maschinenkinematik, angepasste Werkzeuge und das technologische Know-how ermöglichen es, die bisherige Bearbeitung in vier Aufspannungen auf eine einzige Spannung zu reduzieren. Der Anwender spart Zeit und profitiert von einer erhöhten Genauigkeit, insbesondere bei Features, die exakt zur Basis des Bauteils passen müssen.

Ein wichtiges Detail: Die Zugänglichkeit zum Bauteil wird durch einen speziellen Lollipop-Fräser erreicht, der in einem vibrationsdämpfenden HAIMER-Schrumpffutter Power Shrink Chuck mit zielgenauer Werkzeugkühlung durch das Cool-Flash-System gespannt ist. Auch bei den hohen Drehzahlen von 18.000 min-1 erreicht der Kühlschmierstoff zuverlässig die Werkzeugschneide und sorgt für Späneabfuhr, bessere Oberflächen und um bis zu 30 Prozent höhere Werkzeugstandzeiten.

Selbst die weite Anreise aus asiatischen und amerikanischen Ländern nahmen die Teilnehmer in Kauf, um sich auf den Turbine Technology Days über neueste Entwicklungen zu informieren.

Wie die Starrag ihren Claim „Engineering precisely what you value“ umsetzt, konnten die Besucher am 5-Achs-BAZ STC 800 MT, das Dreh- und Fräsbearbeitungen gleichermaßen beherrscht, beispielhaft erfahren. Bei der Bearbeitung eines zweistufigen Blisks spielt es seine Stärken aus und erzielt hohe Oberflächengüten und Profiltoleranzen. Mitverantwortlich für diese Ergebnisse ist die von Starrag speziell für dieses Bauteil entwickelte Vorrichtung. Mit integrierten Dämpferelementen verhindert sie, dass sich die Scheiben aufschwingen und den Prozess behindern.

Dass Starrag in der Turbinenfertigung nicht nur auf die Schaufelbearbeitung spezialisiert ist, demonstrierte ein vertikales 5-Achs-BAZ Bumotec s191 linear vom Starrag Produktbereich Bumotec aus dem Schweizer Kanton Fribourg. Am Beispiel eines Einspritzelements für Flugzeugturbinen zeigte die Hochpräzisionsmaschine ihre Stärken: Nach Fräs-, Dreh- und Schleifoperationen und abschließendem Entgraten kann das Bauteil komplett bearbeitet entnommen werden.

In Kleingruppen erhielten die Veranstaltungsteilnehmer detaillierte Informationen zum Prozess und dem jeweiligen Benefit – der Internationalität der Teilnehmer entsprechend in verschiedenen Sprachen.

Auch Bumotec pflegt seit Jahren eine erfolgreiche Partnerschaft mit HAIMER. So ist die auf den TechDays präsentierte Maschine mit den High Precision Collet Chucks ausgestattet. Diese in den Größen ER 16, 25, 32 erhältlichen Spannzangenfutter bieten sich für hohe Zerspanleistung bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung an. Das optimierte Design verbindet hohe Steifigkeit mit Schwingungsdämpfung und Geräuschreduzierung. Die Rundlaufgenauigkeit ist kleiner 0,003 mm bei 3 x D, was beste Laufruhe bei hohen Drehzahlen gewährleistet.

Alle Elemente der Prozesskette betrachten

Doch nicht nur Maschinen und Werkzeuge tragen zu Prozessverbesserungen bei. Eine wesentliche Rolle spielt auch das CAM-System. Mit RCS (Rigid CAM Software) bietet Starrag eine eigene CAM-Software an, die auf Turbinenschaufelbearbeitung spezialisiert ist und viele vorteilhafte Module enthält – zum Beispiel eine „Adaptive Schruppstrategie“. Hierbei wird der Schmiederohling vor der Bearbeitung auf der Maschine mittels Messtaster an diversen Stellen gemessen, um die jeweilige Materialzugabe zu ermitteln. Anhand der Ergebnisse passt das CAM-System das NC-Programm an und vermeidet dadurch Luftschnitte beim Schruppen. Der Anwender profitiert von kürzeren Bearbeitungszeiten, geringeren Werkzeugkosten und hoher Kollisionssicherheit.

Für ein rundes Präsentationsprogramm sorgten zudem zwei Marktplätze mit Kompetenzpartnern, deren Produkte – von Kühlschmierstoffen (Blaser) über Werkzeugsysteme (Benz; Heule) bis zu Softwarelösungen (CGTech Vericut; tdmsystems) – in der Prozesskette eine wesentliche Rolle spielen.

Kontakt:

www.starrag.com

www.haimer.de