Präzisionswerkzeuge: 7 statt 3 gewinnt

Die deutsche Präzisionswerkzeuge-Industrie erwirtschaftete 2017, entgegen der ursprünglichen Prognose von 3 Prozent, ein Plus von 7 Prozent.

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v.l.: Markus Heseding, Geschäftsführer des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA, Lothar Horn, Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, Hans-Joachim Molka (Bereich Spannzeuge) und Marco Schülken (Bereich Werkzeugbau)

Die deutschen Hersteller von Präzisionswerkzeugen haben 2017 einen guten Job gemacht und die eigenen Erwartungen deutlich überschritten. Das Umsatzvolumen der Präzisionswerkzeuge hat im vergangenen Jahr die 10 Milliarden-Euro-Marke signifikant überschritten.

Präzisionswerkzeuge Produktion in Deutschland

Alle wichtigen Kennzahlen der Präzisionswerkzeuge, von Auftragseingang über die Produktion bis zum Export, liegen für den bisher erfassten Zeitraum des Jahres 2017 deutlich über den entsprechenden Vergleichswerten des Vorjahres.

Ausland top – Deutschland legt zu

Treiber des Auftragswachstums war wie in den vergangenen Jahren das Ausland. Aber auch das Inland legte – nach einer langjährigen Phase der Stagnation bei den Zerspanwerkzeugen und Spannzeugen – zumindest moderat zu.

Produktionswert Präzisionswerkzeuge

In den ersten drei Quartalen konnte die Werkzeugbranche ihre Lieferungen in das Ausland um 13 Prozent steigern. Hierbei waren die Hauptmärkte USA und China die treibenden Kräfte. Auch die europäischen Nachbarländer und eine Reihe weiterer Auslandsmärkte zeigten sich in der deutlichen Mehrzahl nachfragefreudig.

Spanntechnik vor Zerspanwerkzeugen und Werkzeugbau

Präzisionswerkzeuge insgesamt – Die wichtigsten Exportmärkte Januar – September 2017

Der Bereich Präzisionswerkzeuge im VDMA-Fachverband ist in die drei Sparten Zerspanwerkzeuge, Spanntechnik und Werkzeugbau untergliedert.

In 2017 erreichten die Spannzeugehersteller ein Plus von 9 Prozent und somit ein deutlich stärkeres Umsatzwachstum als erwartet.

Der Auftragseingang bei den Zerspanwerkzeugen konnte die Ende 2016 begonnene Aufwärtsbewegung auch 2017 nahtlos fortsetzen und erreichte ein unerwartet starkes Umsatzwachstum von 7 Prozent.

Spannzeuge – Die wichtigsten Exportmärkte Januar – September 2017

Der Werkzeugbau, zu dem neben der Umformtechnik auch der Formenbau, die Vorrichtungen und Werkzeugbaunormalien im VDMA gehören, ist eine kleinteilige Branche. Wie schon im Vorjahr konnte der Werkzeugbau 2017 ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent verbuchen.

Wachstum braucht Fachkräfte

Der Wachstumsschub sorgt für zusätzlichen Bedarf an Fachkräften. So hat sich der Personalbestand seit Ende 2016 erhöht, aber auch der Fachkräftemangel weiter verschärft.

Zerspanwerkzeuge – Die wichtigsten Exportmärkte Januar – September 2017

Nach wie vor ist die Gewinnung von Nachwuchskräften ein zentrales Thema für die Präzisionswerkzeuge-Industrie. Die meisten Unternehmen engagieren sich für die Ausbildung, einige auch bereits im Rahmen der Nachwuchsstiftung Maschinenbau. In den nächsten Monaten wird ein neuer Standort der Stiftung bei einem Präzisionswerkzeug-Unternehmen den Betrieb aufnehmen.

Prognose 2018

Werkzeugbau – Die wichtigsten Exportmärkte Januar – September 2017

Die gesamte Präzisionswerkzeug-Industrie prognostiziert im Durchschnitt der Teilbereiche, Zerspanwerkzeuge, Spannzeuge und Werkzeugbau ein Wachstum von 5 Prozent.

Die Hersteller von Zerspanwerkzeugen gehen im Heimatmarkt und den wichtigsten Auslandsmärkten (USA, China) von einer weiteren Auftragssteigerung um 7 Prozent aus.

Auch die Spannzeug-Industrie erwartet für das Inland und den europäischen Markt 2018 ein leichtes, für die beiden größten Einzelmärkte USA und China sogar ein kräftiges Wachstum. Insgesamt wird ein Wachstum von 8 Prozent erwartet.

Der Bereich Werkzeugbau sieht für das Jahr 2018 eine überwiegend stabile Auftragsentwicklung auf dem Niveau von 2017 und sieht ein Umsatzwachstum von 3 Prozent im Bereich des Möglichen.

Unsicherheitsfaktor E-Mobilität

Rein batterieelektrische Fahrzeuge benötigen weniger Werkzeuge in der Fertigung. Die VDMA Studie „Antrieb im Wandel“, die in Kürze die ersten Ergebnisse vorstellen wird, soll hier für Klarheit sorgen.

Schwerpunkt der Studie, die von der FEV Consulting GmbH durchgeführt wird, ist die Entwicklung von Marktszenarien für zukünftige Antriebskonzepte im Bereich Pkw, Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen in den Märkten Nordamerika, Europa und Asien bis 2030.

Aus diesen Szenarien können Schlussfolgerungen für die im Antriebsstrang verwendeten Komponenten und Anforderungen an die Fertigungsprozesse abgeleitet werden. Darüber hinaus ist der Aufbau eines Monitoring-Systems in Planung, das für eine kontinuierliche Aktualisierung der Studie sorgt.