Wenn’s ein bisschen anspruchsvoller sein darf…

Lohnfertiger ist mit automatisierter Bearbeitung komplexer Bauteile erfolgreich

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Automatisierung auch bei Losgröße 1: Das lineare Palettensystem Indumatik Light 150 macht’s möglich.

Wer als Zerspanungsdienstleister gute Geschäfte machen will, braucht gute Mitarbeiter. Um deren Know-how möglichst effektiv zu nutzen, setzt Maschinenbau Schwaben (MBS) auf leistungsfähige und vor allem automatisierte Maschinen. Erst kürzlich ergänzte das Unternehmen seine Fertigung um ein 5-Achs-BAZ mit dem Palettensystem Indumatik Light 150, wodurch ein einziger Mitarbeiter Einzelteile und Kleinserien im Drei-Schicht-Betrieb produzieren kann.

Maschinenbau Schwaben ließ von Indunorm sein neues 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit dem flexiblen Palettensystem Indumatik Light 150 automatisieren

MBS ist ein bemerkenswertes Unternehmen. Der 2013 gegründete Zerspanungsdienstleister ist in drei Jahren von fünf auf elf Mitarbeiter angewachsen. „Außerdem ist es uns gelungen, bisher jedes Jahr unseren Umsatz zu verdoppeln“, erklärt Geschäftsführer Oliver Schmid. „Besonders erfreulich ist, dass viele Aufträge durchaus langfristig angelegt sind. So dürfen wir mit weiterem Wachstum rechnen.“

Um dafür ausreichend Platz zu haben, zog MBS Anfang 2017 ins noch junge Industriegebiet nach Ellwangen (östliches Baden-Württemberg). Das dort neugebaute Domizil umfasst eine etwa 32 auf 44 Meter große Halle sowie einen zweigeschossigen Bürotrakt. Sollten sich die Geschäfte so positiv wie erwartet weiterentwickeln, „können wir gegen Ende des Jahres mit der Planung einer zweiten Produktionshalle beginnen“, verrät der Geschäftsführer seine zuversichtlichen Perspektiven.

Bemerkenswert ist auch die Einstellung, mit der MBS als Zerspanungsdienstleister zur Sache geht. „Am liebsten sind uns so anspruchsvolle Bauteile, dass andere Anbieter mit deren Fräsbearbeitung überfordert sind“, gibt Schmid die Richtung vor. Das gilt für komplizierte Konturen ebenso, wie für Präzision und Oberflächengüten. „Wir erreichen beim Fräsen mittlere Rauheiten Ra von 0,15 bis 0,2 µm. Was die Genauigkeiten der von uns zerspanten Bauteile anbelangt, halten wir im Standard Toleranzen zwischen 1/100 bis 2/100 mm ein. Wenn wir damit einmal unsere Kunden überzeugen konnten, kommen sie immer wieder.“

Die aktuellen Aufträge stammen vor allem aus dem Sondermaschinenbau – in Stückzahl 1 bis 700.000. Auch die Pharma- und Verpackungsindustrie hat bereits das Potential erkannt, das im noch jungen Anbieter MBS steckt, und ordert zunehmend Teile aus Edelstahl, die schon materialseitig den von MBS gewünschten hohen Anspruch mitbringen.

Klasse statt Masse – bei Mitarbeitern und Maschinen

Um auch für zukünftige Anforderungen gerüstet zu sein, strebt MBS nach hoher Flexibilität. Schließlich kann der Dienstleister weder die Bauteilgrößen, noch die Werkstoffe oder die Stückzahlen langfristig vorhersagen – eine Herausforderung für Mitarbeiter und Equipment. „Besonders wichtig ist unsere Belegschaft“, betont Geschäftsführer Schmid. „Hier gilt bei uns: Klasse statt Masse.“ Schließlich erwartet den Facharbeiter bei MBS ein Arbeitsplatz auf aktuellstem technischem Niveau. Dazu gehört eine moderne Programmierumgebung ebenso wie Fertigungsanlagen mit High-end-Steuerungen, die von der Verschleiß- und Bruchkontrolle bis hin zur Simulation umfangreiche Unterstützung bieten.

Das Regal bietet 32 Palettenplätze.

Bevorzugte Maschinengattung sind 5-Achs-Fräsmaschinen, die sich in Automatisierungssysteme einbinden lassen. Auf letzteres legt Oliver Schmid besonderen Wert: „Die leistungsfähige Maschine ist wichtig. Jedoch haben eine passende, stabile Aufspannung und die richtige Automatisierung an Stellenwert gewonnen. Denn damit können wir dem bestehenden Facharbeitermangel entgegenwirken.“

Die Palette wird von einem dreiachsigen Linearsystem aus dem Regal entnommen und in den Bearbeitungsraum gebracht.

Ideale Voraussetzungen für anspruchsvolle Zerspanung und die Automatisierung bietet das fünfachsige Bearbeitungszentrum DMU 60 eVo linear von DMG MORI. Dessen besonderes Merkmal ist die Anordnung der X- und Y-Achse als optimierter Gantry. Er bietet im Vergleich zum klassischen Gantry eine bessere Zugänglichkeit auch von der Seite, was bei Anbindung einer Automatisierungslösung die Zugänglichkeit zum Arbeitsraum weiterhin gewährleistet.

Um die DMU 60 eVo linear für die automatisierte Einzelteil- und Kleinserienfertigung zu automatisieren, entschieden sich die Verantwortlichen um Oliver Schmid für ein Palettensystem mit Lineareinheit, da dieses eine enorme Flexibilität mit sich bringt. Dass die Wahl auf das System Indumatik 150 fiel, hat mehrere Gründe, wie der Geschäftsführer darstellt: „Der Hersteller Indunorm Bewegungstechnik GmbH ist uns seit vielen Jahren bekannt und seine Systeme genießen einen sehr guten Ruf. Dies bestätigte sich bei einem Kunden, der uns einlud, die bei ihm installierte vergleichbare Lösung anzusehen. Die Indumatik 150 läuft dort schon seit Jahren 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Von der Maschinenanbindung bis zum Jobmanagement funktioniert dort alles hervorragend.“

MBS-Geschäftsführer Oliver Schmid (links) freut sich über die Unterstützung von IVO-Vertriebsleiter Jochen Krupp: „Wir wurden vollumfänglich und kompetent beraten.“

Automatisierte Kleinserien- und Einzelteilfertigung

Erstberatung und Konfigurationsunterstützung erhielt MBS von der IVO Oesterle NC-CNC Technik, dem exklusiven Indunorm-Vertriebspartner für Baden-Württemberg und Bayern. Gemeinsam erarbeiteten sie die passende Lösung: eine Indumatik 150.Dieses Regalsystem verfügt über 32 Paletten in Größe 400 x 400 mm, die bis zu 150 kg schwer beladen werden dürfen.

Die Ein- und Auslagerung der Werkstücke findet über eine Be- und Entladestation mit integrierter Lichtschranke statt, die die aufgespannten Werkstücke in zwei Höhen klassifiziert, um die optimale Platzverteilung im Lager zu gewährleisten. Über ein Nullpunktspannsystem werden die Paletten auf dem Maschinentisch fixiert. Ein Leitrechner übernimmt die zentrale Job-Verwaltung, die für die Fertigung von Kleinserien und Einzelteilen konzipiert ist, und ein integriertes Toolmanagement prüft beim Programmaufruf, ob alle erforderlichen Werkzeuge in der Maschine vorhanden sind.

Da die automatische Beladung über die rechte Maschinenseite stattfindet, bleibt der Bearbeitungsraum des DMG Mori 5-Achs-Zentrums DMU60 eVo linear frei zugänglich.

Im Gegensatz zu einfacheren Standard-Schranksystemen ist die Indumatik 150 modular ausbau- und erweiterbar – für Oliver Schmid und die MBS-Wachstumspläne eine wichtige Voraussetzung. Denn schon heute spielen die erfolgreichen Zerspaner mit dem Gedanken, weitere Maschinen in den Automationsverbund anzubinden. Jochen Krupp, Vertriebsleiter und stellvertretender Geschäftsführer bei IVO Oesterle, erklärt die Möglichkeiten: „Die Indumatik 150 lässt sich vielseitig ergänzen.

Man kann nicht nur mehrere Werkzeugmaschinen einer Technologie miteinander verbinden, sondern auch verschiedene Prozesse. Bei anderen Kunden haben wir schon Lösungen realisiert, die neben Drahterodiermaschinen auch noch eine Trocknungs- und Messstation enthielten. Das System lässt sich außerdem nicht nur für Werkstückpaletten nutzen. Indunorm hat eine Möglichkeit entwickelt, es auch als Werkzeugspeicher nutzen zu können, falls der Kunde das wünscht.“

Über vier pneumatische Hirschmann Integralspanner…..

Die individuellen Anpassarbeiten der Indumatik 150 an die DMU 60 eVo und die Bedürfnisse von MBS übernahmen schließlich Mitarbeiter der Indunorm Bewegungstechnik GmbH. Oliver Schmid lobt die unkomplizierte Zusammenarbeit und die Kompetenz der Automatisierungsspezialisten: „Die erfahrenen Leute sorgten für einen zügigen Ablauf – und sie waren ausgesprochen sympathisch, was für mich ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.“

Ein Mitarbeiter übernimmt drei Schichten

… wird die Palette auf dem Maschinentisch fixiert.

Inzwischen läuft die DMU60 mit Indumatik-Automatisierung weitgehend im Drei-Schichtbetrieb. In der Regel wird sie von einem einzigen Mitarbeiter betreut, der in der Frühschicht die Teile umspannt und ins System ein- bzw. ausschleust. Darüber hinaus schreibt er die Programme, führt sie ins Job-Management über und sorgt dafür, dass die Maschine in den Folgeschichten mannlos läuft. Unterstützung bekommt der Mitarbeiter übers Internet. Via PC, Tablet oder Smartphone kann er den aktuellen Maschinenzustand abrufen. Treten Fehler auf oder steht die Anlage, sendet ein integriertes GSM-Modul Notfallmeldungen auf sein Handy, so dass er bei Bedarf schnell reagieren kann.

Das Team um Oliver Schmid hat in den letzten Jahren schon einige Erfahrung mit automatisierten Werkzeugmaschinen gesammelt. An einem Bearbeitungszentrum werden Maschinenpaletten mit stabilen Vorrichtungen eingewechselt, um High Performance Cutting betreiben zu können, an einem anderen übernimmt ein Gelenkarm-Roboter die Bestückung. Seinem neuen Indumatik-System attestieren die Zerspanungsfachleute höchste Flexibilität: „Je nach Produktionsanforderung benötigen wir unterschiedliche Automatisierungslösungen. Für Einzelteile und kleine Serien haben wir mit dem Indumatik-System definitiv die richtige Entscheidung getroffen.“

Für die Beratung durch den Indunorm-Vertriebspartner IVO Oesterle sind Oliver Schmid und seine Kollegen dankbar: „Jochen Krupp und seine Mitarbeiter haben bei der Systemkonfiguration an alles gedacht. Sie haben uns wirklich vollumfänglich und kompetent beraten.“

IVO Oesterle – Optimierer für Bearbeitungsprozesse

Moderne Steuerungs- und Automatisierungstechnik dominieren bei MBS den typischen Arbeitsplatz eines Maschinenbedieners.

Die IVO Oesterle NC-CNC Technik Vertriebs GmbH in Vöhringen beschäftigt acht Mitarbeiter, die alle über umfassendes Know-how im Bereich der CNC-Technologie verfügen. Vertriebsleiter Krupp erklärt: „Wir sehen uns als Optimierer für Bearbeitungsprozesse in Metall und Kunststoff. Mit unserem Know-how und sehr starken Partnerunternehmen – wie Indunorm, pL Lehmann, Heule und anderen – können wir alle relevanten Fertigungsprozesse analysieren und neue Möglichkeiten sowie kurz-, mittel- oder langfristige Einsparpotenziale aufzeigen.“

IVO Oesterle übernimmt selbst komplette Projektierungen – von der Angebotsphase bis hin zur Inbetriebnahme. „Der Kunde gibt uns zum Beispiel ein Teil, das er fertigen möchte. Er nennt die Losgröße und andere wichtige Rahmendaten, und schon legen wir los“, beschreibt Jochen Krupp. „Wir beraten uns mit den relevanten Partnern und können unserem Kunden letztlich das komplette System anbieten. Von der Vorrichtung übers Werkzeuge bis zur Maschine und gegebenenfalls bis zur Finanzierung. Dabei bekommt er von uns mitunter auch verschiedene Angebote zur Auswahl.“

MBS hat diese Dienstleistung zum Beispiel bei der Anschaffung einer komplett ausgestatteten Entgratzelle für geschmiedete Teile in Anspruch genommen. „Das war eine sehr wertvolle Vorarbeit“, bestätigt Oliver Schmid. „Wir haben heutzutage nicht die Zeit, um uns mit allen Details selbst zu beschäftigen. Umso besser, wenn man die Dienste eines so kompetenten und verlässlichen Partners wie IVO Oesterle in Anspruch nehmen kann.“

Kontakt:

www.ivo-oesterle.de