GrindDate 2017 zieht 300 Besucher an

Zum zweiten Mal hat die Haas Schleifmaschinen GmbH ihre Produktion geöffnet und das „GrindDate –Schleiftechnologie im Dialog“ veranstaltet.

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„Fünf Minuten vor der Zeit ist die beste Pünktlichkeit.“ Man hatte den Eindruck, dass etliche Besucherinnen und Besucher dieses Sprichwort im Kopf hatten, als sie sich Ende April auf den Weg zur Haas Schleifmaschinen GmbH in Trossingen gemacht haben. Trotz verschneiter Straßen bei der Anreise Ende April schauten sich die ersten Interessierten schon vor der offiziellen Eröffnung um 9.00 Uhr im Vorführraum von Haas die verschiedenen Schleifzentren an.

„Vielleicht lag’s daran, dass wir in diesem Jahr ein noch dichteres Vortragsprogramm und noch mehr Live-Demos an unseren Schleifmaschinen geboten haben“, sagt ein zufriedener Thomas Bader, technischer Geschäftsführer bei Haas. Und in der Tat, wer alle zehn Fachvorträge zum Schleifen anhören und dazu noch die sechs Schleifvorführungen auf den Multigrind Schleifmaschinen sehen wollte, musste sich ranhalten.

Peter Erchinger, Leiter Konstruktion, erläutert die Multigrind CB Extended für Werkstücke bis 3.200 mm (!) Länge

Die gutbesuchten Vorträge wurden von sechs Gastreferenten und vier Haas-Mitarbeitern jeweils in deutscher und englischer Sprache gehalten. An den Schleifmaschinen selbst wurde auf Englisch, Französisch, Russisch, Schwedisch, Chinesisch, Deutsch und natürlich Schwäbisch über die neueste Schleiftechnologie gesprochen. Möglich war diese Sprachvielfalt, weil die in- und ausländischen Vertriebspartner von Haas an allen drei GrindDate-Tagen für die interessierten Besucher zur Verfügung standen.

„Bereits in der Vorbereitung hat unser GrindDate viel Einsatz erfordert“, sagt Heiko Zimmermann, Vertriebsleiter Deutschland bei Haas, „aber wir wollen halt nicht nur in Sachen Schleiftechnologie das Besondere bieten, sondern nehmen auch die persönliche Kommunikation mit unseren Kunden und Anwendern sehr ernst. Und es hat sich gelohnt, wir haben viele gute, intensive Gespräche geführt.“ Stoff für Gespräche gab es genug, wenn man sich allein die Themenvielfalt der Fachvorträge anschaut, die in Trossingen gehalten wurden.

Werkstücke bis 3.200 mm Länge

Den Anfang machte Peter Erchinger, bei Haas verantwortlich für die Konstruktion. Er stellte in einer knappen halben Stunde zunächst die grundsätzliche Technik und das Besondere der Multigrind Schleifmaschinenfamilie vor und zeigte dann die wichtigsten neuen Produktentwicklungen. Dazu zählt das große Regalmagazin, das mit 65 bis maximal 70 Schleifscheiben und 20 Kühlmittelschutzen bestückt werden kann. Damit bietet Haas nach eigenen Aussagen das zurzeit größte Werkzeugmagazin für Schleifmaschinen an. „Dieses Regalmagazin macht aus einer Multigrind CA oder CB eine autarke, sich selbstständig rüstende Produktionseinheit, die vor allem für die Aerospace-Industrie, die Medizintechnik und die Hersteller von Präzisionswerkzeugen interessant ist“, erklärt Dirk Wember, geschäftsführender Gesellschafter von Haas.

Haas-Geschäftsführer Thomas Bader erklärt Besuchern die verschiedenen Maschinentische für die Multigrind Schleifmaschinen

Zeichnen sich Schleifmaschinen von Haas ansonsten durch ihre raumsparende, kompakte Bauweise aus, so gilt für die zweite Neuentwicklung, die Peter Erchinger vorstellte, der Satz: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ Die Multigrind CB wird zur EMO 2017 in Hannover erstmals in einer XXL-Version präsentiert. Über drei Meter lang ist dann der Werkzeugtisch des Haas-Flaggschiffs. Damit können auf dieser Schleifmaschine Werkstücke bis zu einer Länge von 3.200 Millimetern bearbeitet werden. Dafür hat Haas den Abstand zwischen den Spitzen vervierfacht. Vier Schiebetüren erleichtern den Zugang zum Arbeitsraum. Wer lange Räumnadeln oder Wellen herstellen muss, sollte sich diese Maschine genauer anschauen.

Eine Verdoppelung der Leistung bietet Haas mit der neuen HSK 80 Schleifspindel an, 90 Nm bei einer Drehzahl von 4.300 1/min und 40 KW sind ein Wort. Die Maximaldrehzahl beträgt 12.000 1/min bei einem Drehmoment von 46 Nm und 58 KW.

Bearbeitung von Turbinenkomponenten

Nicht um extrem lange, sondern um extrem anspruchsvolle Bauteile ging es beim Vortrag von Patrick Helmecke. Der Diplom-Physiker von Haas sprach über die Bearbeitung von Turbinenkomponenten, die enormen physikalischen Belastungen ausgesetzt sind und daher in der Regel aus Ni- oder Co-Superlegierungen, WMo-Legierungen oder Ti-/TiAl-Legierungen gefertigt werden. Eine echte Herausforderung für jede Schleifmaschine. Haas hat sich in diesem Markt in den letzten Jahren eine gute Position erarbeitet und bietet seinen Aerospace-Kunden die Komplettbearbeitung von HD- und ND-Turbinenschaufeln und Dichtsegmenten in einem automatisierten Prozess auf einem Schleifzentrum.

Schleifstrategien für hochharte Werkstoffe

Anspruchsvoll sind auch die Werkzeuge, über deren Bearbeitung Ruben Fischer referierte. Der Diplom-Ingenieur entwickelt neue Technologien bei Haas und informierte seine Zuhörer über das Schleifen von hochharten Dreh- und Fräswerkzeugen. Cermet, PKD und pCBN sind die Werkstoffe, aus denen diese verschleißfesten Werkzeuge hergestellt werden. Für das Schleifen heißt das: hoher Schleifdruck, hoher Verschleiß, Aufladung der Schleifscheibe und schlechte Temperaturverträglichkeit der Werkstücke. Hier sind besondere Schleifstrategien gefragt! Haas setzt hier unter anderem auf Oszillation der Schleifscheibe zur vollen Nutzung ihrer Breite, Verwendung von keramischen Topf- und anderen Schleifscheiben bei geringeren Schnittgeschwindigkeiten und Teilzustellungen sowie diverse Abrichtverfahren der Schleifscheiben in der Maschine, auch während des Schleifprozesses. „Wir betreiben großen empirischen Aufwand in der Entwicklung der passenden Schleifprozesse für hochharte Schneidstoffe“, sagt Ruben Fischer, „die positive Resonanz unserer Anwender rechtfertigt diesen Einsatz und stachelt unseren Ehrgeiz weiter an.“

Volles Haus von Anfang an beim Haas-GrindDate 2017 in Trossingen.

Welche Bedeutung die Schleifsoftware für die Umsetzung von Industrie 4.0-Strategien hat, darüber sprach Haas-Softwareleiter Wolfram Hermle. Er hob hervor, dass die Haas-Schleifsoftware Multigrind Horizon hier beste Voraussetzungen bietet, da sie zum einen sehr leistungsstark ist, aber auch einfach in der Bedienung und vor allem flexibel, was die Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen angeht.

Schleifscheiben, Schleiföl, cyber-physische Systeme

Nicht weniger interessant waren die Vorträge der Gast-Referenten beim GrindDate 2017. Hier sprach Thorsten Ziebuhr vom Schleifwerkzeughersteller Krebs & Riedel über den Aufbau innovativer Schleifwerkzeuge in keramischer Bindung, wie sie bei der erwähnten Hartstoffbearbeitung zum Einsatz kommen.

Haas-Geschäftsführer Dirk Wember erläutert die Vorzüge des neuen Regalmagazins in Verbindung mit einer Multigrind CA Schleifmaschine.

„Wer nicht abrichten kann, braucht gar nicht erst anfangen zu schleifen“, lautete der Vortrag von Christoph Müller von der Dr. Kaiser Diamantwerkzeuge GmbH & Co. KG. Müller stellte insbesondere die unterschiedlichsten Abrichtstrategien und die entsprechenden Abrichtwerkzeuge vor, ohne die es heute nicht mehr geht.

Auf die Bedeutung und Auswirkung des richtigen Schleiföls für unterschiedliche Werkstoffe ging Ken Bausch von der Oelheld GmbH ein, einem der führenden Unternehmen auf diesem Gebiet.

Passend dazu referierte Darius Pechta, Europaverkaufsleiter der Turbo-Separator AG, über die Aufgaben und qualitätsverbessernde Wirkung von Reinigungssystemen von Kühlschmierstoffen im Schleif- und Schneidprozess.

Besonders aktuell war der Vortrag von Dr. Reinhold Walz von der Gewatec GmbH & Co.KG, der die GrindDate-Besucher in knackigen 20 Minuten zum Thema Industrie 4.0 und Smart Factory auf den neuesten Stand brachte und erklärte, warum cyber-physische Produktionssysteme dabei eine zentrale Rolle spielen werden. Gemeint ist damit ein Verbund informatischer und softwaretechnischer Komponenten mit mechanischen und elektronischen Teilen, die über eine Dateninfrastruktur wie zum Beispiel das Internet verbunden sind.

Dass in einer voll digitalisierten Produktionswelt die Bedeutung von Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität von Funktionsflächen für Präzisionsteile, wie zum Beispiel Hüftgelenksimplantate, zunehmen wird, das machte Prof. Dr. Harald Goldau von der Hochschule Magdeburg in seinem technisch lehrreichen Referat deutlich.

Nach der Theorie die Praxis

Nach der Theorie kommt die Praxis! Wer Schleifen live erleben wollte, konnte dies gleich an sechs Schleifmaschinen tun. Die Anwendungstechniker von Haas zeigten, wie man Fräser und Stufenbohrer auf einer Multigrind CU schleift, wie man Umfang und Profil von Wendeschneidplatten auf einer Multigrind CA exakt bearbeitet, welche Vorteile das neue Regalmagazin bei der Herstellung von Niederdruckturbinenschaufeln auf der Multigrind CA bietet, wie man einen beeindruckenden Kompressorrotor auf einer Multigrind CB herstellt, und wie man auf einer WAIDA APX 103 den Umfang von Wendeschneidplatten schleift.

Drei Tage, mehr als 300 passionierte Schleifprofis, darunter eine zwanzigköpfige Delegation von Unternehmern aus Großbritannien, und zahlreiche intensive Gespräche rund ums Schleifen: bei Haas ist man sehr zufrieden mit dem GrindDate 2017. „Wir sind dankbar, dass unsere Kunden und Anwender unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind“, sagt Dirk Wember und betont: „wir brauchen diesen persönlichen, fachlichen Austausch direkt an der Schleifmaschine, denn das ist doch was ganz anderes als E-Mail oder Skype.“

Bei Haas denken sie übrigens jetzt schon über den Termin für das GrindDate 2019 nach. Man darf gespannt sein, was der Trossinger Maschinenbauer dann in Sachen Schleiftechnologie für seine Besucher bereithält.

Kontakt:

www.multigrind.de