AMB Iran fast ausgebucht

Iranische Industrie blickt positiv in die Zukunft und setzt die Förderung von Ausbildung als oberste Priorität für einen erfolgreichen Technologietransfer.

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Vom 23. – 26. Mai findet die zweite AMB Iran in Teheran statt, mit über 180 Ausstellern ist die Messe fast ausgebucht. Die Veranstalter Messe Stuttgart und der VDW haben jetzt zu drei Industrietreffen im Iran in den industriellen Zentren Isfahan, Teheran und Tabriz eingeladen. 600 hochrangige Vertreter aus Politik, Industrie und von Branchenverbänden diskutierten die aktuelle Situation nach der Aufhebung der Sanktionen und die neuen Möglichkeiten der iranischen Industrie. Themen, die die Industrie im ganzen Land bewegen, sind der Technologietransfer aus dem Ausland, das Potential für ausländische Investitionen und die Bedeutung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

Der Transfer von Technologie und der intensive Austausch mit internationalen Unternehmen ist für Mohammad Reza Barekatain, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer in Isfahan, von immenser Bedeutung. Die Teilnahme Irans am Weltmarkt und die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen, insbesondere aus Europa, seien entscheidend für ein erfolgreiches Wachstum in den nächsten Jahren. Eine Stellung in der internationalen Wahrnehmung könne man sich nur erarbeiten, wenn die entsprechenden Einrichtungen und Anlagen vor Ort vorhanden sind.
Mohammad Reza Modoodi, Vertreter der Außenwirtschaftsorganisation (TPO) und Berater der Regierung, berichtete von einem spürbaren Aufschwung der iranischen Konjunktur. Für TPO ist der Transfer der neusten Technik der Ausgangspunkt, von dem aus bessere Produktionsergebnisse möglich sind. In der Folge erhofft sich die Organisation dann höhere Investitionen und damit auch die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Durch die Sanktionen und in Folge gekappter Verbindungen zum Ausland ist der Modernisierungsbedarf in der Industrie jetzt sehr hoch. Samad Hassanzadeh, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer in Tabriz, schätzt, dass 70 Prozent der Maschinen in iranischen Fabriken deutsche Produkte sind. Der große Anteil deutscher Aussteller auf der AMB Iran sei daher zu begrüßen.
Über eine lange Geschichte von Joint Ventures zwischen deutschen und iranischen Firmen kann auch Younes Akbarpour Paydar, Vorsitzender der Vereinigung für Autoteile und Maschinenhersteller in Tabriz berichten. Der Iran sei aus zwei Gründen ein attraktiver Standort für die Metallbearbeitung: Die zu erwartenden Kapazitäten sind sehr hoch und die Produktionskosten für den Nahen Osten angemessen.

Mohammad Zeinalipour, Beauftragter für Wirtschaftsförderung in der Industrie- und Handelskammer Isfahan, berichtete vom steigenden Interesse europäischer Firmen am iranischen Markt. Der zu erwartende Technologietransfer sei wichtig, könne aber nicht alle Schwierigkeiten der Industrie im Land lösen. Bedeutend seien für die Zukunft vor allem die Ausweitung der starken Förderung von Ausbildung und fachlich spezifizierten Schulungen.
Dass Bildung die oberste Priorität hat, betont auch Akbar Ashurion, Vorsitzender der Vereinigung für Maschinen- und Anlagenbau, Lastkraftwagen und Zulieferer in Isfahan. Eine Zusammenarbeit zwischen Verbänden wäre erstrebenswert, genauso wie die Förderung eines universitären Austauschs zwischen dem Iran und Deutschland.

Iran ist der führende Importeur für Elektro- und Automatisierungstechnik im Mittleren Osten. Auf dem Industrietreffen in Teheran sprach auch Jürgen Engert, Vizepräsident von Siemens S.S.K., der iranischen Niederlassung der Siemens AG mit einem Schwerpunkt auf Automatisierung. Siemens S.S.K. stellt im Sonderbereich Automation Iran auf der AMB Iran aus.

Industrie im Iran

Irans Maschinenbau steht vor einem kräftigen Aufschwung. Die vielen geplanten Großprojekte, Erweiterungsinvestitionen und die notwendige Erneuerung der häufig sehr überalterten Industrieanlagen bieten Maschinenbauern große Chancen. Im Iran werden zwischen 2015 und 2017 Importzuwächse von 20 Mrd. US$ erwartet. Es wird damit gerechnet, dass Maschinen und Zubehörteile davon 20 Prozent ausmachen werden.

Der Iran verfügt über eine sehr entwickelte Kfz-Teile-Industrie, dennoch besteht weiterhin ein sehr hoher Importbedarf. Rund 15.000 Produktionsstätten gibt es im Iran, 60 Prozent der notwendigen Teile für die Automobilindustrie werden aber immer noch importiert. Die Produktionskapazitäten der iranischen Automobil-Hersteller liegen bei etwa 2 Millionen Fahrzeugen im Jahr. Auch in der Ölindustrie stehen notwendige Modernisierungen an. Daneben sind auch der Automobilbau, die chemische Industrie oder der Ausbau erneuerbarer Energien Bereiche in denen Maschinen benötigt werden.