Die Hommel Gruppe ist kerngesund und optimistisch

Interview mit Gisbert Krause, Geschäftsführer der Hommel Gruppe, zur aktuellen Situation, Produkten, und den Zielen des Unternehmens.

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Gisbert Krause, Geschäftsführer der Hommel Gruppe freut sich auf die Zusammenarbeit mit Chevalier

Herr Krause, die Hommel Gruppe hat nach der Insolvenz des Mutterunternehmens Wollschläger in 2016 ein turbulentes Jahr hinter sich. Wie ist die Situation zu diesem Zeitpunkt?

Gisbert Krause: Das stimmt, das vergangene Jahr war aufregend und wurde nicht nur mit positiven Ereignissen verbunden. Emotional war die Wollschläger Insolvenz  natürlich für uns alle ein großer Schock, aber Dank unserer Position als eigenständiges Unternehmen, waren wir nur marginal von der Situation betroffen. Die Hommel Gruppe ist ein kerngesundes Unternehmen und kann optimistisch nach vorne schauen.

Sie sind also nicht von der Wollschläger-Situation betroffen oder eingeschränkt in Ihren Handlungsmöglichkeiten und agieren auch zukünftig autark?

Gisbert Krause: Richtig, wir sind nicht von der Situation Wollschläger betroffen und agieren völlig unabhängig und autark. Wir bieten unseren Kunden, ohne jegliche Einschränkungen, ein eingespieltes, deutschlandweites Vertriebs- und Servicenetz mit innovativen Fertigungslösungen von OKUMA, Nakamura-Tome, Sunnen, Quaser und Chevalier sowie Sonderwerkzeuglösungen aus unserer eigenen Schleifmanufaktur.

Sind Sie denn mit dem Geschäftsverlauf 2016, bezogen auf Ihr Kerngeschäft, Vertrieb- und Service, zufrieden?

Gisbert Krause: Insgesamt können wir zufrieden sein. Natürlich hat das ein oder andere politische oder wirtschaftliche Ereignis unseren Geschäftsverlauf geprägt. Aber alles in allem haben wir trotz leichter Umsatzeinbußen und der drei großen Messen METAV, GrindTec und AMB, ein posives Ergebnis zu vermelden. Wir haben planmäßig in der gesamten Hommel Gruppe die Bereiche Vertrieb, Service, Anwendungstechnik und Automation weiter erfolgreich ausgebaut.

Sie vertreten mit Okuma, Nakamura, Quaser, Sunnen etc. schon seit vielen Jahren namhafte internationale Hersteller von hochwertigen Werkzeugmaschinen. Keine einfache Aufgabe in einem anspruchsvollen Maschinenbauland wie Deutschland. Wie beurteilen Sie den deutschen Markt diesbezüglich bzw. sind die Anforderungen an Hersteller aus dem Ausland anders als an deutsche Hersteller?

Gisbert Krause: Natürlich werden Hersteller aus dem Ausland immer etwas intensiver betrachtet als die heimischen Maschinenbauer und die Anforderungen werden oft ganz oben auf der Skala angesetzt. Aber diese hohen Anforderungen sorgen für eine große Motivation bei uns und natürlich unseren Herstellern. Gerade der deutsche Markt ist sehr innovativ und anspruchsvoll in den Bereichen Produktivität, Qualität, individuelle Automatisierung, Digitalisierung und Smart Factory, bei bestem Preis-/Leistungsverhältnis und hohem Servicegrad. Wir sind mit unseren technischen Lösungen und den hochwertigen Produkten unserer Hersteller bestens gerüstet für den anspruchsvollen Markt Deutschland.

Das bedeutet, der Markt orientiert sich auch stark am Preis und den Serviceleistungen?

Gisbert Krause: Neben dem Preis werden vor allem die Dienstleistungen sowie die individuellen Fertigungslösungen im Bereich Automatisierung immer wichtiger. Im Hinblick auf die die Zukunft und den damit verbundenen Themen Industrie 4.0 und Smart Factory rücken auch die Digitalisierungsmöglichkeiten immer mehr in den Fokus.

Ist die Hommel Gruppe als Vertriebs- und Servicedienstleister in der Lage, diese Anforderungen umzusetzen?

Gisbert Krause: Durch unser breit aufgestelltes Produktportfolio können wir natürlich kurzfristig und ganz gezielt auf die speziellen Anforderungen unserer Kunden eingehen. In enger Zusammenarbeit mit unseren Herstellerpartnern und Zulieferern sind auch aufwändige Automatisierungsprojekte kein Problem für die Hommel Gruppe.

Das heißt Ihre Partnerunternehmen reagieren schnell auf die Anforderungen und Wünsche Ihrer Kunden?

Gisbert Krause: Wir sind eng mit unseren Herstellern vernetzt und können in enger und  kontinuierlicher Abstimmung mit den Kunden und unseren Herstellern sehr schnell auf die sich stetig ändernden Anforderungen eingehen und somit nahezu jedem Kundenwunsch gerecht werden.

Sie treten am Markt als Spezialist für die klassische Zerspanung auf. Mit der Hommel Schleifmanufaktur haben Sie seit 2016 eine zusätzliche Dienstleistung in Ihrem Portfolio. Welche Idee steckt hinter dem Begriff Schleifmanufaktur?

Gisbert Krause: Die Anforderungen und Einsatzgebiete für Sonderwerkzeuge wachsen stetig. In unserer Schleifmanufaktur legen wir den Fokus auf die Fertigung individueller Sonderwerkzeuge. Durch den Einsatz neuester Technik können wir mit unserem Sonderwerkzeugbau schnell die optimalen und wirtschaftlichen Lösungen für spezielle Werkzeuganforderungen bieten. Um das gesamte „Alles aus einer Hand“-Prinzip der Hommel Gruppe perfekt abzurunden, besteht außerdem die Möglichkeit, der Ausstattung von Werkzeugmaschinen mit  Standard- und Sonderwerkzeugen. Weiterhin bieten wir mit unserem Werkzeug-Laser-Gravier- und Codier-System einen Service zur Kennzeichnung und Identifizierung von Bauteilen und Werkzeugen.

Welche Erwartungen und Ziele haben Sie für das laufende Geschäftsjahr und auch darüber hinaus?

Gisbert Krause: Im laufenden Geschäftsjahr werden wir natürlich weiterhin sehr eng mit unseren Herstellerpartnern zusammen arbeiten, um neue Projekte – auch in Bezug auf das Thema Industrie 4.0 und Automationslösungen – zu realisieren. Außerdem werden wir unsere Eigenfertigung und die Möglichkeiten unserer eigenen Werkstatt noch bekannter machen. Durch die Eigenherstellung wichtiger, praxisnaher Ausstattungskomponenten, wie zum Beispiel Kühlmittelanlagen oder eigenen Automationslösungen, möchte die Hommel Gruppe künftig noch schneller auf individuelle Kundenanfragen eingehen. Um unseren Kunden auch in Zukunft als optimaler Vertriebs- und Servicepartner zur Seite zu stehen, sind für 2017 bereits weitere Investitionen zum Ausbau der Eigenfertigung sowie des Vertriebs- und Servicenetzes  geplant.

Sie sind auf der intec 2017 in Leipzig als Aussteller vor Ort. Was sind Ihre Schwerpunkte auf der Messe?

Gisbert Krause: Natürlich haben wir uns dem wichtigen Thema Industrie 4.0 gewidmet und neue, sehr interessante Entwicklungen unseres Premiumherstellerpartners Okuma auf unerem Messestand. Der Status Monitor ist Bestandteil der „Okuma Smart Factory“ und dient als umfangreiche Basis für die Analyse von Fertigungsprozessen. Aber auch unsere Herstellerpartner Nakamura-Tome, Sunnen und Quaser haben interessante Neuigkeiten zu diesem Thema. Während den Messetagen zeigten die Besucher auf unserem Stand ein sehr intensives Interesse an diesen Themen.

Vielen Dank für das Gespräch

Das Inteview führte unser Redakteur Frank Dietsche