Frischer Wind bei der Rüstzeitreduzierung

Mit dem KM System bietet die amerikanische Kennametal Corporation seit über drei Jahrzehnten leistungsfähige Werkzeugschnellwechsel-Systeme an.

529
KM4X63

Als der Luftfahrtkonzern Boeing bei Kennametal eine hoch belastbare, zu herkömmlichen CAT- und BT-Adaptern überlegene Spindel-Verbindung anfragte, gingen die Werkzeugsystem-Spezialisten bei der Entwicklung einer Lösung von dieser robusten und bewährten Plattform aus. Am Ende stand eine Spindelaufnahme mit vier statt zwei Kugelführungen mit einer bis zu 40 Prozent höheren Spannkraft als bei konventionellen KM-Werkzeugaufnahmen gleicher Größe.

k120_161011_02
KM4X bietet eine wesentlich höhere Biegefestigkeit als alle anderen derzeit marktüblichen Werkzeugschnittstellen – auch dem ursprünglichen KM-Design von Kennametal ist es klar überlegen

Das war vor 15 Jahren. Das KM-System setzte sich seither weiter durch und wurde 2008 von der Internationalen Normenorganisation (ISO) als ISO-Norm 26622 übernommen.
Zwischenzeitlich wurde das ursprünglich für Boeing entwickelte Design neu benannt und in den letzten Jahren unter der Bezeichnung KM4X100 vermarktet. Die Werkzeug-Plattform wird von Maschinenbauern wie Fives Group, Mitsui Seiki, Stama und anderen geschätzt – auch von Bearbeitern, die Wert auf höchste Stabilität für besonders anspruchsvolle Aufgaben legen.

In Zukunft dürfte die Technologie nun noch beliebter werden, denn Kennametal stellt ein neues Mitglied in der KM4X-Werkzeugsystem-Familie vor: Die Systemgröße 63 mm zielt auf eine breitere Werkzeugmaschinenplattform ab und soll das System für Bearbeiter umfassender verfügbar machen.

„Wie seinerzeit für Boeing haben wir uns erneut die Aufgabe gestellt, eine hervorragende Lösung noch weiter zu verbessern“, so Bill Redman, Globaler Produkt Manager Tooling Systems bei Kennametal. „Spannkraft, Biegefestigkeit und erreichbare Drehzahl sind bei der KM4X63 signifikant höher als bei praktisch jeder anderen Werkzeugaufnahme.“

k120_161011_03
Aufbau des KM4X- Spannmechanismus: vier statt zwei Kugelführungen. In Größe 63 spannt das System um 50 Prozent fester als PSC und 150 Prozent fester als HSK63

Redman und das übrige Team im Produktmanagement und Entwicklung wollten jedoch noch mehr. Jüngst baten sie daher verschiedene Maschinenbauer, zum im ersten Schritt eingeführten KM4X-Produktspektrum Stellung zu beziehen. Auf Basis dieser
Rückmeldungen wird das Portfolio nun erweitert. Aktuell umfasst das KM4X-Programm das HydroForce Hydrodehnspannfutter, TG- und ER-Spannzangenfutter, eine Vielzahl anderer Spindelwerkzeuge, Spanneinheiten und modularer Adapter sowie demnächst noch weitere Komponenten.

„Bis Ende 2016 kommen rund 30 neue Komponenten für die Serie hinzu. Vorwiegend Verlängerungen im Bereich von 80 bis 200 mm sowie Centerline Drehwerkzeuge für die Drehfrässpindel“, erklärt Redman. „Es hat sich gezeigt, dass die extreme Steifigkeit von KM4X erheblich größere Auskraglängen zulässt. Für unsere Kunden ergeben sich damit viel größere Bearbeitungsmöglichkeiten ohne dass sie auf Sonderwerkzeuge zurückgreifen müssen. Dies ist insbesondere bei 5-Achs-Bearbeitungen wichtig. Es lässt sich praktisch jede benötigte Verlängerung einfach hinzufügen und loslegen, sowohl bei stehenden als auch rotierenden Anwendungen.

k120_161011_04
KM und KM4X sind auch für feststehende Anwendungen einsetzbar, zum Beispiel mit Centerline Drehwerkzeugen auf der Drehfräs-Spindel

Anschaulich zeigt dies zum Beispiel die 674 mm (26,54 Zoll) lange KM4X-Bohrstange, die auf einer Integrex i-400 am Stand von Mazak auf der diesjährigen IMTS zu sehen ist. „Die KM4X63 hat ein maximales Biegemoment von 2.100 Nm (1548 ft. lb.) und erreicht je nach Maschine eine Spannkraft von 36 bis 58 KN (8093 bis 13038 lb.)“, erläutert Redman. „In dieser Größenklasse ist das die stabilste Werkzeug-Schnittstelle auf dem Markt.“

Mit der KM4X63 sind standardmäßig bis 38.000 U/min möglich – das übertrifft HSK-A und ist weitaus schneller als andere Spindelaufnahmen.

Wer noch zögert, sich für Schnellwechsel-Werkzeugaufnahmen zu entscheiden, für den hat Redman einen eindrücklichen Hinweis: „Es gibt nichts Schlimmeres, als eine halbe Million in ein Bearbeitungszentrum oder eine Drehbank zu investieren und dann in der Werkhalle festzustellen, dass man dafür besser eine andere Werkzeugaufnahme gewählt hätte. Als Werkzeugsystemanbieter ist es an uns, Kunden aufzuklären und darüber nachdenken zu lassen, was genau sie eigentlich erreichen wollen – ob sie hohe Spindeldrehzahlen für die Aluminium- oder Formenbearbeitung brauchen oder großes Drehmoment für die Titan-Zerspanung. Mit den meisten heute erhältlichen Werkzeugsystemen klappt eines von beiden, aber nicht beides. Aus unserer Sicht bietet KM4X unabhängig vom bearbeiteten Material immer einen Wettbewerbsvorteil.“

Kontakt:

www.kennametal.com