AMB: Präzisionswerkzeuge mit positiven Erwartungen

Hersteller erwarten von AMB zusätzlichen Schub und rechnen mit neuem Produktionsrekord in 2016

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Die deutsche Präzisionswerkzeug-Industrie eilt seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Abgesehen vom gesamtwirtschaftlichen Dämpfer 2009 kennt sie nur eine Richtung: aufwärts. Im vergangenen Jahr legte sie erneut um drei Prozent auf den Rekord-Produktionswert von 9,6 Milliarden Euro zu. Von der AMB Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, die vom 13. bis 17. September in Stuttgart stattfindet, erwartet sie einen weiteren Schub und will den Aufwärtstrend moderat fortsetzen.

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Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA

„Wir gehen davon aus, dass die deutsche Präzisionswerkzeuge-Industrie ihre Produktion insgesamt um rund vier Prozent steigern wird“, verkündete Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Anfang des Jahres. Zur Jahresmitte scheint sich seine Prognose zu bestätigen. Allerdings verteilt sich das Wachstum sehr unterschiedlich auf die Teilbranchen. Für die beiden auf der AMB vertretenen Branchen Zerspanwerkzeuge und Spannzeuge gilt nach wie vor ein moderates Wachstum von etwa zwei Prozent. Horn begründet das mit den ebenfalls verhaltenen Erwartungen der wichtigsten Abnehmerbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau. Allerdings: Es wäre wiederum ein Produktionsrekord. Trotz zunehmender Automatisierung: Auch die Zahl der Mitarbeiter soll im laufenden Jahr noch einmal steigen.

Fachkräftemangel bremst Wachstum

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Markus Heseding, Geschäftsführer des Fachverbands Präzisionswerkzeuge

Eher haben die Unternehmen das Problem, dringend benötigtes Personal zu gewinnen. Markus Heseding, Geschäftsführer des Fachverbands, erklärt: „Die überwiegende Anzahl unserer Mitglieder möchte aktuell Personal aufbauen und findet nicht genügend Fachkräfte. Zudem wird es für die Unternehmen immer schwieriger, ausreichend junge Menschen auszubilden, um weiter wachsen zu können.“ Automatisierung soll also keinesfalls dem Personalabbau Vorschub leisten, sondern lediglich den Mangel wenigstens teilweise kompensieren. Um auch in Zukunft weiterhin international ganz vorne mitzuspielen, würden die deutschen Hersteller zudem weiterhin „einen Großteil ihrer Gewinne kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investieren“. So wollen sie ihren technologischen Vorsprung erhalten und weiter ausbauen. „Wir erwarten auch in diesem Jahr starke Geschäftsimpulse von dieser Messe.“, so Heseding abschließend.

AMB-Aussteller verhalten optimistisch

Verbandsprognosen sind natürlich immer nur Durchschnittswerte, von denen die konkreten Zahlen einzelner Hersteller stark abweichen können. Das bestätigt eine Umfrage unter AMB-Austellern. Beispiel Hahn+Kolb Werkzeuge GmbH: Uwe Schmelzer, Leiter Entwicklung und Anwendungstechnik Zerspanung, stimmt der verhaltenen Verbandsprognose zu. Gründe seien schwächelnde Bereiche wie die Hüttentechnik oder die Erdöl- und Erdgasindustrie. Dennoch blickt er positiv in die nahe Zukunft: „Der Boom im Automotive-Bereich, beispielsweise durch neue Modellpaletten speziell bei den E-Fahrzeugen, wird in der zweiten Jahreshälfte eine Verbesserung der Aussichten bringen.“ Umsatzmäßig wirksam werde das zwar erst im kommenden Jahr, trotzdem strebe sein Unternehmen schon in diesem Jahr ein zweistelliges Wachstum für Zerspanungswerkzeuge an.

Zufrieden ist auch Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer der Iscar Germany GmbH: „Mit Ausnahme des Erstausrüstungsgeschäfts und der negativen Entwicklung in der Öl- und Gasförderindustrie ist das Umsatzwachstum derzeit zufriedenstellend.“ Büchner geht zur Jahresmitte davon aus, das selbst gesteckte Umsatzziel zu erreichen. Von einem verhaltenen Start im Januar berichtet Andreas Enzenbach, Leiter Marketing und Corporate Communications der Mapal Dr. Kress KG. Mittlerweile habe sich das Jahr wieder positiv entwickelt, „sodass wir gegenüber dem Vorjahr momentan ein Wachstum im einstelligen Bereich verzeichnen“.

Regional starke Schwankungen in einem kaum wachsenden Markt erkennt Komet-Group-Geschäftsführer Dr. Christof Bönsch: „In China und auch in den USA sehen wir eine Abkühlung und auch die Automotive-Branche als ehemaliger Wachstumsmotor stottert.“ Er erhofft sich von der AMB belebende Impulse.

Eine „etwas geringere Dynamik“ verzeichnet ebenfalls Herbert Schmidt, Geschäftsführer der Walter Deutschland GmbH. Gegenhalten will man mit „innovativen Neuprodukten in den nächsten Monaten, um sich entgegen dem Trend weiter positiv zu entwickeln“.

Deutlich optimistischer ist da Dr. Uwe Schleinkofer, Entwicklungsleiter Ceratizit-Kompetenzmarke Cutting Solutions: „Wir wachsen kontinuierlich und rechnen weiterhin mit einem stabilen Aufwärtstrend.“ Das mag daran liegen, dass man sich als Spezialist für schwer zerspanbare Materialien überdurchschnittlich gute Chancen in Wachstumsmärkten wie der Luftfahrt- und Automobilindustrie ausrechnet.

Überdurchschnittlich wachsen will auch die Paul Horn GmbH. Markus Kannwischer, Leiter Technik und Mitglied der Geschäftsleitung: „Auf der einen Seite arbeiten wir mit neuen Produkten und intensiver Kundenbetreuung an diesem Ziel, auf der anderen Seite mit baulichen, personellen und prozesstechnischen Themen, um nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig einen Mehrwert für unsere Kunden zu ermöglichen.“