„Der Maschinenbauer wird zum Lösungsanbieter“

Interview mit Andreas Podiebrad, der seit Juni 2015 das Führungsteam der F. Zimmermann GmbH, weltweit tätiger Anbieter für Portalfräsmaschinen, verstärkt.

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Herr Podiebrad, neben Rudolf Gänzle und Hartmut Kälberer ergänzen Sie das Führungsteam bei F. Zimmermann. Können Sie Ihre Aufgaben beschreiben?

Andreas Podiebrad: Als Geschäftsführer verantworte ich sämtliche Aktivitäten im Vertrieb und Marketing. Meine Hauptaufgabe ist es, den weltweiten Vertrieb zu organisieren und weiter auszubauen. Dazu kommt die Betreuung unserer Auslandsgesellschaften. Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf den USA und Asien. Insbesondere der amerikanische Markt wächst kontinuierlich und wird damit immer wichtiger für uns. Darum haben wir beschlossen, den Standort in Novi Michigan zu erweitern und ein neues Gebäude zu errichten. Auf der grünen Wiese entsteht eine rund 1.000 Quadratmeter große Niederlassung. Damit wollen wir unsere amerikanischen Kunden künftig noch besser betreuen. Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter, die unsere Anlagen verkaufen und die Kunden vor Ort betreuen, auch zu uns gehören.

Wie sieht die Nachfrage in den USA aus?

Andreas Podiebrad: In den USA herrschen aktuell sehr gute Bedingungen für uns: Die Wirtschaft wächst, und der exportorientierte deutsche Maschinenbau profitiert vom schwachen Eurokurs. Großer Beliebtheit erfreut sich unsere neue Kompaktmaschine FZ33c. Wir bieten diese nun auch mit einem erweiterten Arbeitsbereich an. Zum Einsatz kommt die Anlage für die wirtschaftliche Bearbeitung kleinerer und mittlerer Bauteile aus der Automobilindustrie, dem Werkzeug- und Formenbau sowie für zahlreiche Sonderanwendungen. Mit Freude beobachten wir, dass insbesondere die Nachfrage in der Luft- und Raumfahrtindustrie steigt. Diese Branche wächst ungebrochen, und davon profitieren wir. Die Kunden erhalten aber nicht nur die entsprechende Hardware. Anwender weltweit und durch alle Branchen schätzen unseren umfassenden Service. Hier haben wir uns einen sehr guten Ruf erarbeitet, den wir konsequent ausbauen. Maschinenbauer, die keine passende Betreuung anbieten, haben auf dem Markt keine Chance. Um also eine erfolgreiche Firma wie F. Zimmermann weltweit vertreten zu können, liegt die Herausforderung insbesondere darin, neben dem Aufbau einer gut funktionieren Vertriebsorganisation den Service und die Ersatzteilverfügbarkeit weiterhin sicherzustellen. Für Vertrieb und Service gehen die jeweiligen Strategien deshalb immer Hand in Hand. Das ist der Grund, warum wir uns nicht auf Vertretungen verlassen, sondern danach streben, mit unseren eigenen Leuten weltweit vor Ort zu sein.

Sie haben die Luft- und Raumfahrt angesprochen. Welche Herausforderungen kommen damit auf Zimmermann zu, und wie profitiert das Unternehmen von Ihren Erfahrungen?

Andreas Podiebrad: Jede Branche hat ihre besonderen Ansprüche an die Anlagen. Nehmen wir zum Beispiel den Modell- und Formenbau. Hier hat sich F. Zimmermann etabliert, zahlreiche Anwender setzen äußerst erfolgreich unsere Portalfräsmaschinen ein. Typisch für diese Industrie ist, dass die Werkstücke meistens abgezeilt werden – Zeile für Zeile entsteht unter beliebigem Winkel das komplette Bauteil. In der Luft- und Raumfahrt ist das anders. Die Verarbeiter fräsen oft große Strukturbauteile, die meist eine hohe Anzahl von tiefen Taschen aufweisen. Hier werden richtig Späne gemacht, denn die Werkstücke werden aus dem Vollen gefräst. Der Zerspanungsanteil kann bis zu 96 Prozent betragen. Das stellt besondere Anforderungen an die Leistung und Stabilität der Anlage. Diese muss in der Lage sein, schnell und effektiv zu arbeiten. Dazu kommt: Insbesondere in der Luft- und Raumfahrtindustrie sind Systemlösungen gefragt. Kommt der Anwender auf uns zu, weil er den Auftrag erhält, Flügelrippen für den Airbus 380 zu fertigen, ist es unsere Aufgabe, die Maschine zu konfigurieren, die geeigneten Spannvorrichtungen zu liefern, die dazu passende Auswahl an Werkzeugen, das NC-Programm, aber auch geeignete Handlinglösungen sowie Möglichkeiten, Werkstücke automatisch zu wechseln – also das ganze Paket. Der Maschinenbauer wird somit zum Lösungsanbieter. Aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit weiß ich wie die Luft- und Raumfahrtindustrie tickt, ich kenne ihre Anforderungen. Damit kann ich meine Erfahrungen voll einbringen.

 Wie verändert sich damit das Portfolio, das Zimmermann anbietet?

Andreas Podiebrad: Wir richten uns eng nach den Anforderungen der Luftfahrtindustrie. Welche Bedarfe bestehen? Was benötigen die Betriebe, um effizient zu fertigen? Viele Maschinenbauer sehen den Schlüssel zur Leistungssteigerung darin, die Geschwindigkeiten der Spindel oder der Achsen noch weiter zu erhöhen. Das ist sicher wichtig. Doch noch viel wichtiger ist es, Nebenzeiten zu reduzieren. Was nützt eine schnellere Anlage, wenn sie Stunden stillsteht, um sie beispielsweise zu be- und entladen? Als Systemanbieter sehen wir die Lösung in der Automation, um die Produktivität zu steigern. Unternehmen können zum Beispiel mit Palettierungslösungen ihre Anlagen auch über Nacht oder an den Wochenenden mannlos laufen lassen. Um diese anbieten zu können, arbeitet F. Zimmermann mit Systempartnern zusammen. Wir haben zudem eigene Entwicklungen im Programm, die wir nun  weiter ausbauen. Von Fall zu Fall greifen wir weiterhin auf unsere Partner zurück. In unser Produktprogramm nehmen wir zudem entsprechende automatische Spannsysteme auf.

Heißt das, F. Zimmermann entwickelt künftig verstärkt für die Luftfahrtindustrie?

Andreas Podiebrad: Wir bauen dieses Geschäftsfeld konsequent aus. Branchen, in denen wir fest etabliert sind, wie die Automobilindustrie oder den Werkzeug- und Formwerkzeugbau, werden wir weiterhin fokussieren. Anwender nehmen uns nun noch stärker als Systemanbieter wahr und nicht mehr nur als Maschinenlieferant. Kunden erhalten von uns Lösungen, die noch besser auf ihre Prozesse abgestimmt sind, und sie können auf ein breiteres Produktprogramm zugreifen.

Ihre Kompaktmaschinen kommen bei den Anwendern sehr gut an. Das liegt auch daran, weil sie sich fundamentlos und damit flexibel aufstellen lassen. Werden Sie in diese Richtung weiter entwickeln?

Andreas Podiebrad: Hier sind uns natürlich technische Grenzen gesetzt. Eine Maschine mit einer Länge von 40 Metern lässt sich nicht auf diese Art bauen ohne Einbußen an Stabilität und Präzision. Aber im technisch machbaren Bereich werden wir dieses Konzept weiter verfolgen und neue Lösungen auf den Markt bringen. Denn der Anwender hat mit der flexibleren Aufstellung ganz klare Vorteile. Und die Kosten, die das Fundament erfordert, sind nicht zu unterschätzen. Das Geld wird regelrecht im Boden vergraben.

Wie schätzen Sie die Entwicklung in der Fräsbearbeitung in den kommenden Jahren ein?

Andreas Podiebrad: Gemeinsam mit Spindelherstellern hatte ich mir vor einiger Zeit die Arbeit gemacht, die Leistungskurve der Spindeln in den vergangenen zehn Jahren zu betrachten. Zu Beginn waren zehn bis 20 Kilowatt ausreichend. Heute reden wir von Leistungen zwischen 100 und 120 Kilowatt. Diese Entwicklung ist fast linear. Eine ähnliche Zunahme stellen wir bei der Dynamik der Maschinen fest. Inzwischen dürften wir an die Grenzen gestoßen sein. Denn je größer die zu bewegenden Massen sind, desto größer muss die Antriebsleistung sein, um die erforderliche Dynamik zu erreichen. Sicher können wir diese Leistung aufbringen, aber die Anlage muss sich auch noch wirtschaftlich betreiben lassen. Anwender wollen zum einen hochdynamische, zum anderen flexible Maschinen. Denn immer seltener fertigen sie Produktserien für mehrere Jahre. Sie müssen rasch auf Aufträge reagieren können. Viele Anwender wissen am Montag noch nicht, welche Bauteile sie am Donnerstag bearbeiten. Gefragt sind deshalb Maschinenkonzepte, die sich beweglich auslegen lassen.

Welche Rolle spielt dabei Industrie 4.0?

Andreas Podiebrad: Natürlich beschäftigen wir uns auch mit diesem Thema. Für uns ist beispielsweise die Ferndiagnose an den Maschinen seit Jahren Standard. Die Anlage sendet entsprechende Informationen über ihren Zustand an den Leitstand oder auf das Handy des verantwortlichen Mitarbeiters. Aber diese Vernetzung erwarten die Kunden mittlerweile von den Maschinenherstellern. Die Anforderungen steigen insbesondere in der Steuerungstechnik. Hier arbeiten wir eng mit den Herstellern zusammen.

Können Sie etwas zu den langfristigen Zielen von Zimmermann sagen?

Andreas Podiebrad: Wir wollen ein solides und gesundes Wachstum schaffen. Neben dem Ausbau unserer weltweiten Niederlassungen werden wir am Firmensitz in Neuhausen die Fertigungskapazität verdoppeln. Dazu errichten wir bis Ende kommenden Jahres ein weiteres Gebäude. Momentan sind wir noch in der Planungsphase.

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