Wa(h)re Größe

Starrag würde Lieferanten von XL-Maschinen genauer unter die Lupe nehmen

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Die Definition von XL-Maschinen ist einfach: Auf ihnen werden extrem große und teilweise schwere Bauteile gefertigt – zum Beispiel stählerne 13-m-Segmente für Seilbahnen, 7-m-Antriebsschrauben für U-Boote oder 30-m-Aluminiumprofile für Großflugzeuge. Wahre Größe aus dem Blickwinkel der Schweizer Starrag Group.

Was ist eigentlich eine echte XL-Maschine, fragt sich sicher mancher Anwender? Ihnen empfiehlt Walter Börsch, CEO der Starrag Group aus Rorschacherberg (Schweiz): „Ich würde Lieferanten von XL-Maschinen genauer unter die Lupe nehmen. Dazu würde ich mir im ersten Schritt einmal die Produktionsstätten ansehen und mich über die dort bereits gefertigten Maschinen informieren.“

Großportalfräsmaschinen in Gantry-Bauweise eignen sich besonders, um große, schwere und sperrige Werkstücke optimal zu bearbeiten
 Unter dem Markennamen Droop+Rein entstehen in Bielefeld Fräsmaschinen mit obenliegendem Gantry (FOG), die sich vor allem für extrem große Bauteile eignen

Die Großmaschinen der Starrag Group stammen in der Regel von der Tochter Dörries Scharmann Technologie GmbH (DST) mit Stammsitz in Mönchengladbachund in Bielefeld (Produktionsstätte der Marke Droop+Rein). Unter dem Markennamen Scharmann fertigt das Unternehmen etwa den Ecoliner zum Zerspanen von bis zu 30-m langen Aluminiumprofilen (Stringern) für Großflugzeuge. Unter dem Markennamen Droop+Rein entstehen in Bielefeld neben Portalfräsmaschinen beispielsweise Fräsmaschinen mit obenliegendem Gantry (FOG), die sich vor allem für extrem große Bauteile eignen. Die maximalen Verfahrwege betragen 42 m (X-Achse), 11,5 m (Y-Achse) und 4,0 m (Z-Achse).

Zum Herstellen der gigantischen Antriebsschraube eines amerikanischen U-Boots baute DST beispielsweise das weltweit größte 5-Achs-Fräsdrehzentrum mit einem Tisch von sieben Meter Durchmesser und zweimal 100 Kilowatt Antriebsleistung. Die Fräsdrehmaschine FOGS 7068 erhielt in Bielefeld spezielle, selbst entwickelte Dreh- und Fräsköpfe zum Drehen, Fräsen, Bohren und Gewindeschneiden der Nabe und zum Schruppen sowie Schlichten der Antriebsblätter. Auch dieses Extra ist ein typisches Merkmal von echten Großmaschinen. „Bei uns entstanden für alle Maschinentypen an die 300 verschiedene Fräsköpfe“, berichtet Ulrich Wiehagen, Werks- und Vertriebsleiter der Marke Droop+Rein in Bielefeld.

Dabei handelte es sich um eine Gemeinschaftsaktion der Marken Droop+Rein und Dörries. „Hier fahren wir zweigleisig“, beschreibt DST-Geschäftsführer Dr. Norbert Hennes die Strategie. „Setzt der Anwender mehr auf das Fräsen, kombinieren wir eine FOG mit einer Dörries-Tischeinheit zur Fräsdrehmaschine, überwiegt der Drehanteil, kann eine Dörries Drehmaschine mit bis zu 12 Meter Planscheiben im Standard auch zusätzlich Bohren, Fräsen und Schleifen.“

XL-Maschinen gelingen nur in der entsprechenden Produktionsumgebung. In Bielefeld steht eine Großmaschinenhalle mit einer Fläche von mehr als 6.000 m² und einer Höhe von 22 m, in Mönchengladbach besitzen die Produktionshallen eine Fläche von etwa 16.700 m². Ein weiteres Merkmal guter XL-Produktion sind flexible Entwickler mit viel Erfahrung im Großmaschinenbau, die bei Bedarf – siehe die Fräsdrehmaschine FOGS 7068 für die US-Navy – auch als gemischte Teams antreten.

Die Liste der häufig zusätzlich erforderlichen Leistungen ist lang und umfasst unter anderem: Methodenplanung, Arbeitszeitstudien, Werkzeugauslegung, Simulation auf virtueller Maschine, NC-Programmerstellung, Inbetriebnahme, Layout-Planung, Fundamentauslegung und -erstellung sowie Turn-key-Projekte.

Wahre Größe zeigt sich tatsächlich nicht auf den ersten Blick: Wer eine echte XL-Produktion wünscht, sollte also schon sehr genau hinsehen und sich auch mal eine Referenzliste zeigen lassen. Dr. Hennes: „Ich bin mir sicher, dass wir uns mit Blick auf unsere Referenzen aus der Luft- und Raumfahrt, dem Schiffsbau, der Energietechnik, der Automobilindustrie oder auch dem Maschinenbau in Sachen XL nicht verstecken müssen.“

Kontakt:

www.starrag.com