HAM Reibahlen für den Faktor fünf

Cermet-Hochgeschwindigkeits-Reibahlen schaffen Produktivitäts-Vorteile

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Als der Firmengründer Johannes Trissler 1921 begann, Strickmaschinen zu bauen, war die Marktlage gut und die Auftragsbücher prall gefüllt. In den 70er Jahren zeichneten sich tiefgreifende Strukturveränderungen in der gesamten deutschen Textilindustrie ab und der Markt begann wegzubrechen. Die Nachfolger des Firmengründers, Hermann Trissler und sein Geschäftspartner Fritz Kielkopf, reagierten, und weiteten ihr Portfolio als Zulieferer für Strick- und Textilmaschinen und allgemeinen Maschinenbau aus. In den 80er Jahren wurde die Produktion von Strickmaschinen schließlich komplett eingestellt.

Nehmen die Bearbeitungsergebnisse unter die Lupe (v.l.): Christel Dorau, Achim Schweikart, Technische Beratung und Verkauf HAM und Peter Dorau, Geschäftsführer von Trissler & Kielkopf.
Die innovative Reibahle im Einsatz bei der Bearbeitung von Metallplatten für Strickmaschinen.

Im Lauf der Jahre erarbeitete sich der Lohnfertiger einen guten Namen als zuverlässiger Lieferant, dessen große Erfahrung aus dem Eigenbau von Strickmaschinen zum Tragen kam. Zu den Kunden, die die Qualität und Zuverlässigkeit des Unternehmens schätzen, gehört auch die Stoll GmbH & Co. KG in Reutlingen, Weltmarktführer für vollelektronisch gesteuerte Flachstrickmaschinen. Trissler & Kielkopf wurde kürzlich von Stoll als A-Lieferant für Liefertreue, Top-Qualität und geringste Fehlerquote ausgezeichnet.

In den 90er Jahren zogen sich die Firmenbesitzer aus Altersgründen aus dem aktiven Geschäft zurück. Auf der Suche nach einem Nachfolger war schnell ein geeigneter Kandidat gefunden: Peter Dorau, der heute die Geschäfte gemeinsam mit seiner Frau Christel leitet, war bereits langjähriger Mitarbeiter in verantwortlicher Position. Das Ehepaar nahm die Herausforderung an. Es folgte eine Zeit tiefgreifender Umstrukturierungen. Umsatz und Kundenstamm wuchsen kontinuierlich und 1997 entschlossen sich die Geschäftsführer, eine neue Halle zu bauen und kräftig in einen modernen Maschinenpark zu investieren. Heute arbeiten zwölf qualifizierte Mitarbeiter an den CNC-Maschinen, von denen zwei mit einem Roboter zum automatischen Be- und Entladen ausgestattet sind. „Wir können Teile von wenigen Millimetern bis hin zu dreieinhalb Metern nach Zeichnung oder Datensatz fräsen“, beschreibt Peter Dorau die Bandbreite. Alle Maschinen bei Trissler und Kielkopf arbeiten mit Heidenhain-Steuerungen. „Das ermöglicht uns, die Mitarbeiter flexibel einzusetzen. Falls erforderlich, können sie auch an anderen Maschinen arbeiten, ohne sich mit einer neuen Steuerung beschäftigen zu müssen. Diese Regelung sorgt für die nötige Flexibilität und hat sich in der Praxis bewährt“, sagt Peter Dorau.

Nach wie vor liegt ein Schwerpunkt bei Trissler und Kielkopf in der Bearbeitung von Teilen für die Strickmaschinen von Stoll. Wichtige Komponenten sind spanabhebend gefertigte Metallplatten für die Strickmaschinen, die über zahlreiche Lochungen verfügen, in die später Stifte eingesetzt werden. „Wir bekommen die Platten vorgefertigt und übernehmen das Schleifen sowie die Fräs- und Bohrbearbeitung“, erklärt Peter Dorau. Zunehmend stehen auch Unternehmen aus Verpackungsindustrie und Umwelttechnik auf der Kundenliste des CNC-Bearbeitungsspezialisten, die um Sondermaschinen- und Vorrichtungsbau ergänzt wird. Zu den Stärken des agilen Mittelständlers gehört die hohe Flexibilität. „Wir fertigen Einzelteile ebenso wie Serien mit 5.000 Stück und mehr“, schildert Christel Dorau. Pro Monat werden so zwischen 300 und 400 Aufträge abgewickelt.

Die Fähigkeit von Trissler und Kielkopf, auf steigende und sich schnell verändernde Kundenanforderungen sowie verschärfte Wettbewerbsbedingungen beweglich zu reagieren, waren auch Achim Schweikart von der HAM Standard-Produktvertriebsgesellschaft Hartmann bekannt. Der Spezialist für Technische Beratung und Verkauf, seit Jahren mit den Reutlingern in guter Geschäftsverbindung, konnte dem Mittelständler eine Reibahlen-Neuheit anbieten, deren Entwicklung auf eine Mangelerscheinung zurückgeht. „Wir mussten bereits vor längerer Zeit feststellen, dass es immer schwieriger wurde, an Rohlinge für die Herstellung von Reibahlen zu gelangen. Möglicherweise wurde dieser Markt als zu wenig attraktiv angesehen und es gab keine entsprechenden Angebote mehr. Also haben wir intensiv nach Alternativen gesucht und es ist uns gelungen, selbst Rohlinge für Reibahlen zu produzieren“, schildert Schweikart.

Reibahle mit Spannhülse und in einbaufertigem Zustand (links).
Die Reibahle sollte in einem Hydrodehn-Spannfutter verbaut werden. Dadurch ist eine sehr hohe Rundlaufgenauigkeit gewährleistet.

Die Neuheit besteht aus einem speziell hergestellten Cermetkopf, der in einem Spezialverfahren mit einem VHM Schaft zusammengeführt wird. Eine Innenkühlung an Werkzeug und Spannhülse sorgt dafür, dass die Späne sauber entsorgt werden. „Das Kühlmittel gelangt sauber an die Schneide und die Späne werden zuverlässig abgeführt. Das ist beim Einsatz von Reibahlen eine extrem wichtige Voraussetzung“, sagt Schweikart. Die Reibahle wird in eine Spannhülse eingeführt und in einem handelsüblichen Hydrodehn-Spannfutter verbaut. „Dadurch ist eine hohe Rundlaufgenauigkeit gewährleistet.“ In der Neuentwicklung stecke eine Menge Spezialwissen und intensive Entwicklungsarbeit. Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. Achim Schweikart: „Mit dieser Reibahle sind wir Marktführer.“ Die Reibahlen lassen sich mit jedem Durchmesser kundenspezifisch herstellen.

Erste Tests führten die Präzisionswerkzeug-Spezialisten beim Strickmaschinen-Hersteller Stoll durch, wie Trissler & Kielkopf langjähriger Hartmann-Kunde. Die Reaktionen des Weltmarktführers waren überaus positiv. „In Reutlingen war man von den Testergebnissen begeistert. Stoll war gleich von Anfang an von der langen Standzeit der Werkzeuge überzeugt“, so Schweikart. „Deshalb habe ich unsere Neuheit auch Trissler und Kielkopf angeboten.“

Geschäftsführer Peter Dorau, wie seine Frau Christel neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, ließ sich nicht lange bitten und setzte die Reibahle zur Bearbeitung der Teile für Stoll ein. Mit gleich guten Ergebnissen wie beim Auftraggeber. „Die ganze Sache geht jetzt wesentlich schneller über die Bühne. Bei Durchmessern von 3P7 und 3E8 erreichen wir Vorschübe von 2.500 Millimetern pro Minute. Wir haben bei der Bearbeitungszeit des Reibens eine Verbesserung um den Faktor fünf erzielt“, freut sich Peter Dorau. Auch vom Durchhaltevermögen der Reibahlen war Dorau begeistert. „Bei niedrig legierten Stählen wie beispielsweise 16MnCr5 hat sich die Standzeit um den Faktor fünf und mehr erhöht.“ Waren früher 5.000 bis 6.000 Einsätze pro Reibahle bis zum Verschleiß üblich, sind heute zwischen 25.000 und 30.000 realisierbar, ehe das Werkzeug ausgetauscht werden muss. Seit April dieses Jahres kommen die Reibahlen der HAM Standard-Produktvertriebsgesellschaft Hartmann bei Trissler & Kielkopf mit großem Erfolg in verschiedenen Anwendungsfällen zum Einsatz.

Auch Christel Dorau ist von der Innovation begeistert. „In unserem Geschäftsbereich wird der Preis- und Wettbewerbsdruck aus Billiglohnländern immer größer. Da helfen solche pfiffigen Lösungen, unsere Position zu verbessern.“

Kontakt:

www.ham-tools.com