Heute werden Werkzeuge „tätowiert“

2D.ID-Verfahren bietet viele Vorteile

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Was ein Hammer oder eine Feile ist, weiss jeder. Doch modular entwickelten Werkzeugen sieht man nicht mehr ohne weiteres an, was ihr Hauptverwendungszweck ist. Mit dem technologischen Fortschritt steigt daher weltweit der Bedarf nach einer eindeutigen Identifikationslösung für Werkzeuge. Mit einem neu entwickelten Laser-Verfahren werden die Werkzeuge nun über einen Code im Internet identifizierbar.

Ein Komplettwerkzeug mit 2D.ID Code im Werkzeughalter
Lesen einer 2D.ID

Der Hersteller lasert auf jedes Werkzeug einen Code und stellt anschliessend auf dem Internetportal www.2d-ident.com die entsprechenden Informationen bereit. Der Nutzer wiederum kann diese Informationen unter dem "eintätowierten" Code seines Werkzeuges rund um die Uhr abrufen. Damit ist die Aktualität und Verfügbarkeit der relevanten Information gewährleistet. Mit dem Laserverfahren werden im Gegensatz zum herkömmlichen Radio-Frequency-Identification-Verfahren (RFID) die Werkzeuge dauerhaft durch den 2D-Code identifizierbar.

Tattoo ist besser als Implantat

Dieses so genannte 2D.ID-Verfahren ist gegenüber dem herkömmlichen Prozedere mit dem RFID-Chip überlegen. Ein RFID-Chip wird in einen Werkzeughalter eingebaut. Die hierfür notwendige Chip-Bohrung muss unter Umständen bei einem Werkzeughersteller dazugekauft werden. Für den Werkzeughersteller bedeutet dies einen zusätzlichen Aufwand im Herstellungsprozess. So ist zum Beispiel in einem Bauteil eine Ausgleichsbohrung für das zwingend notwendige Auswuchten vorzunehmen. RFID kann zwar im Gegensatz zur 2D.ID auch beschrieben werden, aber diese begrenzten Datenmengen befinden sich nur dezentral auf dem jeweiligen Datenträger. Die Methoden, wie die Daten vom Chip gelesen und auf den Chip geschrieben werden, sind beim RFID-Verfahren sehr individuell und müssen in jedem Schreib-/Lesegerät explizit konfiguriert werden. Eine Vereinheitlichung der Datenformate für alle Endgeräte ist schwer und meist nur durch Kompromisse möglich. Zudem muss während des gesamten Schreib-/Lesevorgangs der Chip stillstehend vor einem Lesekopf platziert sein.

Im Gegensatz zum RFID-Chip-Verfahren kann eine Identifizierung mit 2D.ID fliegend erfolgen. Und zwar unabhängig davon, ob ein Werkzeughersteller schon während des normalen Herstellungsprozess seine Produkte zusätzlich mit einem QR- oder DataMatrix-Code beschriftet hat oder dies nachträglich noch vornimmt. Mit 2D.ID kann die Abfrage mit handelsüblichen 2D-Codescannern erfolgen. Dabei ist es möglich, herstellerspezifische Zusatzinformationen für die Technik abzurufen, wie z.B. Schnittdaten, Anwendungsbereiche und Geometriedaten. Auch kaufmännische Informationen wie z. B. das Produktionsdatum können mit der Artikelnummer zentral über das 2D.ID-Internetportal abgerufen werden. Die Datenmenge ist nicht limitiert und die bereitgestellten Informationen können vom jeweiligen Hersteller selbst definiert werden. Auch dem Anwender ist es möglich, spezifische Informationen wie z. B. Soll-/Ist-Werte in einem datenbankbasierten Werkzeugverwaltungs-system zu hinterlegen.

2D-Standscanner mit Werkzeugvoreinstellgerät
Fachreferent K. Gossens präsentiert die 2D.ID integrierte Datenbanklösung dem Fachpublikum

Live-Demonstration bei +GF+ JRG

In einer Präsentation am 11. November 2013 wurde erstmalig das 2D.ID-Verfahren einem ausgewählten Fachpublikum im Hause der +GF+ JRG AG in Sissach vorgestellt. Fachreferent Kai Gossens, Entwicklungsleiter bei der MySolutions GmbH, konnte dem Publikum die Fakten und Vorteile einer 2D.ID in Verbindung mit dem Werkzeugverwaltungssystem "MyXPert ToolManager" praxisnah aufzeigen.

Wie man den Werkzeugen einen 2D.ID-Code "tätowiert", erläuterte Fachreferent Mike Machule, Produktmanager AxNum AG. Mit einer Lasermaschine von der AxNum AG beschriftete er einen Werkzeughalter mit einem 2D-Code, der auf dem 2D.ID-Internetportal weltweit eindeutig identifizierbar ist. Grundsätzlich können verschiedene Lasertechnologien zur Anwendung kommen. Und es lassen sich auch verschiedenste Materialien lasern, wie z. B. sämtliche Stahlsorten, gehärtete Stähle, Hartmetalle, Aluminium, Kunststoff, Gold, Silber, Platin, Keramik, usw.

Besonders überzeugt hat die Besucher der Fachpräsentation, dass ein stark abgenutzter 2D-Code durch eine moderne Lasermaschine wieder regeneriert werden kann. Nötig ist eine solche Rekonstruktion aber nur bei sehr starker Beschädigung des 2D-Codes. Und da die Daten im 2D-Code redundant enthalten sind, bleiben sogar beschädigte 2D.ID’s weiterhin lesbar.

Den meisten Teilnehmern war das neuartige Verfahren in der Werkzeugbranche noch unbekannt. Doch Peter Bausinger, Abteilung Arbeitsvorbereitung +GF+ JRG AG, hat das System bereits seit mehreren Jahren im Einsatz und konnte direkt Fragen vom Fachpublikum aus der täglichen Praxis beantworten. Dabei wurde deutlich, dass dieses Identifikationssystem auch für weitere Anwendungen nutzbar gemacht werden kann. So ist es möglich, mit der 2D.ID und der Datenbanklösung auch Online-Monitoring-Funktionen umzusetzen, z. B. für Wartungstätigkeiten im QM/QS-Bereich.

Als besonders nützlich könnte sich 2D.ID für Feuerlöscher, Kranseile und Notausgänge erweisen, da für solche sicherheitsrelevanten Betriebsmittel rechts- und beweissichere Dokumentationen hinterlegt werden müssen. So kann man in Kombination mit der 2D.ID der Datenbanklösung des "MyXPert ProductionManager" die Prüfintervalle für Zertifizierungen definieren und die Wartungsnachweise erbringen.

Das täglich wachsende 2D.ID-Internetportal bietet eine grundlegende Infrastruktur und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Hersteller und Endkunden von jeglichen industriellen Bauteilen gleichermassen. Es ist zu erwarten, dass es weiter anwächst.


Kontakt:

www.mysolutions-group.com