Drehteile aus der Hauptstadt

Unternehmensportrait der in Berlin ansässigen AFT Herzsprung GmbH, einem Hersteller von Dreh- und Frästeilen für einen breiten Anwendungsbereich.

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Hersteller für Dreh- und Frästeile sind vor allem in Süddeutschland weit verbreitet. Die Bundeshauptstadt Berlin ist jedoch weniger als Mekka der Zerspanungstechnik bekannt, zumal der Bedarf aufgrund der überschaubaren Ansiedlung potentieller Kunden, relativ gering ist.

Die AFT Herzsprung GmbH in Berlin Spandau
Herstellung von Drehteilen (Ø2-400mm) und Frästeilen bis 1000x600mm
Distanz- und Lagerhülsen die bei der Bahn-Technik deren Anwendung finden
Dreh- und Frästeilefertigung an Maschinen der High-Tech und Vesta-Serien des südkoreanischen Herstellers Hwacheon
Firmeninhaber und Tüftler Axel Herzsprung
Patentierter High-Tech-Dübel
Fertigungszentrum von Quaser
Breites Produktspektrum (siehe Bildgalerie)

Im Herzen des Stadtteils Spandau, auf dem ehemaligen Bosch-Gelände, unweit des Motorradwerkes von BMW, ist die Firma AFT Fertigungstechnik –Herzsprung GmbH angesiedelt. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen stellt Drehteile von 2 – 400mm Durchmesser, sowie Frästeile bis 1000 x 600mm her. Also ein breites Arbeitsfeld, zumal die Spandauer auch bei den Werkstoffen von Buntmetallen über Aluminium bis hin zu rostfreiem Stahl, sehr flexibel zerspanen.

Die in der Breite eher untypische Ausrichtung findet ihre Bestätigung in den vollen Auftragsbüchern der vergangenen Jahre. Seit 2009 hat das Unternehmen den Umsatz nahezu verdoppelt und freut sich auch aktuell über einen guten Auftragseingang der in verschiedensten Branchen angesiedelten Kunden, deren Nennung bzw. deren Produkte und Anforderungen aus rechtlichen Gründen, wie so oft, nicht genannt werden dürfen.

Ausnahme und interessantes Produktbeispiel von AFT Fertigungstechnik – Herzsprung sind z.B. Distanz- und Lagerhülsen für den Auftraggeber Freudenberg. Die Teile einer Produktfamilie werden in diversen Ausführungen hergestellt. Aus dem als Rohrmaterial angelieferten Basiswerkstoff, werden Einzelrohlinge gesägt, bevor diese zur Weiterbearbeitung an die Drehmaschine übergeben werden. Dort erfolgt eine klassische Drehzerspanung, deren Herausforderung zum einen in den Dimensionstoleranzen, zum anderen und überwiegend in den besonderen Rauheitsvorgaben bzw. der Oberflächenbeschaffenheit liegen. Der Grund für die besonderen Vorgaben des Kunden, ist die bei der Firma Freudenberg durchgeführte Kunststoffbeschichtung. Um deren Haftung und Haltbarkeit sicherzustellen, sind neben Rauheitsvorgaben von RA 0,2 auch das Drehbild bzw. dessen Struktur wichtige Voraussetzungen. Die beschichteten Endprodukte finden ihren Einsatz dann beim Endkunden Bahn-Technik. An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass das Unternehmen von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt für das Schweißen von Schienenfahrzeugen und –fahrzeugteilen Zertifiziert wurde.

Ein weiteres Beispiel der Vielseitigkeit des nach DIN ISO 9001 zertifizierten Unternehmens ist eine Entwicklung des Firmengründers Axel Herzsprung, der einen speziellen Metalldübel geschaffen hat, der z.B. bei der Sanierung von Gebäudefassaden enorme Einsparungen ermöglicht. Der patentierte und aus mehreren Dreh- und Frästeilen bestehende High-Tech-Dübel wird derzeit noch komplett im eigenen Unternehmen produziert. Bei diesen Teilen liegen die Produktanforderungen überwiegend im Bereich der Haltbarkeit unter extremen Bedingungen (Witterung), aber auch der Belastungen durch hohe Kräfte, und stellen dementsprechend eine Herausforderung an die Sicherung der Produktqualität vom Werkstoff bis zum fertigen Produkt.

Den 45 Mitarbeitern der Produktionen stehen eine Vielzahl von  CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen namhafter Hersteller wie Hwacheon, Nakamura-Tome, Quaser zur Verfütung, um die Aufträge und Anforderungen optimal zu erfüllen.

Schaut man sich auf der 4.000 qm großen Produktionsfläche um, fällt auf, dass weit und breit keine Maschinen deutscher Hersteller zu sehen sind. Auf die Gründe dafür angesprochen entgegnet der Firmeninhaber Axel Herzsprung:  „Wir haben gerade in unserer Startphase viele Hersteller und Produkte angeschaut und bewertet. Hauptsächlich aus Kostengründen haben wir uns dann aber dagegen und für die asiatischen Maschinen von Hwacheon und Nakamura entschieden. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren, da diese Maschinen auch in Qualität, Ausführung und Lebensdauer gleichwertig sind.“

Tatsächlich sind im gesamten Unternehmen 14 Maschinen des südkoreanischen Herstellers Hwacheon, sowie sieben Maschinen von Nakamura aus Japan zu sehen. Dazu kommen zwei neuen Fertigungszentren von Quaser aus Taiwan.  Sieht man von den neuen Maschinen der letzten drei Jahre ab, ist deutlich sichtbar, dass der Zahn des Mehrschichtbetriebs sowie die hohe Belastung durch die schwer zerspanbaren und schweren Teile, ihre Spuren hinterlassen haben. Für den Geschäftsführer, Klaus-Dieter Reucker ist dies aber überhaupt kein Problem: „Wir haben weder mit den neuen noch mit den betagteren Maschinen große Probleme“. Außer den üblichen Verschleißteilen und den turnusmäßigen Wartungsarbeiten haben wir geringe Ausfallzeiten, dies gild besonders für die "in die Jahre" gekommenen Maschinen. Die Qualität, Stabilität, Produktivität und auch der Service der Maschinen von Hwacheon und Nakamura waren für uns, wie sie an den neuen Maschinen sehen können, der Grund, an den Produkten dieser Hersteller festzuhalten“.

Auf die Ersatzteilversorgung angesprochen beteuern Inhaber und Geschäftsfürer unisono, dass die Versorgung über Hommel, und zwar in Bezug auf alle von Hommel im Maschinenpark befindlichen Fabrikate, bestens und kurzfristig funktioniert, und selbst für die betagteren Maschinen immer eine Ersatzteillösung gefunden wird. „Da werden wir wirklich gut und schnell betreut“, so Geschäftsführer Klaus-Dieter Reucker.

Für die nahe Zukunft plant die AFT-Herzsprung weiter zu investieren. Neben neuen Maschinen steht auch der Neubau einer Produktionshalle auf dem Investitionsplan. Zum einen aus Platzgründen aber auch aus logistischen Gründen. Die Möglichkeiten in der vorhandenen Produktionshalle sind in allen Belangen sehr begrenzt. Gerade die Bewegung der großen und schweren Teile fordert einen enormen Aufwand.
Ein weiterer und wichtiger Faktor ist das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter, dass in den vorhandenen Räumlichkeiten aus den bereits genannten Gründen nicht optimal ist. Wie in der gesamten Republik ist auch in Berlin und Umgebung der Fachkräftemangel ein kritisches Thema. Axel Herzprung: „Wenn wir gut ausgebildete Fachleute für unser Unternehmen gewinnen wollen,  müssen wir auch ein vernünftiges Arbeitsumfeld anbieten können“.

Fazit:
Der Vergleich mit einem High-Tech-Zerspanungsbetrieb zur Herstellung von Sicherheitsteilen für die Medizintechnik, Automobil- oder Luftfahrtindustrie wäre nicht angemessen. Doch die AFT Fertigungstechnik –Herzsprung GmbH als Grob- oder einfachen Schwerzerspaner zu bezeichnen wäre schlichtweg falsch. Die in Augenschein genommenen Dreh- und Frästeile sind in deren Anforderungen sehr anspruchsvoll. Vom sehr kleinen, dünnwandigen Dreh-Frästeil über schaufelradähnliche Teile bis hin zu den genannten Lager-und Distanzhülsen, fertigt das Unternehmen ein breites Spektrum mit einem hohen zerspanungstechnischen Know-How (Sorry! Keine Bilder da Geheimhaltung).  Und dies nicht im Süden Deutschlands, sondern in Berlin-Spandau.  

Weitere Bilder in der Mediagalerie


Kontakt:

www.aft-berlin.de

www.hommel-gruppe.de

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