Lothar Horn im Gespräch

Interview mit dem Geschäftsführer der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH zu Unternehmen, Mitarbeitern, Märkten und Zielen.

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 ZT Herr Horn, wie würden Sie selbst Ihr Unternehmen beschreiben?
Lothar Horn Wir sind ein junges, aufgeschlossenes, dynamisches und familiäres Unternehmen, wo der Mensch noch Mensch sein kann.
 ZT An dieser Stelle wird oft das Prädikat erfolgreich genannt?
Lothar Horn Ich denke der Erfolg ist ein Produkt der Menschen im Unternehmen. Der Mensch als Mittelpunkt und dessen Kreativität, Ideenreichtum und Freiheit, sind für mich die Basis des Erfolges.
 ZT Das heißt der Mensch steht für Sie im Mittelpunkt des Unternehmens?
Lothar Horn Wenn Sie das schreiben, glaubt das sowieso keiner. Aber ich stehe dazu.
Für mich ist der Mensch der wichtigste Faktor. Ohne Mitarbeiter geht gar nichts. Ich sehe Mitarbeiter als Ideenträger. Das setzt aber voraus, dass wir die Qualifizierung auch ständig vorantreiben müssen und die Mitarbeiter in vielen Belangen fördern.
Gehen Sie davon aus, dass wir in Deutschland in einigen Jahren viel weniger Leute sind. Deutschland wird, was die Produktionsleistung angeht, von Rang 5 weltweit in Richtung Rang 20 abrutschen.
 ZT Und welche Maßnahmen sind, um dieser Situation entgegenzuwirken, in Ihren Augen nötig?
Lothar Horn Wir müssen schauen, dass wir immer effektiver werden. Und effektiv können sie nur werden, wenn sie nicht nur gute, sondern die besten Mitarbeiter haben. Der Kampf um die besten Köpfe hat in vielen Bereichen schon längst begonnen. Das zieht sich in allen Sparten, Berufen und Tätigkeiten durch. Unser Anliegen ist, in allen Bereichen unsere Mitarbeiter zu qualifizieren, um die besten Köpfe zu haben und ihnen ein sehr gutes Arbeitsumfeld zu bieten.
 ZT War dies der Ansporn für Sie, die Horn-Akademie zu gründen?
Lothar Horn Ganz klares ja. Wir haben begonnen, verschiedene Zusatzqualifikationen, wie z.B. die von der IHK anerkannte und geprüfte „Industriefachkraft für Schneidwerkzeugtechnik“, auszubilden. Dazu kommen viele weitere Umschulungs- oder Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für alle Bereiche, nicht nur in fachlicher Hinsicht. Angefangen von allgemeinen Dingen wie der Anwendung von Software, bis hin zur persönlichen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter. Dabei sind wir erst am Anfang. Wir werden die räumlichen Voraussetzungen noch weiter ausbauen, um noch mehr Möglichkeiten zu schaffen.
 ZT In der Horn Akademie werden auch Seminare bzw. Fortbildungsmaßnahmen für externe Interessierte angeboten? Sind dies versteckte Verkaufsveranstaltungen oder liegt der Schwerpunkt tatsächlich in der Vermittlung von Fachwissen?
Lothar Horn Wir haben gerade erst eine Seminarserie zu den Themen Einstechen, Nutstoßen, Fräsen, Zirkularfräsen, Reiben, hochharte Schneidstoffe etc. abgeschlossen. Das Feedback der Teilnehmer war extrem gut und es wurden bereits Teilnehmerplätze für die nächste Seminarrunde gebucht.  Bei der Auswertung der Teilnehmerbewertungen wurde vor allem die Mischung aus Theorie und Praxisanwendung sehr positiv dargestellt. Dazu kommt, dass wir durch die kleinen Gruppen mit maximal 20 Teilnehmern sehr zielorientiert weiterbilden können. Klar versuchen wir die Vorteile unserer Produkte darzustellen. Aber im Vordergrund steht ganz klar die Vermittlung von Know-how.
 ZT Wie würden Sie das Jahr 2012 als Unternehmer bewerten und welche Prognose haben Sie für 2013?
Lothar Horn Ich würde 2012 im Vergleich zu 2011 gerade durch den Personalzuwachs als nicht ganz zufriedenstellend bezeichnen. Seit dem 1.1.2011 haben wir einen Personalzuwachs von ca. 25 Prozent. Natürlich hängt das auch von den Rahmenbedingungen bei unserer Kunden und ab. Ich denke 2013 wird das ähnlich aussehen.
Man muss aber auch sagen, dass wir im Vergleich zu 2008 ein Plus von 30% erreicht haben.  Also muss man der Fairness halber von einer positiven Basis sprechen.
In 2014 werden wir von den vielen Maßnahmen im Personalbereich und den Investitionen profitieren.
 ZT Horn hat in den vergangen Jahren sehr viel in Steine, Technologien und Ausbildung investiert. Wie sehen Ihre Investitionen für 2013 aus?
Lothar Horn Wir werden grundsätzlich weiter in Prozesse, Technologie und Ausbildung investieren. Dafür haben wir gerade erst ein Investitionsvolumen von 18 bis 20 Mio. Euro verabschiedet. Wir müssen weiter in Prozesse und Qualität investieren, um global wettbewerbsfähig zu sein.
 ZT Mit der EMO in Hannover steht 2013 ein absolutes Messe-Highlight an. Wie sehen Sie die EMO als Fachmesse?
Lothar Horn Ohne Diskussion ist die EMO in Hannover die Weltleitmesse Nr. 1 der Branche. Auf diese Plattform arbeiten alle Hersteller hin, um mit ihren Neuheiten präsent zu sein.
Wir haben noch acht Monate Zeit, um unsere Entwicklungen, an denen wir mit Hochdruck arbeiten, bis zur EMO abzuschließen und dort zu präsentieren. Wir freuen uns auf die EMO.
 ZT Von der Weltleitmesse zum Weltmarkt. Wie sind die globalen Aussichten?
Lothar Horn Ein Hautbereich der Zerspanungsbereiche ist die Automobilindustrie. In 2011 wurden in Deutschland und Europa die meisten Fahrzeuge produziert. 2012 waren es 7 bis 8% weniger. Laut Prognosen werden die Zahlen von 2011 in Deutschland frühestens wieder in 2016 erreicht. In anderen europäischen Länder vielleicht sogar später. Also erst einmal keine positiven Signale.
Auf der anderen Seite müssen wir auch sehen, das 2011 weltweit  63 Mio. und 2012 sogar 66 Mio. Fahrzeuge produziert wurden. Das weltweite Produktionsvolumen steigt überall auf der Welt, außer momentan in unseren Regionen. In 2020 sollen sogar weltweit 100 Mio. Fahrzeuge produziert werden. Das heißt für uns, dass wir mit unseren Produkten global positioniert sein müssen und werden.
 ZT Das Thema Elektro-Mobilität ist in aller Munde. Wird Ihnen als Zerspaner bei diesem Thema angst und bange, wenn Sie an den Wegfall vieler zu zerspanenden Motor- oder Getriebekomponenten denken?
Lothar Horn Im Moment weniger. Wir hatten das Ziel in Deutschland bis 2020 rund 1. Million E-Fahrzeuge zu haben. Betrachten wir den aktuellen Stand sehen wir ein Downsizing der bestehenden Modelle. Der 4-Zylinder-Motor wird durch neue Technologien wesentlich stärker und mehr gepusht. 
Sicher haben wir einen Anteil an E-Mobilität, der in den nächsten Jahren von 5 – 10 % liegen könnte. Wir haben aber auch einen Anteil an Hybrid-Technologie, der sich zwischen 15 und 25 % bewegen wird. Und die Gesamtheit der Fahrzeugvolumina steigt. Auch wenn der Verbrennungsanteil prozentual etwas sinkt, so wird das Volumen dennoch kompensiert. Gerade die Hybridtechnologie bringt durch, z. B. neue Materialien, sogar eine Steigerung im Zerspanungsbereich. Ich sehe im Moment eher den Weg nach oben.

Und eines ist sicher und das trifft für alle Präzisionshersteller zu: Kein Auto fährt, kein Flugzeug fliegt, kein Gelenk wird eingesetzt, ohne Präzisionswerkzeuge. Wir sind Zukunft!

 ZT Sie sind gerade als Präsident der VDMA Präzisionswerkzeuge wiedergewählt worden. Was sind Ihre Ziele als Verbandspräsident?
Lothar Horn Ich sehe in meiner Überzeugung als Unternehmer und im Amt als Präsident der VDMA-Präzisionswerkzeuge viele Parallelitäten. Wir sprechen in der Branche über Schlüsseltechnologien auf höchstem Niveau für Flugzeuge, Fahrzeuge, Medizintechnik und vielem mehr. Allerdings wird das in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen. Daher ist mein Antrieb, die Begeisterung für Technologie und Präzision zu forcieren und den Nachwuchs für unsere Branche zu gewinnen. Für unsere Zukunft sind die Mitarbeiter ganz wichtig.
 ZT Herr Horn, das hört sich schon alles, na ja, sehr positiv an. Ob als Verbandschef- oder Unternehmer. Sie werden nicht müde zu erwähnen, dass der  Mensch bzw. die Mitarbeiter für Sie im  Vordergrund stehen.
Lothar Horn Dazu stehe ich. Sie dürfen jederzeit in unserer Produktion mitarbeiten, um sich selbst ein Bild zu machen.
ZT

Ich komme gerne darauf zurück.
Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte: Frank Dietsche – Redakteur www.Zerspanungstechnik.de

Zur Person:
Lothar Horn wurde am 09.12.1956 in Waiblingen geboren. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Stuttgart war Lothar Horn in verschiedenen Unternehmen tätig, bis er 1991 in das elterliche Unternehmen, der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH in Tübingen, eingetreten ist. Bis 1993 war Herr Horn zunächst im Vertrieb Inland tätig. Von 1993 – 1999 übernahm er zusätzlich die Tätigkeiten des technischen Leiters und Produktionsleiters. Seit dem 01.01.1995 steht Lothar Horn dem Unternehmen als Geschäftsführer vor.

Seit September 2009 ist Herr Horn auch Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA. Zudem fungiert er als Beiratsmitglied der Messe Stuttgart und der Messe Leipzig.