TOOLING DAYS in Kapfenberg

Eine Bühne innovativer Lösungen für die Zerspanung

2018

Mehr als 100 internationale Teilnehmer trafen sich vom 13. bis 14. Juni 2012 in der Österreichischen Industriemetropole Kapfenberg zu den ersten TOOLING DAYS, um über zukünftige Aspekte der Produktivität, Effizienz sowie der Entwicklung neuer Technologien im Bereich Zerspanung zu sprechen. Während der 2-tägigen Veranstaltung gaben „Global Player“ aus den Bereichen Werkzeugstahl, Hartmetall, Beschichtungen und Werkzeugmanagement einen Überblick aus unterschiedlichen Erfahrungen, Strategien und Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Zerspanung.

Die TOOLING DAYS waren eine international hochkarätige Veranstaltung an der Fachhochschule Joanneum Kapfenberg. Organisiert wurde das Branchentreffen von AREA m styria mit Unterstützung durch Boehlerit, Böhler Edelstahl und oerlikon balzers. Im Mittelpunkt der zwei Veranstaltungstage standen die Herausforderungen an die Industrie aus globalen Veränderungen sowie Fortschritte in der Produktentwicklung, die ständige Verbesserungen an die zur Verfügung stehenden Werkstoffe, Methoden und Prozesse fordern. Neben Lothar Horn, dem Vorsitzenden des VDMA Präzisionswerkzeuge und Geschäftsführer der Paul Horn GmbH sowie Jacek Kruszynski, Geschäftsführer von Boehlerit und einer Reihe weiterer exzellenter Redner, repräsentierten vor allem Dr. Markus Tomaschitz, Vorstand für Forschung und Bildung bei der Magna International Europe AG, Manfred Kainz von der TCM International Tool Consulting & Management GmbH und Dr. Burghard Zeiler, Generalsekretär der internationalen Wolframindustrievereinigung, die technische und wirtschaftliche Kompetenz der TOOLING DAYS.

Auditorium in der FH Kapfenberg
 Jacek Kruszynski (GF Boehlerit)
Lothar Horn (VDMA Vorsitzender Präzisionswerkzeuge und GF Paul Horn GmbH)

Insgesamt bestätigten die Teilnehmer eine ausgewogene Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen und aktuellen Erfahrungsberichten aus der Industrie. In den Referaten wurde deutlich, wie entscheidend sich der rationelle Einsatz von perfekt arbeitenden Zerspanungswerkzeugen auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Spannend waren auch die wissenschaftlichen Ausführungen aus der Werkstoff- und Werkzeugbranche. Im Mittelpunkt standen dabei die Technologien im Nanobereich und die rasanten Entwicklungen neuer Materialien.

Neue Beschichtungen für moderne Werkstoffe

Die wichtigsten Werkstoffe sind nach Ansicht von Jacek Kruszynski, Geschäftsführer von Boehlerit, hochfester Stahl, Aluminium, Magnesium und kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, CFK. „Weil schwere Autos und Flugzeuge deutlich mehr Sprit benötigen als leichte, schlug man schon sehr früh den Weg in Richtung Leichtbauweise ein. Diese modernen Materialen stellen uns in der Zerspanung aber vor große Herausforderungen“, so Kruszynski. Schließlich weisen die Verstärkungen der leichten Materialien selbst eine sehr hohe Härte auf, die sich nachteilig auf den Verschleiß der Werkzeuge auswirkt. Gute Erfolge erzielte Boehlerit mit neuen Beschichtungen – sowohl im PVD als auch im CVD Bereich. Besonders erwähnte Kruszynski die mit Silizium angereicherten Aluminiumchromnitrit und Aluminiumtitannitrit-Beschichtungen. Deren hervorragende Warmhärte stellt sich vor allem bei der Fräsbearbeitung von Titanlegierungen als vorteilhaft heraus. Darüber hinaus erwähnte Kruszynski eine neuartige CVD Titandiborid Beschichtung, die ebenfalls eine sehr gute Warmhärte aufweist und sich ausgezeichnet zum Fräsen von Titanlegierungen eignet.

Wirtschaftsfaktor Werkzeug

Den ‘Wirtschaftsfaktor Werkzeug’ beleuchtete indes Lothar Horn, VDMA Vorsitzender Präzisionswerkzeuge und Geschäftsführer der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH in Baden-Württemberg. „Mehr als zehn Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich mit Präzisionswerkzeugen erwirtschaftet“, erläuterte Horn. Österreich ist als Handelspartner an vorderster Stelle mit dabei. Positiv zu vermerken ist ein durchwegs steigendes Produktionsvolumen, dem auf der Sollseite jedoch enorme Preissprünge bei den Rohstoffkosten um das bis zu Fünffache gegenüber stehen. In seinen Ausführungen sprach Horn auch den enormen Produktivitätsgewinn der vergangenen Jahrzehnte an, den er auf die immer höhere Maschinendynamik zurückführt. So stiegen etwa die Schnittwerte beim Drehen um bis zum Faktor 20 an, während gleichzeitig die Werkzeug-Wechselzeiten massiv abnahmen.

Als Trends in der Bearbeitungs- und Zerspanungstechnik nannte Horn vor allem die mehrspindlige Bearbeitung, das High Speed Cutting HSC bzw. High Performance Cutting HPC sowie Zeitreduzierungen durch Kombiwerkzeuge. Auf dem Sektor der Maschinenkonzepte sieht er den Trend zur Anwendung mehrerer unabhängiger Arbeitsspindeln, zu modularem Aufbau sowie zur Rekonfigurierbarkeit der Anlagen wie auch zu deutlich höherer Energieeffizienz. „Darüber hinaus werden moderne Beschichtungstechnologien neue Tore in der Bearbeitung von innovativen Werkstoffen öffnen“, prognostiziert Horn.

Industriemetropole Kapfenberg

„Kapfenberg ist nach Linz die zweitgrößte Industrieregion Österreichs, mehr als zwei Milliarden Euro werden jährlich erwirtschaftet, in den einzelnen Betrieben arbeiten rund 12.000 Personen“, fasste die Bürgermeisterin von Kapfenberg Brigitte Schwarz, während den TOOLING DAYS zusammen: „Stadt und Menschen sind von der Industrie geprägt und leben sehr gut damit. Kapfenberg hat nach Wien das zweithöchste Medianeinkommen in Österreich.“ Die Betriebe des Bezirks haben ein ähnlich hohes Beschäftigungsvolumen wie die ganz großen des Landes: Etwa Magna Steyr, Voest Alpine Bahnsysteme, AT&S oder die internationale Andritz Gruppe. Auch Landeshauptmann Franz Voves betonte die Stellung der Industrie: „Sie ist der Wachstums- und Jobmotor. Die Material- und Werkstofftechnologien sowie der Automotive-Cluster sind führend in ganz Österreich.“