Mit Vollgas in die Zukunft

4. Internationale Automobiltage bei der Walter AG in Tübingen

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Aktuelle Trends sowie neue Technologien und Entwicklungen in der Branche standen Ende November im Mittelpunkt der 4. Internationalen Automobiltage bei der Walter AG. Über 100 Teilnehmer aus 13 Nationen besuchten die zweitägige Veranstaltung am Firmensitz des Herstellers für Präzisionswerkzeuge in Tübingen. Namhafte Experten aus Industrie und Wissenschaft beschrieben in ihren Fachvorträgen vor allem, mit welchen Anforderungen Hersteller und Zulieferer in der Automobilindustrie bereits in naher Zukunft zu rechnen haben. Zu den Referenten zählten unter anderem Vertreter der Daimler AG, der J.G. WEISSER SÖHNE Werkzeugmaschinenfabrik GmbH & Co.KG, der MAG IAS GmbH, des Instituts für Automobilwirtschaft sowie der Technischen Universitäten Dortmund und Wien.

„Die Automobilindustrie der Zukunft wird globaler, ökologischer und vernetzter als heute sein“, so das Fazit von Professor Willi Diez. Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen beschrieb in seinem Vortrag die aktuelle Lage und Entwicklung der Branche. Der sich vollziehende Paradigmenwechsel im Automobilmarkt führt mehr und mehr weg von Attributen wie größer, schneller und teurer und geht in Richtung intelligenteres, effizienteres und wertbeständigeres Fahrzeug. Diese Entwicklung stellt sowohl die Hersteller als auch die Zulieferer der Branche vor neue Herausforderungen, denen es auf einer weltweiten Ebene zu begegnen gilt: „Der Automobilmarkt wird immer internationaler“, betont Professor Diez. „Die Internationalität des Teilnehmerkreises der Veranstaltung ist beeindruckend und ein gutes Zeichen dafür, dass Walter hier auf dem richtigen Weg ist, da sich das Unternehmen global aufgestellt hat.“

Bild 1: Bei den Live-Demonstrationen konnten sich die Teilnehmer von der Leistungsfähigkeit der Werkzeug-Lösungen für die Automobilindustrie und dem tiefen Branchen Know-how der Walter AG überzeugen.

„Die Kunden nutzen die Automobiltage vor allem zum Austausch und zum Dialog mit namhaften Experten der Branche“, so Andreas Evertz, Vorstandsvorsitzender der Walter AG. „Für uns als Lieferant und Partner spielt die Automobilindustrie eine besonders wichtige Rolle. Als Kompetenzführer in der Zerspanung ist es essentiell, die speziellen Anforderungen der Branche zu kennen. So sind wir als Komplettanbieter in der Lage, bereits heute Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln.“

Das breite Spektrum an Vorträgen beinhaltete zahlreiche sowohl wissenschaftliche als auch praktische Fachthemen. So sprach beispielsweise der Institutsvorstand der Technischen Universität Wien, Professor Dr. Friedrich Bleicher, über die Entwicklung von Transferzentren und ihre Einsatzmöglichkeiten für die Automobilbranche. Das Thema Toolmanagement in der LKW-Komponentenfertigung veranschaulichte Frieder Mathis, Leiter Benchmarkfabrik Motoren, Instandhaltung & Toolmanagement bei der Daimler AG in Mannheim. Werkzeug- und Prozessentwicklungen für die spanende Bearbeitung von Automobilkomponenten standen im Zentrum des Vortrags von Professor Dr. Dirk Biermann vom Institut für spanende Fertigung der Technischen Universität Dortmund. So beschrieb er unter anderem die Herausforderungen bei der Bearbeitung von Hochleistungswerkstoffen wie schwefelarmen und bainitischen Stählen sowie die Prozessoptimierung beim Drehen eines funktional gradierten Bauteils.

Welchen Beitrag die neue Kompentenzmarke Walter Multiply für eine effiziente Fertigung leistet, veranschaulichte Michael Schneider, Director Services & Engineering bei der Walter AG. In seinem Vortrag stellte er die verschiedenen Service-Module für den Planungsbereich, Produktion & Logistik, Instandhaltung und Trainings vor. Durch die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette bietet Walter Multiply als ganzheitliche Lösung ein vielfach höheres Potential zur Effizienz- und Kostenoptimierung als ein isolierter Ansatz.

Bild 2: Prof. Dirk Biermann von der Technischen Universität Dortmund beschrieb in seinem Vortrag die besonderen Herausforderungen bei Werkzeug- und Prozessentwicklungen für die spanende Bearbeitung von Automobilkomponenten.

Interessante Einblicke hinter die Kulissen der Produktion gab die Betriebsbesichtigung in Tübingen. Der Rundgang durch die Fertigung stellte anschaulich die einzelnen Schritte und Prozesse in der Praxis vom Rohling bis hin zum fertigen Werkzeug dar. Bei den Live-Demonstrationen im Technology Center konnten sich die Teilnehmer selbst ein Bild von der Leistungsfähigkeit der speziellen Werkzeug-Lösungen für die Automobilindustrie sowie dem tiefen Branchen Know-how der Walter AG machen. So wurde beispielsweise gezeigt, welche Werkzeuge bei der Bearbeitung eines Zylinderkopfes zum Einsatz kommen und welchen Beitrag diese für eine besonders wirtschaftliche Fertigung leisten. Ebenfalls auf dem Programm stand die Besichtigung des Produktionsstandortes Münsingen, an dem das Unternehmen im Jahr 2007 das weltweit modernste Wendeschneidplattenwerk errichtet hat.

Dass die Ausbildung bei der Walter AG einen hohen Stellenwert besitzt, verdeutlichte der Vortrag über das Projekt Velorex. Marc Gekle und Salvatore Sanfilippo, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, stellten die Instandsetzung eines alten motorisierten Dreirads aus der ehemaligen Tschechoslowakei vor, die in eigenständiger Projektarbeit von einer Gruppe Auszubildender des Unternehmens realisiert wurde. Das fertig restaurierte Fahrzeug konnten die Teilnehmer im Rahmen der Betriebsbesichtigung persönlich in Augenschein nehmen.

Bild 3: General a.D. Egon Ramms, früherer Kommandeur des Allied Joint Force Command der NATO, veranschaulichte dem Publikum die logistischen Herausforderungen des Einsatzes der NATO in Afghanistan.

Auch die Pausen zwischen den Fachvorträgen blieben nicht ungenutzt, sondern wurden ausgiebig dazu verwendet, in Gesprächen einzelne Vortragsthemen zu vertiefen und sich über die neuesten Trends und Technologien auszutauschen: „Die Veranstaltung hat mit ihren Vorträgen eine interessante und spannende Perspektive auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Automobilindustrie vermittelt“, fasst Alberto Danese, Process Engineering beim Walter-Kunden Iveco S.p.A. Defence Vehicles Division in Bozen, seine Eindrücke zusammen.

Ein Highlight der Veranstaltung war der Abschlussvortrag von General Egon Ramms, früherer Kommandeur des Allied Joint Force Command der NATO. Der Viersterne-General und diplomierte Maschinenbauer nahm die Zuhörer mit auf eine gedankliche Reise nach Afghanistan. In seinem spannenden Vortrag berichtete er über die aktuelle Lage im Land und die speziellen logistischen Herausforderungen, denen die NATO dort jeden Tag aufs Neue begegnet. In seiner Verabschiedung dankte der Vorstandsvorsitzende Andreas Evertz dem Referenten für die interessanten Einblicke in die Geschehnisse vor Ort und leitete über zur Automobilindustrie, die nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Anzahl an Zulieferern ebenfalls täglich logistische Meisterleistungen erbringt.

Kontakt:

www.walter-tools.com