Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet Produktionsminus für 2009

Unternehmen wollen Stammbelegschaft halten

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Für das kommende Jahr erwartet der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main, einen Rückgang der deutschen Werkzeugmaschinenproduktion um 15 Prozent. „Nach einem beispiellosen fünfjährigen Aufschwung schlagen sich nun die Produktionskürzungen der Abnehmer im In- und Ausland bei uns massiv nieder“, begründet Carl Martin Welcker, Vorsitzender des VDW, die Verbandsprognose. 30 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinenproduktion gehen in die Automobil- und die Automobilzulieferindustrie. Ausgelöst durch deren krisenhafte Entwicklung schrecken auch andere mittelständische Kundenkreise für Universal- und Standardmaschinen vor Investitionen zurück.

Der Werkzeugmaschinenbau ist als Schlüsseltechnologie für die Industrieproduktion ohnehin eine stark zyklische Branche. Ein allgemeiner Nachfragerückgang in den Anwenderindustrien mündet sehr schnell in Anpassungen dort geplanter Beschaffungsmaßnahmen. Zudem hat die Korrektur zahlreicher Prognosen nach unten, sowohl für die weltwirtschaftliche Entwicklung insgesamt als auch zahlreiche Einzelmärkte, die Kunden stark verunsichert und einen abrupten Umschwung bei den Bestellungen herbei geführt. Allein im Oktober sanken die Werkzeugmaschinenorders um 42 Prozent; in den zurückliegenden drei Monaten August bis Oktober um 23 Prozent.

Welcker macht jedoch auch deutlich, dass die Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland heute sehr viel besser aufgestellt ist als in vorangegangenen Abschwungphasen. Allein in den vergangenen drei Jahren hat die Branche um ein Drittel zugelegt. Bis Ende dieses Jahres wird sie mit weiteren 12 Prozent Plus auf rund 14 Mrd. Euro zum dritten Mal in Folge eigene Produktionsrekorde einstellen. „Ohne dieses erneute Spitzenergebnis und den ins kommende Jahr transferierbaren Auftragsüberhang würden sich die absehbaren Einschnitte in der Nachfrageentwicklung noch sehr viel drastischer auswirken“, ist Welcker überzeugt.

Zudem ist die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie im Weltmarkt technologisch sehr gut positioniert. Sie arbeitet an vielen Zukunftsprojekten ganz vorne mit, beispielsweise in der Energie- und Medizintechnik oder bei umweltfreundlichen, verbrauchsarmen Antriebstechnologien. Das bietet die Chance, im internationalen Wettbewerb besser abzuschneiden als andere.

Im zurückliegenden Boom haben die Firmen ihr Personal nur verhalten aufgebaut. Kapazitätsanpassungen werden daher zunächst über den Abbau von Zeitarbeit, flexible Arbeitszeitmodelle und ggf. Kurzarbeit vorgenommen. „Die Unternehmen werden in jedem Fall versuchen, ihre Stammbelegschaft zu halten. Unsere Ingenieure und Facharbeiter sind unser wichtigstes Potenzial“, betont Welcker.

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige und trägt maßgeblich zum Produktivitätsfortschritt in der Industrie bei. Durch ihre Schlüsselstellung in der industriellen Produktion ist ihre Entwicklung ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Industrie. Im vergangenen Jahr produzierte der deutsche Werkzeugmaschinenbau mit rd. 66 400 Beschäftigten (Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern) Maschinen und Dienstleistungen im Wert von 12,6 Mrd. Euro.

Quelle: VDW

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