Von Schäufele bis Schaufler

Werkzeugpower für den Kraftswerkssektor bei der WALTER AG Mit über 110 Fachexperten aus dem Kraftwerksbereich gut besucht: die 1. Internationalen Kraftwerkstage der WALTER AG in Tübingen

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Es ist mittlerweile schon Tradition, dass die WALTER AG am Ende eines Jahres zu einem internationalen Symposium und Erfahrungsaustausch einlädt. Erstmals fanden Ende 2005 bei dem Tübinger Hersteller von Präzisionswerkzeugen die internationalen Kraftwerkstage statt.

Das Programm war hochkarätig besetzt. Experten aus Wissenschaft und Praxis berichteten in Vorträgen über den Werkzeugeinsatz von der Schaufelfertigung bis zur Gehäuse- und Rotorenherstellung. Gast-Vorträge lieferten Prof. Dr. Klaus Weinert, Leiter des Instituts für Spanende Fertigung an der Universität Dortmund, sowie Prof. Dr. Josef Scherer, Leiter des Technologiezentrums bei ALSTOM.

Prof. Weinert vom ISF (Bild) ging in seinem Vortrag auf „schwerzerspanbare Werkstoffe“ ein. Er verwies darauf, stets den gesamten Zerspanungsprozess zu betrachten: „Zerspanbarkeit ist eine Systemgröße. Das System Zerspanung ist dem Werkstoff anzupassen.“ Um optimale Ergebnisse bei der Zerspanung zu erreichen, sei die Einbindung von Simulationsverfahren von großem Vorteil, beim Fräsen von Freiformflächen gar unumgänglich, um die exakte Spanungsform zu berechnen. Als Beispiel zeigte Prof. Weinert die Analyse der Formabweichungen bei einem Schaufelgesenk.

Professor Scherer (Bild) verweist zu Beginn seines Vortrages über moderne Schaufelfertigung darauf, dass der stetige Wandel, das einzig stabile bei ALSTOM sei. ALSTOM hat weltweit zahlreiche Fabriken für die Schaufelfertigung und ist in über 70 Ländern vertreten. Professor Scherer beschäftigt sich als Leiter des Technologiezentrums von ALSTOM seit vielen Jahren mit der Fertigung von Schaufeln. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen denn auch die unterschiedlichen Schaufelgeometrien bei Dampf- und Gasturbinen. So habe laut Professor Scherer in den zurückliegenden Jahren insbesondere die Komplexität bei der Schaufelgeometrie zugenommen, was zu einer enormen Schaufelvielfalt geführt hat. „Das Schaufelprofil sei heute wesentlich komplexer. Wir haben früher vorwiegend nach neuen Materialien und verbesserten Produktionsbedingungen gesucht, heute sehen wir uns besonders die Randbedingungen an, um die Produktivität noch steigern zu können“, sagt Professor Scherer. Die Arbeitszeit und die Effektivkosten seien zusehends wichtiger im Gesamtprozess der Schaufelfertigung. Hierzu zähle auch ein effektives Werkzeugmanagement. Schon seit mehreren Jahren nutzt ALSTOM die Software der TDM Systems GmbH: „Tool Data Management bringen viele Unternehmen lediglich mit der Verwaltung von Werkzeugdaten in Verbindung. Das ist für uns nur ein Nebenprodukt.“ ALSTOM setze TDM für den Technologietransfer ein, denn mit TDM seien die Werkzeuge fest mit einmal durchgeführten Prozessen verbunden.

„Ni Hao“ bei den Power Plant Days

Dr. h.c. Hermann Schaufler, Wirtschaftsminister a.D. von Baden-Württemberg (Bild), referierte über die Globalisierung am Energiemarkt. Er verwies in seinem Vortrag auf die beispielhafte Rolle Chinas und Indiens, die sich mehr und mehr zu technologischen Weltmächten entwickeln. „Wenn ich hier in die Runde sehe, wie viele Teilnehmer aus China angereist sind, dann muss man ja schon der Form halber „Ni Hao“ sagen. Verlierer im globalen Wettbewerb seien diejenigen, die zu lange planen. Und das eben sei ein Problem in Deutschland. Da greife Indien vehement ins weltweite Wirtschaftsgeschehen ein und „ein alter Kontinent tut sich damit schwer, obwohl wir so klamm gar nicht sein müssten, vom intellektuellen Niveau her betrachtet.“ Als Beispiel für ein deutsches Industrieunternehmen, welches sich schon frühzeitig internationale Märkte erschloss, permanent auf moderne Technologien setzt und mit Entscheidungen nicht lange zögert, verwies Dr. Schaufler auf die WALTER AG.

Weitere interessante Vorträge boten Matthias Fleischer, Produktmanager von Maschinenbauer Waldrich-Coburg, und Udo Kurth, Prokurist der Schweizer StarragHeckert. So berichtete Matthias Fleischer über die spezifischen Anforderungen eines Großmaschinenherstellers für die Kraftwerksindustrie. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand dabei die Gehäuse- und Rotorenfertigung. Udo Kurth von StarragHeckert ging auf zeitgemäße Maschinenkonzepte ein. „Das Werkstück ist der Ursprung der Konzeption“, so Udo Kurth. Er demonstrierte an sechs Beispielschaufeln, wie sich deren Bearbeitung unmittelbar auf das Maschinenkonzept auswirkt.

WALTER AG: Die 1919 gegründete, 1990 in eine AG umgewandelte Firmengruppe zählt weltweit zu den führenden Unternehmen der Metallbearbeitung. Sie entwickelt, produziert und vertreibt Werkzeuge mit auswechselbaren Hartmetallschneiden für die Metallzerspanung, speziell Bohren, Fräsen und Drehen. Ihr Stammsitz befindet sich in Tübingen, wo auch knapp die Hälfte ihrer rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt ist. Ihre Tochtergesellschaften und Vertriebspartner sind in verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten präsent.

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