Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland Juni 2005

Die Wirtschaftsleistung der deutschen Volkswirtschaft ist im ersten Quartal des Jahres 2005 kräftig gestiegen.

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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm preis-, saison- und kalenderbereinigt[1] in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem vierten Quartal 2004 um 1,0% zu. Aufgrund der Kalenderbereinigung könnten zwar das Jahresendquartal etwas unter- und das erste Quartal 2005 etwas überzeichnet sein. Der tatsächliche Konjunkturverlauf wäre demnach etwas glatter als ausgewiesen. Aber auch dann wäre das BIP im ersten Quartal 2005 noch überaus kräftig gestiegen.

Binnen- und Außenkonjunktur zeichnen dabei nach wie vor ein sehr uneinheitliches Bild. Das Wachstum wurde im ersten Quartal bei kräftig steigenden Exporten und leicht rückläufigen Importen von der Außenwirtschaft getragen. Der Außenhandelsüberschuss hat bei saison- und kalenderbereinigter Betrachtung gegenüber dem Vorquartal real mit 1,6%-Punkten zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beigetragen. Die inländische Verwendung schwächte sich gegenüber dem Vorquartal um 0,6% ab. Die Bauinvestitionen gingen um 3,9% und der Private Konsum leicht um 0,2% zurück. Positiv entwickelten sich dagegen die Investitionen in Ausrüstungen (+0,9%) und in Sonstige Anlagen (+0,9%).

Auf der Entstehungsseite trugen vor allem das Verarbeitende Gewerbe sowie der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr zum BIP-Wachstum bei. Die Bruttowertschöpfung dieser Bereiche erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal um 2,2% bzw. 2,5%. Der Bereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen verzeichnete einen Zuwachs der Bruttowertschöpfung von 1,2%. Im Baugewerbe minderte sich dagegen die Bruttowertschöpfung, auch aufgrund des ungünstigen Bauwetters, deutlich (-5,1 %) gegenüber dem Vorquartal.

Der insgesamt gute Start ins Jahr 2005 setzte sich im Produzierenden Gewerbe fort. Die Industrieproduktion stieg im April preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,6% und liegt deutlich oberhalb ihres Niveaus vom zweiten Halbjahr 2004. Zur guten Entwicklung der Industrieproduktion im laufenden Jahr haben vor allem die Investitionsgüter- aber auch die Konsumgüter- und die Vorleistungsgüterproduktion beigetragen. Die Auftragseingänge in der Industrie schwankten in den vergangenen Monaten dagegen stark und waren seit dem zweiten Halbjahr 2004 in der Tendenz eher seitwärts gerichtet. Das Bauhauptgewerbe konnte im April die witterungsbedingten Produktionsausfälle der Vormonate kompensieren und seine Produktion außerordentlich kräftig steigern (+18,6%).

Die Stimmungsindikatoren sind in ihrer Gesamtheit etwas eingetrübt. Das ifo-Geschäftsklima für die Gewerbliche Wirtschaft schwächte sich im Mai leicht ab. Der ZEW-Konjunkturindikator ging im selben Monat zurück, nachdem er bis März vier Mal in Folge angestiegen war. Das GfK-Konsumklima sank zuletzt zweimal in Folge leicht.

Die Außenhandelszahlen schwankten in den vergangenen Monaten kräftig. Die Warenausfuhr ist im April saisonbereinigt leicht zurückgegangen. Insgesamt ist seit Mitte vergangenen Jahres eine deutliche Verlangsamung des Exportwachstums festzustellen. Die Euroaufwertung und das etwas schwächere Expansionstempo der Weltkonjunktur machen sich bemerkbar. Dies zeigt sich auch an den im April rückläufigen Auftragseingängen für industrielle Erzeugnisse aus dem Ausland. Die im Rahmen des ifo-Konjunkturtests ermittelten Exporterwartungen der Unternehmen signalisieren aber auch für die nächsten Monate eine Zunahme der Warenausfuhren. Insgesamt bleibt der Trend der Ausfuhrentwicklung aufwärts gerichtet. Die nominellen Wareneinfuhren sind von März auf April saisonbereinigt um 3,8% gestiegen. Nach starkem Anstieg im zweiten Halbjahr 2004 waren die Importe im laufenden Jahr bislang allerdings leicht zurück gegangen.

Die leichte Belebung des privaten Konsums in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres hat sich im ersten Quartal 2005 nicht fortgesetzt. Die Privaten Konsumausgaben gingen real um 0,2% zum Vorquartal zurück. Für den weiteren Verlauf liefern die aktuellen Indikatoren eher uneinheitliche Signale. Die Einzelhandelsumsätze sind im April im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 1,5% zurückgegangen, nachdem sie sich im ersten Quartal auf Vorjahresniveau gehalten hatten. Die PKW-Neuzulassungen sind im April und Mai im Vergleich zum Vorjahr dagegen kräftig gestiegen. Ein Signal für eine moderate Belebung des privaten Konsums in den kommenden Monaten bleibt die kontinuierliche Belebung der Inlandsnachfrage bei den Konsumgüterherstellern in den letzten sieben Monaten.

Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt sind nach wie vor stark durch die Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen beeinflusst. Die seit Anfang 2004 steigende Zahl der Erwerbstätigen (Inländerkonzept) hat sich im April gegenüber dem Vorjahr weiter um 131.000 auf 38,756 Millionen erhöht. Der positive Vorjahresabstand verringerte sich in den letzten Monaten allerdings. Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen stieg von März auf April um 9.000. Die Zunahme der Erwerbstätigkeit ist weiterhin vor allem auf die steigende Zahl von Minijobs, Existenzgründungen (insbesondere Ich-AGs) und Arbeitsgelegenheiten zurückzuführen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt hingegen weiter ab. Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) ermittelte registrierte Arbeitslosigkeit ging von März auf Mai um 161.000 auf 4,807 Millionen Personen zurück. Die Arbeitslosenquote lag im Mai bei 11,6%. Im saisonbereinigten Verlauf hat sich die Arbeitslosigkeit zum Vormonat nicht verändert. Die BA schätzt, dass sich von April auf Mai die verschiedenen statistischen Sondereffekte im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende nahezu ausgeglichen haben. Nach den vom Statistischen Bundesamt entsprechend dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) ermittelten Daten waren im April bundesweit 4,33 Millionen Personen erwerbslos (März 4,30 Millionen). Die Arbeitslosenquote nach IAO-Standard betrug 10,1% (März 10,0%).

Die Preisentwicklung in Deutschland wird weiterhin in erster Linie durch Sonderfaktoren bestimmt. Neben dem anhaltenden Preisauftrieb bei Öl und wichtigen Metallen prägten auf der Verbraucherstufe vor allem saisonbestimmte Preisveränderungen die Entwicklung. Das allgemeine Preisklima ist insgesamt vergleichsweise ruhig und auch in den kommenden Monaten dürfte sich unter Berücksichtigung der verschiedenen Sonderfaktoren hieran wenig ändern.

[1] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den in diesem Bericht verwendeten saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Census-X-12-ARIMA Verfahren.