Deutscher Werkzeugmaschinenbau schwenkt auf Wachstumskurs ein

Deutschland wieder Produktionsweltmeister - Risiken bleiben bestehen

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Frankfurt am Main, 13. Januar 2004. – Für 2004 erwartet der deutsche Werkzeugmaschinenbau wieder Wachstum. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) rechnet mit einem Produktionsanstieg von 4 % auf 9,2 Mrd. Euro. Das berichtete Carl Martin Welcker, neuer Vorsitzender des VDW, anlässlich der Jahrespressekonferenz des Branchenverbands in Frankfurt am Main.

Die optimistische Einschätzung für 2004 stützt sich vor allem auf die Entwicklung des Geschäftsklimas und des Auftragseingangs. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate, signalisieren in den wichtigen Absatzregionen Nordamerika und insbesondere Asien eine positive Entwicklung. „Allerdings liegt die Stimmung im wichtigsten Markt Westeuropa noch unter dem langjährigen Durchschnitt“, bedauerte Welcker. In den großen Abnehmerbranchen in Deutschland hat sich das Klima Ende des Jahres ebenfalls deutlich verbessert.

Steigender Zuversicht bei den Abnehmern folgt der Auftragseingang im Werkzeugmaschinenbau gut ein halbes Jahr später. Für das Gesamtjahr 2003 rechnet der VDW mit einem Rückgang der Bestellungen um 5%. Dabei notiert das Inland voraussichtlich mit einem Verlust von 15% und das Ausland mit einem Zuwachs von 5%. Insgesamt habe der Auftragseingang seinen Wendepunkt Mitte des vergangenen Jahres erreicht, so Welcker.

In den ersten drei Quartalen explodierten die Bestellungen aus China. Damit rangierte der seit vielen Jahren für deutsche Werkzeugmaschinen größte Markt USA mit einem neuerlichen Rückgang von 17% einstweilen auf Platz zwei unter den 10 wichtigsten Kunden. Russland landete erstmals seit der Ostöffnung wieder unter den 10 größten Bestellern, Tendenz weiter steigend.

Auslandsgeschäft hat 2003 den Rücken gestärkt

2003 verlief weltweit und in Deutschland für den Werkzeugmaschinenbau enttäuschend. Für die Werkzeugmaschinenproduktion müsse daher ein Rückgang von 8% auf 8,8 Mrd. Euro hingenommen werden.

Das Auslandsgeschäft habe der Branche nach Welcker wieder einmal den Rücken gestärkt. Der Export sank insgesamt nur um 3 % auf rd. 5,2 Mrd. Euro, während der Inlandsabsatz 14 % verlor und noch 3,6 Mrd. Euro ausmachte. Der nach wie vor größte Markt waren trotz eines abermaligen Rückgangs von 8% die USA. China konnte in den ersten drei Quartalen 2003 seine Stellung als zweitwichtigster Markt mit einem Zuwachs von 50% deutlich ausbauen.

Rückläufig waren sowohl der Werkzeugmaschinenverbrauch um 14% als auch der Import um 13%.

Im dritten Quartal beschäftigte der deutsche Werkzeugmaschinenbau 63 700 Männer und Frauen. Das waren 6% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Auftragsbestand hatte im Oktober wieder leicht auf 6,4 Monate angezogen. Die Kapazitätsauslastung lag Ende des dritten Quartals bei 83% gegenüber 80% drei Monate zuvor.

Deutscher Werkzeugmaschinenbau bleibt Produktionsweltmeister

Im internationalen Wettbewerb hat sich Deutschland gut behauptet. In Euro gerechnet ist die Weltproduktion gemäß VDW-Schätzung um 5% gesunken. Mit einem Anteil von 21% ist Deutschland jedoch nach wie vor Nummer 1 vor Japan und Italien. Der Abstand zum Wettbewerber Japan schrumpfte jedoch von 5 auf 2 Prozentpunkte.

China ist mittlerweile unangefochten der weltweit größte Absatzmarkt für Werkzeugmaschinen. Deutschland folgte mit 9 Prozentpunkten Abstand und einem Anteil von 12% auf dem zweiten Platz. Auch im Export belegten die deutschen Werkzeugmaschinen den zweiten Rang nach Japan, das einen Zuwachs von 5% erzielen konnte. Beim Import schließlich rangierte Deutschland mit 1,4 Mrd. Euro auf Platz drei im Weltranking nach China und den USA.

Starker Euro bereitet Sorgen

Große Sorgen bereitet dem Werkzeugmaschinenbau die Euro-Wechselkursentwicklung. Anders als in der Öffentlichkeit diskutiert, macht jedoch nicht nur die schnelle Abwertung des US-Dollar Probleme, sondern vor allem auch der schwächere japanische Yen. Während der starke Euro vor allem die Preisgestaltungsmöglichkeiten der Unternehmen beeinträchtigt und damit negativ auf ihre Erträge wirkt, ist der Absatz von Werkzeugmaschinen z.B. in die USA stärker von der Nachfrage und den Konjunkturperspektiven abhängig. „Auf Grund der zahlreichen kundenspezifischen Lösungen spielen Qualität und Technologie für den Kauf deutscher Werkzeugmaschinen häufig eine wichtigere Rolle als der Preis“, erklärte Welcker. Ein anderer wichtiger Aspekt sei die Wettbewerbssituation. Der stärkste Wettbewerb sitzt häufig in Deutschland selbst oder eben in Japan. Seit dem Tiefststand Ende 2000 hat der Euro gegenüber dem Yen wieder deutlich zugelegt. Damit kann die japanische Konkurrenz ihre Produkte in Euro-Land erheblich billiger anbieten. Auch auf dem amerikanischen Markt verlieren deutsche Anbieter gegenüber den Japanern, weil der Euro gegenüber dem Dollar relativ stärker aufgewertet hat als der Yen.

Reformen im Inland weiter vorantreiben

Ein zweites Risiko für die positive Entwicklung sieht der deutsche Werkzeugmaschinenbau in nachlassenden Reformbemühungen im Inland. „Im vergangenen Jahr ist es nicht gelungen, die innenpolitischen Weichen dauerhaft für mehr Wachstum und Beschäftigung zu stellen“, ergänzte Diether Klingelnberg, VDMA-Präsident und Vorsitzender des VDW-Ausschusses Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf der VDW-Pressekonferenz. Trotz zahlreicher mutiger Reformvorschläge sei es bei den drängendsten Strukturreformen nicht gelungen, den Reformstau zu lösen.

Beim Arbeitsmarkt habe es die Politik versäumt, Rechtssicherheit für die betrieblichen Bündnisse für Arbeit herzustellen. Beim Kündigungsschutz sei sie nicht mutig genug vorangegangen und hinter der Regelung von 1998 zurückgeblieben. Durch Verschärfungen in der Steuerpolitik seien Investitionen in Deutschland unattraktiver denn je geworden. Beim Sub-ventionsabbau fehle ein mutiger und glaubwürdiger Schritt, mit dem die Politik wieder mehr Gestaltungsfreiheit in der Finanzpolitik zurück gewinnen könne. Gleichzeitig stehen Deutschland, die Unternehmen und die Beschäftigten im härtesten globalen Wettbewerb. Um ihn dauerhaft bestehen zu können, müssten einschneidende Strukturreformen am Arbeitsmarkt, bei Steuern, den sozialen Sicherungssystemen und vor allem auch im Bildungssystem erst noch auf den Weg gebracht werden, so Klingelnberg.