2004: Produktionsanstieg von zwei Prozent erwartet

"Für das Jahr 2004 rechnet der Maschinen- und Anlagenbau mit einem realen Produktionsanstieg von zwei Prozent", erklärte Diether Klingelnberg, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), in Frankfurt.

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Damit würde die Branche wieder das Niveau des Jahres 2002 erreichen. Für überschäumenden Optimismus gebe es gegenwärtig keinen Anlass, so Klingelnberg. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Es wird aber noch einige Monate, wenn nicht gar Quartale dauern, bis aus dem ersten Anschub auch ein Aufschwung wird“, dämpfte der VDMA-Präsident überzogene Erwartungen.

In den vergangenen Wochen hätten sich die Zeichen für ein weltweites Anziehen der Konjunktur vermehrt. Einige aussagekräftige Frühindikatoren wie der US-Einkaufsmanagerindex, das Weltkonjunkturklima, das ifo-Geschäftsklima und die ZEW-Konjunkturerwartungen hätten in den vergangenen Wochen, angetrieben durch eine expansive Geldpolitik und die Stabilisierung an den Aktienmärkten, zum Teil kräftig zugelegt. Hinzu komme eine ungebrochene Dynamik in einigen wichtigen Wachstumsmärkten des deutschen Maschinenbaus, allen voran der Volksrepublik China, die in diesem Jahr zum drittgrößten Exportmarkt für deutsche Maschinen aufsteige.

Auf der anderen Seite laufe die Konjunktur in den Hauptabsatzmärkten nicht stabil genug, um Entwarnung zu geben. Es gebe insbesondere im Inland noch ein hohes Maß an Unsicherheit, so dass es selbst in einem positiveren Umfeld zumindest in der Anfangsphase mit der Konjunktur nur in Trippelschritten aufwärts gehen dürfte.

Quelle des Erfolgs liegt im Ausland

„Die Musik für unsere Unternehmen spielt zunehmend im Ausland“, lokalisierte der VDMA-Präsident die Erfolgsquelle. Der Anteil der Maschinenexporte an der deutschen Produktion sei binnen zehn Jahren von 53 Prozent (1992) auf 68 Prozent (2002) gestiegen. Im vergangenen Jahr habe der deutsche Maschinenbau seinen Platz als Champion in der Weltliga der Maschinenexporteure wieder einmal erfolgreich verteidigt. Mit einem Anteil von 19 Prozent des Weltexports der wichtigsten Maschinenlieferländer lag Deutschland 2002 deutlich vor den USA (14,9 Prozent), Japan (12,2 Prozent) und Italien (9,7 Prozent). Diese Spitzenstellung gelte es zu verteidigen.

Zum anderen verstärkten immer mehr Unternehmen auch aus dem Mittelstand ihre Auslandspräsenz: Die Direktinvestitionsbestände des deutschen Maschinenbaus im Ausland haben sich zwischen 1990 und 2001 mehr als verdoppelt. Mindestens jeder siebte vom Maschinenbau investierte Euro fließe ins Ausland. Rund ein Drittel dieses Engagements entfiele auf ausländische Produktionsstätten. Schon heute feile jeder zweite Maschinen- und Anlagenbauer an Plänen, künftig mehr im Ausland zu fertigen. Ursache hierfür seien vor allem die Höhe der Steuern und Gebühren, die steigenden Personalzusatzkosten sowie das überaus starre Arbeitsmarktkorsett. „Der deutsche Maschinenbau schafft Arbeitsplätze – aber überwiegend im Ausland.“

Deutschland muss Bremsen am Arbeitsmarkt beseitigen

Insbesondere Deutschland brauche endlich wieder ein Klima, „in dem sich Investitionen rechnen und die Schaffung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze möglich ist.“ Es gehe vor allem darum, den Unternehmen Planungssicherheit zu geben. „Wenn es nicht gelingt, Investitionsentscheidungen für uns in Deutschland zu gewinnen, sind in den nächsten Jahren Tausende von Arbeitsplätzen in Gefahr.“

Dabei sei der aktuelle Rückgang der Mitarbeiterzahlen verglichen mit der Situation 1992 bis1994 noch moderat. Für die Unternehmen der Branche sei entscheidend gewesen, dass sie trotz aller Begrenzungen durch gesetzliche Vorschriften und Tarifverträge auf betrieblicher Ebene Vereinbarungen geschlossen hätten, die ihnen Anpassungen an die veränderte Situation auch ohne Entlassungen erlaubten. Dieses sogenannte „Atmen über die Strecke“ erfolge nur in vielen Fällen in einer kritischen rechtlichen Grauzone, da die gesetzlichen Vorschriften derartige Vereinbarungen weitestgehend verbieten.

In diesem Zusammenhang wies der VDMA deutlich darauf hin, dass er den von der Unionsfraktion in diesem Zusammenhang geplanten neuen Paragraphen 88a des Betriebsverfassungsgesetzes, der betriebliche Bündnisse für Arbeit regeln soll, für absolut unzureichend halte. Auch diese Vorschrift verbiete eigenständige Vereinbarungen auf betrieblicher Ebene, denn ohne die Zustimmung beider Tarifvertragsparteien gehe gar nichts. „Ich kann die Politik nur erneut ausdrücklich auffordern, endlich die Bremsen am Arbeitsmarkt zu beseitigen, auch wenn sie damit in die angestammten Reviere der Tarifvertragsparteien eingreift,“ so VDMA-Präsident Klingelnberg.

Rücknahme der Prognose für 2003 auf minus zwei Prozent

Für das Jahr 2003 sei nicht damit zu rechnen, dass die Produktion in den verbleibenden Monaten noch nennenswert an Fahrt gewinnen würde. „In etlichen Betrieben sieht es noch duster aus. Insbesondere im Exportgeschäft gab es Rückschläge, die wir so nicht erwartet hatten“, kommentierte Klingelnberg die aktuelle Lage. Der VDMA hatte deshalb bereits Ende August seine Prognose für 2003 von „plus Null“ auf „minus zwei Prozent“ zurück genommen.

Von Herbst 2002 bis einschließlich Juni 2003 hätten die Aufträge das Umsatzniveau zum Teil deutlich verfehlt. Der Produktionszuwachs des ersten Quartals 2003 von fast zwei Prozent schrumpfte im zweiten Quartal zu einem Rückgang von mehr als fünf Prozent. Kumuliert für das gesamte erste Halbjahr stände ein Minus von zwei Prozent. Die Kapazitätsauslastung sackte ab auf 82 Prozent, den niedrigsten Wert seit September 1994. Die Zahl der Beschäftigten sank im ersten Halbjahr 2003 um 15.000 auf jetzt 884.000 Mitarbeiter.

Quelle: VDMA
FDZT