Aktuelle wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektro-Industrie. Stand 17.07.2002

Die M+E-Konjunktur scheint mittlerweile die Talsohle durchschritten zu haben.

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Auftragseingänge und Produktion haben wieder etwas angezogen.
Auch die Ergebnisse des IfO-Konjunkturtestes deuten darauf hin,
dass sich die Aufwärtsentwicklung im weiteren Jahresverlauf fortsetzten wird, wenn auch ohne grosse Dynamik.
Die Beschäftigung hinkt naturgemäss hinterher.
Eine Ende des Personalabbaus ist noch nicht in Sicht.

Auftragseingang.
Vom 4. Quartal 2000 bis zum 4. Quartal 2001 sank die Nachfrage nach M+E-Erzeugnissen um satte zehn Prozent.
Die Inlandsbestellungen verloren knapp acht Prozent, die Exportorders rund zwölf Prozent.
Danach stiegen die Bestelleingänge wieder an, bis April/Mai um rund fünf Prozent.
Schönheitsfehler: Der Zuwachs kam allein aus dem Export. Das Inlandsgeschäft liegt nach wie vor am Boden.

Produktion.
Die Produktion folgt den Bestellungen in einem Zeitabstand von ein bis zwei Quartalen.
Saison- und kalenderbereinigt sank sie vom 1. Quartal 2001 bis zum 1. Quartal 2002 um rund neun Prozent.
Hier brachte der April/Mai erstmals wieder ein leichtes Plus von knapp 1½ Prozent.

Beschäftigung.
Seit Mitte 2001 sinkt die Beschäftigtenzahl der M+E-Industrie, bis Mai 2002 um 2,0 Prozent.
Damit haben die Unternehmen deutlich weniger Personal abgebaut,
als von der Produktionsseite her anzeigt gewesen wäre.
Eine Wende in der Beschäftigtenentwicklung noch in diesem Jahr ist wenig wahrscheinlich.
Die Firmen werden in einem neuen Aufschwung erst einmal die vorhandenen Beschäftigungsreserven nutzen.
Darüber hinaus zwingen die hohen Tarifabschlüsse zu verstärkter Rationalisierung.

Arbeitsmarkt.
Der Abbau der Arbeitslosenzahl ging bis September 2001.
Die Besserung gegenüber Vorjahr war aber schon in den Monaten davor immer mehr weg geschmolzen.
Danach kippte die Entwicklung endgültig ins Negative.
Ende Juni 2002 wurden in den M+E-Berufen 468.200 Arbeitslose gezählt, 14 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auf der anderen Seite sind bei den Arbeitsämtern 68.500 offene Stellen gemeldet.
Da nur jede dritte freie Stelle gemeldet wird, liegt die wahre Zahl der Vakanzen bei rund 200.000 .
Immer mehr Firmen versuchen mit Kurzarbeit Arbeitsplätze zu sichern.
Im ersten Halbjahr 2002 hatte die M+E-Industrie durchschnittlich 95.000 Kurzarbeiter.

Verdienste.
Die Bruttoverdienste je Beschäftigten waren im Durchschnitt der ersten fünf Monate
2002 um 0,6 Prozent höher als im Vorjahr.
Einkommensmindernd wirkten die Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden.

Kosten.
Seit Mitte 2001 gehen die Lohnstückkosten in der M+E-Industrie wieder nach oben.
In diesem Jahr hat sich der Kostenanstieg weiter verschärft.
In den ersten fünf Monaten 2002 waren die Lohnstückkosten um acht Prozent höher als in der selben Zeit des Vorjahres.
Wegen der Häufung von Feier- und Urlaubstagen ist der Anstieg allerdings etwas überhöht.
Hauptursache ist die stark ins Minus gefallene Produktivität.
Die Lohnkosten je Stunde stiegen um 4½ Prozent.

Preise.
Bei den Erzeugerpreisen der M+E-Industrie hat sich die schon seit langem extrem ruhige Entwicklung fortgesetzt.
Der Anstieg liegt unverändert bei 0,8 Prozent. Die Verteuerung der Lebenshaltungskosten wird 2002 deutlich niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr.
Nach den neuesten Prognosen werden die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt um 1,5 Prozent steigen.
Die Juni-Rate lag mit nur 0,8 Prozent deutlich darunter.

Erträge.
Der Ertragseinbruch im Jahr 2001 war wesentlich stärker als erwartet. Nach der neuesten IfO-Ertragsumfrage vom Juni 2002 erzielten die
M+E-Firmen im vergangenen Jahr im Schnitt eine Umsatzrendite nach Steuern von 1,8 Prozent, ein Drittel weniger als im Vorjahr.
Mehr als ein Viertel der M+E-Unternehmen schrieb rote Zahlen, weitere dreizehn Prozent lagen nur knapp über der Nulllinie.
Im ersten Halbjahr 2002 setzte sich die Talfahrt der Erträge fort.
45 Prozent der Firmen hatten Mitte 2002 eine schlechtere Ertragslage als im Herbst 2001, nur 14 Prozent konnten eine Besserung vermelden.
Bei allen Betriebsgrössen überwiegen die Rückgänge.

Geschäftsklima.
Das Geschäftsklima in der M+E-Industrie hat sich im ersten Halbjahr 2002 etwas erholt.
Im Detail war die Entwicklung aber höchst unterschiedlich.
Während die Lagebeurteilung sich kaum verbesserte und weiter tief im Minus verharrt (Saldo aus den Prozentanteilen der Plus- und Minusmeldungen: – 16 Prozent),
schnellten die Erwartungen innerhalb des letzten halben Jahres steil nach oben – im Saldo von -21 auf + 13 Prozent.

Aussichten 2002.
Das DIW rechnet in seiner jüngsten Prognose (März 2002) für die Summe aller M+E-Branchen von Jahresdurchschnitt 2001 zu Jahresdurchschnitt 2002 mit einem Produktionsrückgang von 2½ Prozent.
Dabei ging das DIW von der Annahme aus, dass es im Verlauf ab dem 2. Quartal 2002 mit der Produktion wieder aufwärts geht.
Die tatsächliche Entwicklung ist bisher schlechter gelaufen als in der DIW-Prognose unterstellt. Deshalb könnte das Minus in der Jahresbilanz auch höher ausfallen als die vorhergesagten 2½ Prozent

Quelle: http://www.gesamtmetall.de

Redaktion: FDZT